Der Kick ist größer als beim Essen oder beim Sex. Was gut klingt, hat dennoch krasse Haken. Welche das sind, davon erzählen Experten in einer Vortragsreihe, die das Dock Nord, die Begegnungsstelle für Alkohol-, Medikamenten- und Drogenabhängige, derzeit organisiert. Der nächste Vortrag ist am 19. Dezember in der Genter Straße 56.

„Suchtkompass im Kiez“ heißt die Reihe, bei der Ärzte, Therapeuten und Forscher sprechen. Die Reihe tourt durch den Wedding, findet an wechselnden Orten statt. Themen sind auch substanzlose Abhängigkeiten wie Sexsucht, Internetsucht oder Spielsucht. Für 2024 sind drei Vorträge vorgesehen, im nächsten Jahr folgen weitere. Am 19. Dezember spricht Suchttherapeutin Franziska Bude in den Räumen des Dock Nord in der Genter Straße 56 über die Frage: Was kommt nach der Sucht? Beginn ist um 19 Uhr. Nach einem Vortrag über Ziele und Stolpersteine gibt es eine Fragerunde.
Cannabis – jawohl, ist ein Problem
Bereits zurück liegt der Vortrag von Dr. Alexander Stoll. Der 50-jährige Arzt leitet die Entwöhnungstherapie der Hartmut-Spittler-Fachklinik in Schöneberg, wo er zuvor seit 2014 als Oberarzt arbeitete. „Cannabis – wo liegt denn eigentlich das Problem?“, fragte er. Dass er eine Menge Probleme sieht, hat er bereits in zahlreichen öffentlichen Statements deutlich gemacht. So greift die Droge in das körpereigene Cannabinoid-System ein und hat vor allem im jugendlichen Alter gravierende Folgen. „In der Pubertät wird das Gehirn umgebaut, erst mit 25 Jahren ist das Gehirn fertig gereift“, erklärte Dr. Alexander Stoll. Weil Cannabis in diese Reifung eingreife, sei es kein Wunder, dass viele seiner Patienten schon mit Mitte Zwanzig zu ihm kommen, weil sie große Probleme bekommen haben.
Zu dem Vortrag am 11. November kamen vor allem Betroffene. Sie wollten persönliche Erfahrungen verstehen und verarbeiten. Zum Beispiel wollten sie wissen, was genau beim Cannabiskonsum im Kopf passiert. Sie hatten Fragen zum Umgang mit Partnern. Oder gaben sich als Abhängige zu erkennen. Zu spüren war, dass beim Leben mit Drogen offenbar nach der kurzen Zeit des Kicks die lange Zeit schwerwiegender Fragen kommt.
Die Kontaktstelle Dock Nord des Vereins für suchtfreies Leben Eigeninitiative in der Genter Straße will diesen Menschen beistehen – und das nicht nur mit der Vortragsreihe. Der Verein wurde 1983 von zwei trockenen Alkoholikern gegründet. In den Vereinsräumen können sich Selbsthilfegruppen treffen. Tagsüber gibt es einen Treffpunkt, Café und Mittagessen.

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Wie das Dock Nord die Hürden der Coronazeit (teilweise) gemeistert hat, steht auf diesem Blog im Beitrag Drogenhilfe mit beschränktem Kontakt. Der Flyer zur Vortragsreihe ist verfügbar auf der Webseite des Dock Nord.

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