Da fliegt mir ja das Blech weg!

Viele Menschen im Brunnenviertel ärgern sich sehr über den neu aufgestellten Wellblechzaun um die alte Schule in der Putbusser Straße. Auch Hajo Lange gehört zu ihnen. Seine Gedanken formuliert er in diesem Text.

Der Wellblechzaun zieht sich fast um das gesamte alte Schulgebäude. Auch die ehemalige Schulsporthalle ist eingezäunt. Auf der Sportfläche davor soll der Interimsbau für die Ernst-Reuter-Schule stehen. Foto: D. Hensel
Der Wellblechzaun zieht sich fast um das gesamte alte Schulgebäude. Auch die ehemalige Schulsporthalle ist eingezäunt. Auf der Sportfläche davor soll der Interimsbau für die Ernst-Reuter-Schule stehen. Foto: D. Hensel

Und wieder macht der ehemalige Standort des Diesterweg-Gymnasiums von sich reden. Das ist schon ein echter Dauerbrenner im Kiez. Das Gebäude in der Putbusser Straße verrottet seit der Schließung 2011 und verfällt. Das Schulgebäude ist inzwischen sowas wie ein denkmalgeschütztes Kunstwerk. Der erste Stock macht wohl dem ehemaligen Aquadom Konkurrenz. Jede Menge Wasser soll dort schon gestanden haben, weil das Dach undicht ist.

Zuerst war das Schulgebäude ab den 1970ern ein Ort des Wissens und der Bildung, jetzt ist es eine Kulisse im Ghettostil. Soll das etwa inhaltlich zu den Jugendlichen hier im Kiez passen, die zum Beispiel die Scheiben im Olof-Palme-Zentrum eingeworfen haben (brunnen berichtete)? Nun hat man also beschlossen, eine drei Meter hohe Wellblech-Verkleidung um das ehemalige Gymnasium zu bauen. Ein Genuss für die Anwohner! Man muss immer wieder hinschauen, weil man kaum glauben kann, was man da sieht… Was will man den Anwohnern damit sagen? Sehr verwunderlich! Ist das ein Kunstupdate?

Die Reaktionen der Anwohner auf den Wellblechzaun sind ziemlich eindeutig: Kopfschütteln, Empörung, Ärger und Unverständnis. Dafür gibt man also Geld aus. Besonders ärgerlich ist, dass das Quartiersmanagement (QM) keine Kenntnis über diese überraschende Maßnahme hatte. Immerhin ist das QM vom Senat dafür eingerichtet worden, die Bedingungen in dem Gebiet zu verbessern. Auch der Brunnenviertel e.V. wusste nichts von diesem Vorgang und sogar das Olof-Palme-Zentrum (OPZ) wurde nicht informiert. Stadtteilkoordinator Jochen Uhländer vom OPZ äußert sich im Beitrag auf Seite 13 ebenfalls zu dem Zaun.

Ich frage mich, wie sowas nur veranlasst werden konnte? Warum wurde keiner der Anwohner und keine Einrichtung vorher mit einbezogen? Viele ehrenamtliche für den Kiez engagierte Bürger investieren viel Zeit und Arbeit, um den Kiez lebenswert zu gestalten. Sie werden einfach übergangen. Erst lässt man das Haus verrotten und dann verschandelt man es mit dem Wellblechzaun. Das ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich engagieren. Wertschätzung fürs Engagement sieht anders aus!

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Der Beitrag ist im gedruckten Kiezmagazin „Der Wut-Zaun“ enthalten, das Anfang Dezember 2023 erschienen ist. Weitere Texte und Themen dieser Ausgabe sind im Artikel „Neues Kiezmagazin: Der Wut-Zaun“ gesammelt und verlinkt.

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