Im Juni schließen zwei Hallenbäder im Berliner Norden für mindestens zwei Jahre. Das Kombibad Seestraße wird der wichtigste Ausweichstandort. Deshalb bekommen die Außenbecken dort im nächsten Winter ein Dach wie bei einer Traglufthalle.

Nach langen Jahren des Sparens kann das Land Berlin jetzt endlich Fördermittel für die Sanierung einiger Bäder zur Verfügung stellen. Energetische Sanierungen sind vielerorts überfällig, die Technik ist marode. Das Paracelsus-Bad in Reinickendorf wird voraussichtlich am 16. Juni für rund zwei Jahre geschlossen. Das Stadtbad Tiergarten in der Seydlitzstraße folgt vier Tage später am 20. Juni.
Nicht nur die allgemeinen Bäderbesucher, sondern auch rund 60 bis 70 Sportvereine sowie das Schulschwimmen sind von der zeitgleichen Schließung betroffen. Vereinsvertreter hatten die Errichtung von Traglufthallen vorgeschlagen, um mehr Flächen für den Schwimmsport zu schaffen: Sommerbäder sollen im Winter überdacht werden und so ganzjährig nutzbar werden. Traglufthallen kennt man von Tennisplätzen: „Das sieht wie eine große aufgeblasene Steppdecke aus“, sagt der Sprecher der Berliner Bäder-Betriebe, Matthias Oloew.
Eine Traglufthalle für die Außenbecken
Eine solche Decke bekommt in diesem Winter das Kombibad Seestraße. Die Tragluftkonstruktion soll die beiden 50-Meter-Außenbecken überdachen. Dort wird das Schul- und Vereinsschwimmen stattfinden. Das Hallenbad bleibt für die Öffentlichkeit geöffnet; auch Kurse wie Aquafitness werden weiterhin angeboten. Das Land Berlin übernimmt die Kosten in Höhe von etwa 1,7 Millionen Euro. Dazu kommen noch Betriebskosten, vor allem für die Heizung.
Mit dem Aufbau des Daches soll nach Ende der Sommersaison im September begonnen werden. Frühestens Anfang Dezember werden die Bauarbeiten abgeschlossen sein. Immer zur Sommersaison wird das Dach abgebaut, zur Wintersaison wieder neu errichtet, was dann in den nächsten Jahren schneller gehen soll. Die Überdachung soll drei Jahre halten.
In den warmen Monaten wird das Fehlen der zwei Hallenbäder nicht so sehr auffallen, denn mit dem Sommerbad Humboldthain hat das Brunnenviertel ja eine schöne Freiluft-Schwimm-Location. Ein Ausflug zum Freibad Plötzensee ist eine weitere Alternative: Der neue Betreiber engagiert sich vor allem für mehr Familienfreundlichkeit.
Äußerst schwierig wird es nach dem Ende der Sommersaison bis zur Eröffnung der Traglufthalle im Dezember. Die große Frage ist, ob normale Schwimmbadbesucher im Hallenbad Seestraße ausreichend Schwimmzeiten bekommen oder ob neben dem Schul- und Vereinsschwimmen kein Platz mehr ist. Ein kleiner Trost: Die Smartphone-App „Berliner Bäder“ soll bei der Suche nach dem nächsten verfügbaren Bad helfen. Unter www.berlinerbaeder.de finden sich die Öffnungszeiten aller Hallen- und Sommerbäder.
Text: KiezSportLotsin Susanne Bürger, Foto: Sulamith Sallmann
Weiter unsaniert: Das Sommerbad Humboldthain bleibt ein Bad ohne Winterüberdachung. Auch andere größere Umbau- oder Sanierungsarbeiten sind derzeit nicht geplant. Nötig wäre es: Die Fliesen im Becken fallen immer wieder ab, viele müssen nach Saisonende ersetzt werden. Die Berliner Bäder-Betriebe planen schon lange, ein Edelstahlbecken einzubauen. Bislang fehlt noch die Finanzierung für das Millionenprojekt im Humboldthain.
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Der Text ist im Kiezmagazin „Sommer im Kiez“ enthalten, das im zweiten Quartal 2019 erschienen ist. Weitere Text aus dieser Ausgabe sind im Beitrag Neues Kiezmagazin: Sommer im Kiez gesammelt und verlinkt.

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