Weil die Kosten für Gas und andere Energieträger drastisch gestiegen sind, muss sich auch der Sport mit Einsparmaßnahmen beschäftigen. Dabei zeigt sich: Eisstadien, Hallenbäder und Sportarenen sind Großverbraucher. Auf die Schnelle lässt sich das nicht ändern. Übers Energiesparen im Sport.

Der vom Bundeswirtschaftsministerium erstellte Notfallplan Gas setzt den Kommunen Sparvorgaben. Der Bezirk Mitte muss beispielsweise zehn Prozent Energie einsparen. Die etwas hilflose, aber effektive Antwort: einfach abschalten. Die Eislauf-Saison startet dieses Jahr im Weddinger Erika-Heß-Eisstadion einen Monat später als üblich, also im Dezember statt im November. Der Bezirk ist Betreiber der Anlage und kann so 60.000 bis 70.000 Kilowattstunden Energie einsparen. So viel wird pro Monat für den Erhalt der Außen-Eisfläche und die Beleuchtung verbraucht. Bleibt die Frage, ob so eine Eisanlage noch eine Zukunft hat.
Energiesparen heißt auch: weniger heizen
Andernorts lautet das Mittel der Wahl beim Energiesparen: Heizung drosseln. In den Freibädern blieben zuletzt die Außenbecken unbeheizt. Das störte auch im Sommerbad Humboldthain nicht viel, der Sprung ins Wasser war umso erfrischender. In den Hallenbädern ist das Wasser nun maximal 26 Grad warm. Ein bisschen weniger Komfort ist für die Erwachsenen erträglich, Hauptsache die Hallenbäder bleiben geöffnet. Doch Kinder können im Wasser schneller auskühlen, vor allem, wenn sie nicht dauerhaft in Bewegung sind. Konsequenzen hat das schon für Kinder-Schwimmkurse: Die meisten Anbieter haben die Dauer einer Einheit von 45 auf 30 Minuten verkürzt, dafür gibt es ein oder zwei Kurstermine mehr.
Beim Betrieb der Traglufthalle am Kombibad Seestraße musste zwischen Energiesparen und zusätzlichen Flächen für das Schwimmen abgewogen werden. Die Entscheidung fiel zugunsten der Errichtung der Traglufthalle. Auch diese Wintersaison werden die Außenbecken des Kombibads Seestraße überdacht und dadurch nutzbar bleiben.

Wenig Einsparpotenzial bei Vinetahalle
Und im Brunnenviertel? Die im Oktober 2021 fertiggestellte große Sporthalle der Vineta-Grundschule wurde nach neuen Standards gebaut. Stand der Technik ist eine LED-Beleuchtung mit Präsenzmeldern und Tageslichtsensoren. Aber sonst sind die Sporthallen im Bezirk in einem eher schlechten Zustand. „Viele Möglichkeiten zum Energiesparen als Nutzer einer Sporthalle sehe ich nicht“, so Christoph Eßer, Vereinsvorsitzender der Weddinger Wiesel. Die Hallenbeleuchtung einzusparen oder nur mit halber Stärke anzuschalten, sei keine Option, wenn es um 17 Uhr draußen schon dunkel ist.

Bei den Sportplätzen sind Flutlichtanlagen Stromfresser. Die Beleuchtung der beiden Sportplätze im Brunnenviertel, einer in der Stralsunder Straße, der andere an der Heinrich-Seidel-Grundschule, scheint noch nicht auf LED umgerüstet zu sein. Die Vereine als Nutzer sind sensibilisiert und achten darauf, sparsam mit den Ressourcen umzugehen.
Raumtemperatur gesenkt
Energie soll vor allem bei der Heizung eingespart werden. Die Raumtemperatur in Sporthallen und Funktionsgebäuden wird im Winter maximal 17 Grad Raumtemperatur betragen. Für bewegungsintensive Sportarten mag das unproblematisch sein. Ob Kinderturn- oder Seniorengymnastik-Gruppen aber ohne Zwangspausen über den Winter kommen, muss sich erst zeigen.
Der Verein SV Rot-Weiß Viktoria Mitte hat beim 2018 eröffneten Vikihaus auf nicht-fossile Energieversorgung gesetzt: Das Haus verfügt über eine Wärmepumpe. Strom benötigt die Pumpe dennoch für den Betrieb. „Damit sind wir nicht komplett sorgenfrei,“ so Elias Bouziane, zweiter Vereinsvorsitzender. „Wir bekommen unsere Abrechnung über das Bezirksamt immer erst ein Jahr später, die Auswirkungen sind damit für uns schwer absehbar.“
So geht es vielen Betreibern und Nutzern von Sportstätten: Sie reduzieren den Verbrauch, aber ob es am Ende reichen wird, wissen sie nicht. Laut Berliner Bäder-Betrieben können nach der energetischen Sanierung eines Hallenbades bis zu 80 Prozent Energiekosten gespart werden. So einen großen Wurf bräuchte die Mehrzahl der Sporthallen in Berlin. Häufig wurden solche Maßnahmen bislang aus Kostengründen abgelehnt. Der Bumerang kommt nun über die Heiz- und Stromrechnung zurück.
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