Dock Nord: Drogenhilfe mit beschränktem Kontakt

Wie soll eine Kontaktstelle ohne Kontakt arbeiten? Für die Nutzer des alkohol- und drogenfreien Begegnungsstätte Dock Nord in der Genter Straße 56 ist der Lockdown wegen Corona fast ein Knock-Out. Nun kann dank einer finanziellen Hilfe der Aktion Mensch wenigstens über eine Essensausgabe Kontakt mit suchtkranken Menschen gehalten werden. Einen Koch mit sechs Stunden pro Tag kann Dock Nord nun beschäftigen.

Essensausgabe in der Kontaktstelle. Foto: Andrei Schnell
Essensausgabe in der Kontaktstelle. Foto: Andrei Schnell

Über einen Minijob kommen zur Stelle für den Koch noch ein Beikoch und eine Kraft für die Ausgabe hinzu. 20 bis 30 Essen werden täglich ausgereicht, maximal 40 seien möglich, so Andrea Plath, die Vorsitzende des Vereins für Suchtfreies Leben Eigeninitiative. „Wir sind für die Unterstützung von Aktion Mensch unheimlich dankbar“, sagt sie. Täglich gibt es eine Suppe für drei Euro zum Abholen.

Die Essensausgabe ist für das Dock Nord eine Möglichkeit weiterzumachen. Die aufgrund von Corona behördlich angeordneten Schließung im März war ein harter Schlag gewesen. Der Begriff Kontaktstelle im Schaufenster weist auf die eigentliche Arbeit von Dock Nord hin. „Es geht um den Austausch mit Gleichgesinnten“, sagt Andrea Plath. Zahlreiche Selbsthilfegruppen treffen sich in „unserem Wohnzimmer“, das 1983 von zwei trockenen Alkoholikern als „Kneipenersatz“ gegründet wurde. Nach einem Entzug in einer Klinik finden Menschen im Dock Nord Anschluss an Gruppen mit Menschen, die gegen Alkohol- Drogen- oder Spielsucht kämpfen.

Dock Nord: Anlaufpunkt für Selbsthilfegruppen

„Über die Selbsthilfegruppen kommen 150 Leute pro Woche zu uns“, sagt Andrea Plath. Geschickt werden diese Menschen vom jüdischen Krankenhaus oder vom DRK-Krankenhaus in der Drontheimer Straße. Unter normalen Bedingungen öffnet der Treff seine Türen von 15 bis 21 Uhr. In der Schließzeit mussten WhatsApp-Gruppen ausreichen. Erste Treffen mit begrenzter Teilnehmerzahl sind mittlerweile möglich. Aber das Problem bleibt: „Die Menschen sind größtenteils auf sich gestellt, ich gehe von sehr vielen Rückfällen aus“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Der Verein selbst hat seine finanziellen Rücklagen aufgebraucht, vom Hausverwalter einen Mieterlass erhalten und die Soforthilfe der Investitionsbank Berlin (IBB) genutzt.

Eine zweite größere Anlaufstelle für Selbsthilfegruppen ist im Wedding das Haus Phönix in der Koloniestraße an der Grenze zu Reinickendorf.

Dock Nord
Dock Nord kann einen Koch beschäftigen. Foto: Andrei Schnell
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