Ein Blick in die Deutschen Höfe Berlin und auf ihre Geschichte. Buchautor Ralf Schmiedecke vergleicht eine historische Aufnahme aus der Wohnanlage aus dem Jahr 1904 mit einem aktuellen Bild. Die historische Ansicht zeigt den Altdeutschen beziehungsweise den Nürnberger Hof mit dem Elisabethgarten in der Versöhnungs-Privatstraße.

Gründung und Bau der Versöhnungs-Privatstraße
Der Vaterländische Bauverein wurde als Genossenschaftsprojekt am 29. Juli 1902 gegründet. Nahe der einstigen evangelischen Versöhnungskirche entstand auf einem Holzverkaufsplatz zwischen Hussitenstraße 4–5 zur Strelitzer Straße 43 von 1903 bis 1904 die Versöhnungs-Privatstraße. Die Architekten Ernst Schwartzkopff und Carl Koeppen errichteten geschlossene Gebäudetrakte mit historischen Fassaden. Sie gruppierten die Gebäude um sechs unterschiedlich gestaltete Höfe. Sie beherbergten 208 Wohnungen mit Innen-WC sowie 43 Einzelzimmer. Es gab eine Wasch- und Badeanstalt, Bibliothek, Gemeinschaftsräume sowie Spielplätze für die Kinder.
Die sechs Höfe im Überblick
Beginnend hinter dem Vorderhaus der Hussitenstraße war der 1. Hof im romanischen Stil aus dem 12. Jahrhundert mit Rolandsgarten gestaltet, in dem oben noch die Statue des heiligen Petrus steht. Dahinter nimmt der 2. Hof mit Hohenzollerngarten Bezug auf das Berlin des 14. und 15. Jahrhunderts als Altmärkischer Hof mit seiner Backsteingotik.
Der Bildervergleich entstand im 3. Hof, wo Fachwerk und Erker aus dem 16. Jahrhundert nachgeahmt wurden. Hinter der heutigen Gustav-Falke-Grundschule findet sich im Stil der Spätrenaissance des 17. Jahrhunderts mit dem Friedrich-Wilhelm-Garten der 4. Hof. Der 5. Hof im Barock-Stil mit Friedrichsgarten nahm Bezug auf die königliche Residenzstadt unter anderem durch Andreas Schlüter, der die drei Neubauseiten des Berliner Stadtschlosses (heute Humboldt-Forum) entwarf. Kurz vor der Ausfahrt zur Strelitzer Straße befand sich der 6. Hof im modernen Stil mit Wilhelmsgarten, der die Kaiserstadt der Gründerjahre darstellte.
Zerstörungen und Wiederaufbau
Einige Bauten des Genossenschaftsensembles wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, so das prächtige Vorderhaus der Hussitenstraße und ein Hofgebäude zur Strelitzer Straße. Die erhaltenen Gemäuer blieben teilweise von der Kahlschlagsanierung verschont. Der Bildervergleich zeigt dies deutlich, da der rechte Bauteil im dreieckigen Hof noch um 1975 entfernt wurde, um mehr Sonnenlicht hineinzulassen. Zudem entstanden durch den Bauverein erweiternde Neubauten auf dem Areal. Heute wird die restaurierte und unter Denkmalschutz stehende Wohnanlage an der Hussitenstraße 4 als Deutsche Höfe Berlin bezeichnet.
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