Der Dezentrale Festplatz – Weddings Vergnügungspark

Der Zentralen Festplatz wirkt irgendwie randständig. Es gibt ihn, es kommen auch Gäste, die fühlen sich dann auch wohl und kommen wieder. Aber richtige Begeisterung sieht eigentlich anders aus. Wir haben uns beim zurückliegenden Frühlingsfest ein Bild vom zentralen Spaßplatz gemacht.

Beitrag aktualisiert am 15. April 2026

Zentraler Festplatz
Karussells beim Frühlingsfest auf dem Zentralen Festplatz. Foto: Schnell

Mutprobe mit Après-Ski-Sound

Es ist Sonnabend. Am Einlass wird eilig ein dritter Sicherheitsmann geholt, damit sich keine Schlange bildet. Es ist zwar keinen Eintritt zu zahlen, doch eine Taschenkontrolle markiert die Grenze zwischen Berlin und Festgelände. Der erste Eindruck: Es ist nicht rammelvoll, wie der Berliner sagt. Aber es ist auch nicht leer. Okay.

Okay ist vielleicht auch das Motto des Zentralen Festplatzes. Von über 80 Attraktionen schwärmen die Betreiber auf ihrer Webseite. Vor Ort zeigt sich bei unserem Besuch im Frühling: Das Riesenrad ist schon mal keine Attraktion. Während die Betreiber des Riesenrads London Eye 30 Pfund im Vorverkauf für die rund 30-minütige Umdrehung verlangen können, sieht es hier mau aus. Kaum jemand mag spontan dafür bezahlen, um in aller Ruhe den Stadtrand zu bestaunen.

Andere in die Luft strebenden Fahrgeschäfte sind dagegen durchaus eine Attraktion. Der Riesen-Propeller, das Hochluftkarussell und der Freie-Fall-Turm versprechen nicht nur den Aufstieg in 80 Meter Höhe, sondern zusätzlich noch Adrenalinkick. Vier G, vierfache Erdanziehung, brummt eine tiefe Stimme aus schwarzen Boxen am Riesen-Propeller. Im Gegensatz dazu darf man beim freien Fall aus 80 Metern den Moment der Schwerelosigkeit erleben. Bei diesen Fahrgeschäften gibt es keine Leerfahrten. Auch die anderen Fahrgeschäfte, die sich besonders schnell drehen, die Gäste besonders hochheben oder krass auf den Kopf stellen, sind beliebt. Zu hören ist in den Gassen: „Trauen wir uns?“ Und die Après-Ski-Musik gibt die Antwort.

Berliner Mittelmaß ist beim Rummel Messlatte

Sechs Millionen Besucher pro Jahr, 100 Stationen und 95 Hektar groß: Das ist der Europa-Park Rust, der größte Freizeitpark Deutschlands. Berlin taucht im Internet in den verschiedenen Listen mehrerer Rankings mit Freizeitparks, Volksfesten und Rummeln nicht auf. Eine Million Gäste wollen die Berliner Schausteller auf ihren Volksfesten und Weihnachtsmärkten gezählt haben. Ohne Eintrittsticket verkauft zu haben.

Vielleicht liegt der deutliche Abstand zur Spitze auch daran, dass nicht alle Attraktionen wirklich eine Attraktion sind. Wenn man am falschen Stand, wie der Reporter, Crêpe kauft, schmeckt der leer. Stofftiere zu angeln, hat den Festplatz-Tester auch nicht wirklich gelockt. Und warum schauen die Aufpasser beim Einsammeln der Chips immer so trübsinnig? Das ganze Frühlingsfest wirkt, als habe man beim Weihnachtsmarkt den Weihnachtsmann eingespart. Und den Glühwein. Und die heißen Mandeln. Und „Last Christmas“. Übrig bleibt, nach persönlichem Empfinden, nicht etwa Frühling, sondern eine gewisse Bedeutungslosigkeit. „Im Grunde ist es aber gar nicht so wichtig, warum wir feiern – wichtig ist, dass wir feiern.“, schreiben die Schausteller auf ihrer Webseite. Das trifft es.

Riesenrad Zentraler Festplatz
Nur Deko: Ein altes Riesenrad auf dem Zentralen Festplatz. Foto: Andrei Schnell

Auch bei den Höhen der Fahrgeschäfte gibt es wenig Besonderheiten oder gar Rekorde. So ist der Freifallturm Highlander im Hansa-Park 120 Meter hoch. Am Zentralen Festplatz gibt es keine festen Bauten, nur mobile Angebote. Und die sind eben nicht so hoch. Gleiches bei den Achterbahnen: 73 Meter hoch sind die Achterbahnen Silverstar im Europa-Park und „Der Schwur des Hades“ im Hansa-Park. Auf dem Zentralen Festgelände ist die „Wilde Maus“ zu Gast. Und noch zwei weitere. Das ist alles ordentlich, bloß nicht rekordverdächtig. So, wie es der Berliner von seiner Stadt gewohnt ist.

Immerhin, man soll nicht ungerecht sein. Mit der Achterbahn „Rock & Roller Coaster“ war beim Frühlingsfest Deutschlands größte mobile Achterbahn mit Einzelwagen vor Ort. Und mit dem Freifallturm „Mission Impossible“ war der größte mobile Turm auf dem Festplatz.

Der Zentrale Randplatz

Schausteller sprechen immer von Attraktionen, wenn sie von ihren Fahrgeschäften sprechen. Doch einen attraktiven Ort für ihre Attraktionen haben sie in Berlin nicht. Der Zentrale Festplatz liegt verschämt eingeklemmt zwischen stillgelegtem Flughafen, Autobahn und Bundeswehrkaserne. Berlins Zentraler Festplatz ist eher ein Randplatz.

Wer öffentlich kommt, muss mit dem Bus von Süden anreisen und nach Norden wieder abreisen, denn es gibt nur eine einzige Haltestelle. Wer mit dem Auto kommt, liest den Satz „Auf dem Gelände gibt es nur eine begrenzte Anzahl an Parkplätzen“. Nebenstraßen, auf die Autofahrer in vergleichbaren Fällen in Berlin gern ausweichen, gibt es hier nur eine: die Allée du Stade. Da hat es der Vergnügungspark Tivoli in Kopenhagen weitaus besser, denn er liegt direkt am Hauptbahnhof, wo nicht nur Fernbahnen, sondern auch U-Bahnen und S-Bahnen Gäste heranschaffen. Was für ein Bekenntnis einer Stadt zum Menschrecht auf Party.

Popup-Vergnügungspark

Etwas umständlich ist beim Zentralen Festplatz die rechtliche Konstruktion. Über den Platz herrscht die Berliner Festplatz Verwaltungs GmbH mit Sitz in der Rosenheimer Straße 5. Sie vermietet die 60.000 Quadratmeter. Unter anderem, aber eben nicht ganzjährig, an den Schaustellerverband Berlin e.V., der ebenfalls in der Rosenheimer Straße 5 ansässig ist. Deshalb gibt es auf dem Zentralen Festplatz auch mal einen Schlager-Olymp oder eine Motorshow. Das ist auch nicht schlecht.

In Summe ist der Zentrale Festplatz aber nichts Halbes und nichts Ganzes. Ein ganzjähriger Vergnügungspark wie der berühmte Hansa-Park bei Lübeck oder der Heide-Park in Soltau ist hier nicht anzutreffen. Die Berliner Variante ist ein Popup-Vergnügungspark. Mal heißt das Vergnügen Frühlingsfest, mal Volksfestsommer oder Herbstrummel. Und zwischendurch schließt er immer wieder mal und dann hält auch der Bus nicht an.

Zentraler Festplatz
Der Zentrale Festplatz. Foto: Andrei Schnell

Sollte der Zentrale Festplatz bebaut werden?

Ob der Zentrale Festplatz ein Baufeld werden könnte, ist eine theoretische Frage. Und das, obwohl die Bezirksverordneten in Mitte sich für Wohnen und gegen Rummel entschieden haben. Doch Bezirksstadtrat Ephraim Gothe (SPD), Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) und Staatssekretär Alexander Slotty (SPD) haben am 18. Dezember 2024 der Berliner Festplatz Verwaltungs GmbH vertraglich zugesichert, die Nutzungserlaubnis des Platzes bis 2032 zu verlängern. Ältere Verträge sahen ein Ende der Spaßnutzung 2028 vor. Die Kirmes irgendwo im Nirgendwo geht also erst einmal weiter.

Nächste Volksfeste auf dem Zentralen Festplatz

Wer selbst schauen will, wie sich ein Volksfest auf dem Zentralen Festplatz anfühlt, hat dazu Gelegenheit:

  • 54. Berliner Frühlingsfest – 28. März bis 3. Mai 2026
  • 63. Berliner Volksfestsommer – 9. Juli bis 2. August 2026
  • Berliner Herbstrummel – 25. September bis 25. Oktober

📍 Kiez:

Kommentare

  1. Avatar von eimaeckel

    Puh! Ein Ort, an dem man nicht hin will. Ein Abgesang an das Vergnügen a la West-Berlin.

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Ich fand es ja auch mutig, aber Andrei wollte unbedingt mal hingehen und gucken.

  2. Avatar von coranim
    coranim

    Man muss nicht mutig sein um den Festplatz zu besuchen, sondern nur Lust haben.
    Richtig, die Veranstaltungen auf dem Platz- im Zentrum des französischen Sektors!!!!!(Vergnügen à la West-Berlin)- mit französischem Dorf bot insgesamt einem größerem Publikum einen schönen Tag. Jetzt ist er etwas nostalgisch und mehr für Familien.
    Im amerikanischen Sektor gab es eine alternative Veranstaltung in ihrem Zentrum.
    Niemand behauptet das es die Zentren von Berlin waren/sind.

    Die An- und Abreise kann übrigens in beide Richtungen erfolgen.
    Aus dem Norden kommt man mit der U-Bahn vom Kutschi mit dem Bus und dahin geht auch wieder die Rückfahrt.
    Vom Süden kommt man mit der U- Bahn vom Jacob-Kaiser-Platz, steigt in den Bus und steigt in diesem Falle direkt vorm Eingang aus. Die Rückfahrt erfolgt auf der anderen Strassenseite. Raus – rechts zur Ampel laufen – Strasse überqueren und einen Bus besteigen.

    Etwas jwde, wie der echt Barliner sacht. Selber ein Bild machen und besser recherchieren.

    1. Avatar von Andrei Schnell

      Vom Norden kommend heißt die Haltestelle Aristide-Briand-Brücke. Vorteil dieser Haltestelle ist, dass sie von der BVG ganzjährig angefahren wird, auch wenn es keine Veranstaltung auf dem Festplatz gibt. 450 Meter Fußweg.

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