Am Montag, dem 20. Januar, hat das Centre Français in der Müllerstraße dazu eingeladen, die Freundschaft von Deutschland und Frankreich zu feiern. Es gab eine Ausstellung und ein Abendessen mit Speisen aus beiden Ländern. Ich habe mitgefeiert.

Das gute an Freunden ist, dass man sie sich selbst aussuchen kann. Aus neuen Freunden werden irgendwann vielleicht, wenn man Glück hat, gute oder gar alte Freunde. Auf welchem Status meine Freundschaft zu Frankreich ist, kann ich nicht genau sagen. Aber ich weiß, ich bin eine Freundin des Centre Français in der Müllerstraße, dem französischen Kulturzentrum im Wedding. Deshalb habe ich den Deutsch-Französischen Tag im CFB verbracht. Der ist eigentlich am 22. Januar und feiert die Unterzeichnung des Élysée-Freundschaftsvertrags zwischen Deutschland und Frankreich. Aber ich war schon am Montag (20.1.) dort.
Die Ausstellung: Erkenntnis statt Kunst
Der Abend im CFB begann mit einem Ausflug in die Geschichte des französischen Sektors. Schülerinnen und Schüler des Leibnitz-Gymnasium in Kreuzberg hatten nämlich Zeitzeugen aus dem Teil Westberlins befragt, der im von den Franzosen verwalteten Gebiet lag. Das Ergebnis: eine Ausstellung mit Schautafeln, ein spannender Film mit Fernsehberichten von anno dazumal und einige Gegenstände der Zeitzeugen waren der Ausstellungsgegenstand. Die Besucherinnen und Besucher sahen also keine Kunst, nahmen vielmehr an dem Weg der Erkenntnis einer Schüler:innengruppe teil.





Wer sich die Rechercheergebnisse anschaute, konnte etwas über die Cité Foch in Reinickendorf erfahren, über das Centre Français und über andere Orte, die die Zeitzeugen während der deutschen Teilung in Westberlin oft besucht haben. Die Besucher:innen konnten ihr Wissen testen und selbst den französischen Sektor auf einer schematischen Karte einzeichnen. Wer es sich auf den Liegestühlen oder Kissen bequem gemacht hatte, konnte auch einen Film sehen. Unter anderem wurde darin über eine Feier zur Eröffnung des französischen Kulturzentrums berichtet, Zeitzeugen kamen zu Wort. Zu Ausstellung waren auch einige der von den Schüler:innen befragten Zeitzeugen gekommen. Sie mischten sich mit Mitarbeitenden des CFB und den jungen Spurensucher:innen aus Kreuzberg zu einem großen und bunten, zweisprachigen Vernissage-Publikum.
Das Abendessen: Grünkohl und Tischgespräche
Ich möchte das mit der Freundschaft jetzt nicht überstrapazieren, aber nicht nur Liebe geht durch den Magen. Das habe ich von einem gelernt, der sich offenbar damit auskennt. „Freundschaft geht ja bekanntlich durch den Magen. Und deshalb bin ich heute nicht nur der Leiter des CFB, sondern auch Koch“, sagte Florian Fangmann zur Begrüßung der Gäste des deutsch-französischen Abendessens. Das fand direkt im Anschluss an die Vernissage statt. An einer langen Tafel im früheren Bistrot kamen viele Menschen zusammen, um die Freundschaft der beiden Länder auch kulinarisch zu feiern. Es gab reichlich sehr leckeren Oldenburger Grünkohl mit Pinkel und zum Nachtisch (ebenfalls mehr als ausreichend) Galette des Rois, einen französischer Kuchen, der eigentlich am Dreikönigstag serviert wird. Auch Papierkronen wurden traditionell verteilt an alle, die eine kleine Bohne in ihrem Kuchen hatten und damit zum König oder zur Königin des Abends gekrönt wurden.



Das Abendessen an den langen Tischen war sehr schön. Die Tischgespräche machten Sitznachbarn zu Bekannten oder frischten alte Freundschaften bei Cidre oder Limonade auf. Mit viel zu viel deutsch-französischem Essen im Bauch und mit interessanten Gesprächen erfrischt, verließ ich am späten Abend das Centre Français. Die Luft war angenehm kühl und an der Müllerstraße leuchtete die neu installierte Lichterkette am gerade neugebauten Mini-Eiffelturm wirklich schön in den Weddinger Abendhimmel. Ich dachte, als ich ging, dass ich wirklich gute Freunde habe.

Kleiner Abspann
PS: Die Podiumsdiskussion zur Erinnerungskultur mit dem Aliiertenmuseum Berlin am Mittwoch (22.1.) habe ich verpasst. Ich habe auch nicht die App ausprobiert, mit der die Schülerinnen und Schüler zu einem Rundgang in der Cité Foch eingeladen haben.
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Weitere Beiträge über das interkulturelle Leben im Wedding und in Gesundbrunnen stehen auf der Seite Interkulturelles Leben im Wedding.

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