Schülerpraktikum unterm Weddinger Eiffelturm

In den weiterführenden Schulen sollen die jungen Menschen auch einen Blick ins echte Arbeitsleben werfen. Betriebspraktika stehen mit auf dem Stundenplan. Kiezmagazin-Autor Jakob Hensel hat die drei Wochen Schülerpraktikum kürzlich genutzt, um eine Weddinger Institution näher kennenzulernen, das Centre Français. Hier berichtet er davon.

Beim Schülerpraktikum: Mit Schild im Foyer des Centre Français de Berlin. Foto: D. Hensel
Beim Schülerpraktikum: Mit Schild im Foyer des Centre Français de Berlin. Foto: D. Hensel

Der Eiffelturm befindet sich nicht weit entfernt vom Brunnenviertel. Er besteht aus Holz und muss dringend saniert werden. Natürlich ist nicht von dem Turm in Paris die Rede. Sein kleiner Bruder, der sich im Wedding befindet, ist auch nicht zu besteigen. Das Weddinger Wahrzeichen erfüllt seit vielen Jahren seinen Job als stummer Pförtner des Centre Français de Berlin (CFB) in der Müllerstraße.

In den ersten drei Wochen nach den Frühlingsferien lies mich der große Mini-Eiffelturm immer herein. Ich war schließlich auch ein Mitarbeiter im CFB. Genauer gesagt war ich ein Schülerpraktikant, der den anderen Mitarbeitern zur Seite stand. Langeweile tauchte bei mir in der Zeit nie auf, denn in dem französischen Kulturzentrum gibt es viel zu tun: vom Helfen in der Küche über die Büroarbeit bis zum Vorbereiten von Bienenstöcken auf dem Dach. Vom Techniker bis zum Betreuer einer Gruppe Lehrer aus Frankreich – all das und noch mehr war ich im CFB, um einen Austausch zwischen der deutschen und der französischen Kultur möglich zu machen. Einmal konnte ich sogar meine Fähigkeiten als Nachwuchsjournalist unter Beweis stellen, und zwar als ich einen Social-Media-Beitrag über den Gemeinschaftsgarten Rote Beete auf dem Gelände schrieb.

Auf dem Campus des deutsch-französischen Kulturzentrums ist eine so abwechslungsreiche Zeit für die Mitarbeiter ganz normal. Jeder erledigt hier so wie ich beim Praktikum viele verschiedene Aufgaben. Mir hat diese Abwechslung sehr gut gefallen. Doch nicht nur das zeichnet die Arbeit in den Gebäuden hinter dem Eiffelturm aus. Dort herrscht nämlich auch eine sehr gute Arbeitsatmosphäre. So sind alle im CFB per Du. Sogar der Geschäftsführer Florian Fangmann hieß für mich nur Florian. Die gute Stimmung war jedoch nicht nur bei der Arbeit an sich zu spüren. Auch in der Mittagspause war dies zu bemerken – fast jeden Tag wurde von einem Kollegen ein Kuchen oder etwas Ähnliches auf den Tisch gestellt. Zum Ende meiner Praktikumszeit habe ich dann auch einen Abschiedskuchen mitgebracht.

Das Ende meines Praktikums nach drei schönen Wochen war jedoch kein endgültiges Auf Wiedersehen. Schließlich ist das Centre nicht weit vom U-Bahnhof Rehberge entfernt und somit vom Brunnenviertel mit der U8 gut zu erreichen. So lohnt es sich für mich, aber auch für andere Brunnenviertler, das Kulturzentrum und den großen, kleinen Eiffelturm zu besuchen, zum Beispiel beim Besuch des City Kino Wedding, welches sich ebenfalls im Gebäudekomplex befindet. Auch im Gemeinschaftsgarten kann man etwas erleben. Zum Beispiel jedes Jahr bei der Fête de la Musique am 21. Juni oder bei den regelmäßigen Jam Sessions. Sonst kann man dort auch zusammen mit anderen Nachbarn in den Hochbeeten gärtnern. An manchen Tagen ist nach der Gartenarbeit auch die UmsetzBar geöffnet. Wer will, kann eine Brause zur Erfrischung bestellen.

Wer sich für einen Jugendaustaustausch mit Frankreich interessiert, kann sich ebenfalls ans Centre wenden. Dieses setzt unter anderem das Voltaire-Programm um. Das ist ein Austauschprogramm, bei dem Schüler der 8. Klasse jeweils zusammen mit einem französischen Partnerkind gleichen Alters ein halbes Jahr in Deutschland und anschließend in Frankreich verbringen. Dabei ist so ein Austausch über das Voltaire-Programm sogar kostenlos.

Entstanden ist das Centre Francais de Berlin übrigens in den 1960er Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren in diesem Teil Berlins französische Truppen stationiert. Damit die Soldaten weiterhin ihre Kultur ausleben konnten, wurde das Centre Culturel Français im französischen Sektor eröffnet. Nach Abzug der Truppen nach der Wende wurde die Immobilie an die BRD übergeben, die dort wiederum ein französisches Kulturzentrum einrichtete: das Centre Français de Berlin.

Mehr übers Centre Français de Berlin gibt es online unter www.centre-francais.de.

Jakob mit einem T-Shirt des CFB vor dem großen Mini-Eiffelturm. Foto: D. Hensel
Jakob mit einem T-Shirt des CFB vor dem großen Mini-Eiffelturm. Foto: D. Hensel

Text: Jakob Hensel, Fotos: Dominique Hensel

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