Gestern und heute: Hussitenstraße

Die Hussitenstraße/Ecke Stralsunder Straße mit Blick zur Versöhnungskirche an der Bernauer Straße um 1905 und heute.

Am 16. Februar 1883 erhielt die Hussitenstraße ihren Namen. Er wurde gewählt in Erinnerung an die bei Bernau 1432 stattgefundenen Hussitenkämpfe durch Anhänger des böhmischen christlichen Theologen und Reformators Jan Hus (um 1370–1415).

Gründerzeitliche Miethausbauten der 1880er-Jahre prägten einst das Quartier in der nördlichen Oranienburger Vorstadt. Durch die Nähe zu den AEG-Fabriken wurden im Zweiten Weltkrieg viele der Gebäude in der Hussitenstraße zerstört. Die Reste wurden später größtenteils entfernt.

Versöhnungskirche gesprengt

Die evangelische Versöhnungskirche entstand in zweijähriger Bauzeit und wurde am 28. August 1894 geweiht. Gotthilf Ludwig Möckel schuf das neugotische Gotteshaus mit seinem 75 Meter hohen Turm. Bis 1938 gehörten Kirche und Gemeindehaus zum 1920 gebildeten Bezirk Wedding, wo auch die Mehrzahl der Gläubigen wohnte. Ab 13. August 1961 stand sie im Schatten der Mauer und wurde auf Veranlassung des DDR-Staatssekretärs für Kirchenfragen Klaus Gysi im Januar 1985 gesprengt. Die Gemeinde erhielt im neu geschaffenen Bezirk Marzahn im Ortsteil Biesdorf ein Ersatzgrundstück für einen Kirchenneubau. Auf den alten Fundamenten befindet sich heute die am 9. November 2000 eröffnete Kapelle der Versöhnung.

Auf dem historischen Bild sieht man links vom Kirchturm einen ungewöhnlichen Giebel in der sonst einheitlichen Bauflucht. Er gehörte zur Hussitenstraße 4–5. Hier ließ der am 29. Juli 1902 gegründete Vaterländische Bauverein in den Jahren 1903/1904 auf einem ehemaligen Holzverkaufsplatz die Versöhnungs-Privatstraße zur Strelitzer Straße 43 errichten. Das erste Genossenschaftsensemble des Vereins entstand mit Gebäudetrakten verschiedener Baustile. Die Pläne dazu stammen vom Architekten Ernst Schwartzkopff. Carl Koeppen führte den Bau aus. Die sechs unterschiedlich gestalteten Innenhöfen sind heute noch teilweise erhalten.

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Weitere historische Aufnahmen aus dem Brunnenviertel im Vergleich mit aktuellen Vergleichsfotos von Ralf Schmiedecke gibt es hier: Gestern & heute

Der Text ist im gedruckten Kiezmagazin „Der weiße Stier vom Humboldthain“ enthalten, das im November 2021 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neue Ausgabe: Der weiße Stier vom Humboldthain“ gesammelt und verlinkt.

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Kommentar

  1. Avatar von Barbara Van Eyk
    Barbara Van Eyk

    Vielen Dank für diese Aufnahmen und Bericht. Wir wohnten bis 1952 in der Hussitenstr. 73 und nachdem bis 1959 in der Stralsunder Str. 52. Wegen den Angriff in der Ukraine habe ich mich an den Bomben Anfall in 1945 in unserer Straße erinnert. Kaum zu glauben was man so alles im Leben überlebt. Obwohl wir hier in Ottawa Verhältnis mäßig friedvoll leben sind unsere Gedanken immer wieder bei denen die es leider nicht so gut haben.

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