Drum Circle: Trommeln im Mauerpark

Zusammen Trommeln, Tanzen und Singen ist das älteste Gemeinschaftserlebnis der Menschheit. Immer wieder Sonntag: Thomas Koch über den Drum Circle im Mauerpark und den gemeinsamen Rhythmus als vereinende Kraft.

Beim Trommeln im Mauerpark. Foto: Wolfgang Eichberg @radiomoabit-afreeBerlinvoice
Beim Trommeln im Mauerpark. Foto: Wolfgang Eichberg @radiomoabit-afreeBerlinvoice

Seit Jahren existiert im Mauerpark ein musikalisches Ereignis, bei dem man etwas besonders Verbindendes erleben kann: Beim Trommeln spürt man besonders deutlich seine Sensibilität. Man fühlt seine Musikalität und improvisiert zusammen mit allen anderen einen einzigen spontanen Groove!

Zum Drum Circle der Mauerparker Trommelistas kommen Sonntagnachmittag am Stein-Viereck alle Beat-Begeisterten, egal welchen Alters und welcher Herkunft. Anfänger und Profis, Erwachsene, Kinder. Ob Einheimische, Touristen, Zugezogene und Durchwandernde, Menschen mit Handicap und ohne: Es trommelt, wer es mag! Die Weltsprache Musik vereint Menschen über alle definierenden Eigenschaften wie Nationalität, Geschlecht, Identität, Sprache, Glaube, Beruf und Weltanschauung hinweg. Integration ist beim Drum Circle kein Wort – Integration IST!

Friedliche interkulturelle Begegnung

Der Drum Circle verknüpft die Wiedervereinigungs-Historie des ehemaligen Todesstreifens mit der verbindenden Gegenwart der Kultur-Oase Mauerpark und steht wie kein anderes Ereignis für den völkerverständigenden Geist dieses Ortes. Es bleibt wichtig, öffentliche soziokulturelle Räume zu haben, in denen Menschen erleben können, wie wenig die Integrationsfähigkeit eines Menschen von dessen Geburtsland, ethnischer Herkunft, religiöser Überzeugung, asylpolitischem Status oder Ernährungsgewohnheit abhängt. Beim Trommeln in Gemeinschaft lösen sich die teils mentalen Grenzen auf und es entsteht ein Zusammensein in Lebendigkeit und Freude. Friedlicher kann interkulturelle Begegnung nicht sein!

Trommeln im Mauerpark. Foto: Thomas Koch
Trommeln im Mauerpark. Foto: Thomas Koch

Der Mauerpark Drum Circle ist als Sozialprojekt unverzichtbar. Seine Historie, seine Entwicklung und seine Funktion geben ihm eine besondere Schutzwürdigkeit. Das Trommeln hat neben seinem positiven Wesen einen hohen Nutzen für das gesamtgesellschaftliche Klima, denn es steht für die Internationalität dieser ganz speziellen Berliner Grünfläche.

Petition und Spendensammlung

Weil Musik Geräusche macht, ist auch der Drum Circle in besonderer Weise auf die Toleranz der Anwohner angewiesen. Die Mauerpark-Akteure haben eine Petition gestartet, in der gemeinsame Lösungsansätze gefunden und mithilfe des Bezirks umgesetzt werden sollen. Auch aus der Trommelgruppe heraus wurde eine Petition ins Leben gerufen, in der auf die Notwendigkeit der Unterstützung durch die Freunde und Gäste der freien Session hingewiesen wird und mit der um Unterschrift geworben wird. Über eine Spendensammlung möchte auch der Drum Circle langfristig einer verträglichen Ko-Existenz mit der Nachbarschaft zuarbeiten können.

Text: Thomas Koch

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Kommentare

  1. Avatar von Reinhard
    Reinhard

    Hallo

    vielleicht sollten alle Menschen nur noch oder wenigstens 4x die Woche rund um den Erdball Trommeln damit die immer größer werdende Spaltung ein Ende hat….

    verregneten Sonntag noch

    1. Avatar von Thomas Koch

      Hallo Reinhard,
      Sie haben mit Ihrer Vision recht, dass mehr Verbindendes im Tun als Trennendes im Denken sein sollte. Leider lese ich Ihren Kommentar mit einem fatalistischen Unterton.
      Als Autor des Artikels und Trommler lade ich Sie ein, das gemeinsame Tun aus der Nähe zu erleben. Es ist etwas anderes, das Schöne im Machen zu erleben als nur die Geräusche aus der Ferne zu hören.
      Natürlich reicht Trommeln nicht aus, um das Trennende im Denken zu überwinden und global derjenigen Kriegsgefahr entgegenzuwirken, die ja auch im Kopf und bei vermeintlich ‚objektiven Notwendigkeiten‘ ihren Ursprung hat.
      Aber vor Ort – also gerade beim Trommeln – zeigt sich, wie die Menschlichkeit im Gemeinsamen das vermeintlich Andersartige überwinden kann. Verständnis, Akzeptanz und Toleranz sind ein wichtiger Weg, wie wir uns als Menschheitsfamilie befrieden könnten.

    2. Avatar von Carmen Olivar

      Ich schlage vor 4 x am Tag zu Trommeln. Dies ersetzt quasi jede (chemische) Medizin und ganz nebenbei hat man soziale Kontakte, den Klang der Trommeln, das Schwingen des Tanzbeins und/oder der Hüften 😉 und Mitmachen bei uns ist immer gern gesehen. Gruss Carmdn 👩‍🦼 die mit den gelben Schellenringen in vorgestern Reihe. Man darf uns auch gerne ansprechen 😉

  2. Avatar von cheerfullyvibrant3cef1fd21d
    cheerfullyvibrant3cef1fd21d

    Auch bei Regen?

  3. Avatar von Thomas Koch

    Hallo!
    Tatsächlich ist die Begeisterung für das ‚Trommeln mit Freunden und Bekannten‘ bei einigen so groß, dass sich von dem weiten Freundeskreis und dem sozialen HotSpot, der das Trommeln ja auch schon lange ist, oft auch einige finden, wenn es immer wieder mal leicht regnet wie gestern auch.
    Gemeinsam trommeln ist entspannend und freudvoll, und auch für Menschen eine tolle Erfahrung, die das vielleicht vorher noch nie gemacht haben.

  4. Avatar von Andreas Laabs-Gaidies
    Andreas Laabs-Gaidies

    Es war schön anzusehen, Menschen aus so vielen Nationen und Schichten, friedlich miteinander lachend tanzend musizierend auf engsten Raum.
    Das hatte eine magische Wirkung auf mich und werde versuchen, mir öfter Zeit zu nehmen, um dieses wundervolle Miteinanander zu genießen……
    Ist das eine feste Gruppe, oder kann dort jeder mitmachen ?

  5. Avatar von strawberryfuturistic2eeed7925c
    strawberryfuturistic2eeed7925c

    Hallo Andreas,

    Danke für das Teilen der tollen Erfahrung, die Du beim Drum Circle gemacht hast!

    Also das Ganze ist keine ‚Band‘ und auch keine ‚Darbietung‘. Es ist ein über die Jahre gewachsener Freundeskreis aus völlig unterschiedlichen, aber Anderen gegenüber offenen Menschen. Alle sind aus Interesse am Trommeln gekommen und aus Sympathie zu den Leuten geblieben.

    Der Mauerpark wird als öffentlicher und frei zugänglicher Ort mitsamt Instrument aufgesucht, man trifft sich, quatscht und spielt zusammen – so läuft das :). Sicher hat der Drum Circle sowas wie einen Konzertcharakter, aber das eher als Ergebnis des spontanen Tuns.

    Bis bald vielleicht wieder, Andreas…!

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