„Gebraucht werden ist mir wichtig”

Im Brunnenviertel kennt man Hajo Lange fast überall: Ob beim Winterspielplatz, im Kiezmagazin oder beim Basteln mit Kindern – er engagiert sich ehrenamtlich, weil er gebraucht wird. Sein Engagement ist ein Paradebeispiel für Ehrenamt im Brunnenviertel, das den Kiez belebt und Menschen zusammenbringt.

Hajo Lange an seinem Bastelstand beim Weiterreich-Markt in der Vineta-Grundschule
Hajo Lange an seinem Bastelstand beim Weiterreich-Markt in der Vineta-Grundschule. Foto: Schnell

Meine Ehrenamtsprojekte

Was hast Du schon alles ehrenamtlich gemacht?
Hajo Lange:
Ich habe zum Beispiel meine Mutter nach einem Schlaganfall sieben Jahre lang gepflegt. Außerhalb der Familie habe ich im Haus der Jugend am Nauener Platz viele Projekte für Kinder und Jugendliche in die Tat umgesetzt – gegen Ehrenamtspauschale (etwa 1,50 Euro/Stunde). Eines war eine Lernwerkstatt, in der aus Müll neue Dinge wurden. In einer Ideenschmiede haben wir theoretisches Wissen aus dem Schulunterricht in die Praxis umgesetzt. Zum Beispiel haben wir Experimente gemacht, da ging es um Physik, Biologie und Chemie.

Wo engagierst Du Dich im Brunnenviertel?
Hajo Lange:
Ich bin seit vier oder fünf Jahren im Quartiersrat. Das macht mir riesigen Spaß. Ich staune immer, was das Quartiersmanagement-Team und die Anwohner für den Kiez auf die Beine stellen. Außerdem mache ich im Olof-Palme-Zentrum Näh- und Bastelangebote für Erwachsene. Bereits im vierten Jahr bin ich mit meinem Bastelangebot für Kinder jetzt beim Winterspielplatz dabei. In diesem Jahr erhalte ich dafür erstmals etwas Honorar, vorher war es ehrenamtlich.

In meinem Kiez mache ich aber noch mehr. Ich bin Mitglied im Brunnenviertel e.V. und ich bin Teil der Bürgerredaktion. Ich schreibe ja für das Kiezmagazin. Auch hier mache ich gern mit, weil es ein gutes Team ist. Es ist mir wichtig, ein gutes Team zu haben und ernst genommen zu werden. Das ist hier so.

Zeit finden und in Bewegung bleiben

Woher nimmst Du die Zeit für so viel Engagement?
Hajo Lange:
Ich bin offiziell Rentner. Ich habe Zeit. Für mich ist Fernsehgucken keine Alternative. Ich finde, man sollte immer in Bewegung bleiben. Ich nutze meine Freizeit.

Aber was bringt Dir das Ehrenamt persönlich?
Hajo Lange:
Es tut mir einfach unheimlich gut, etwas zu tun, was ich nicht machen muss – sondern will. Ein Ehrenamt macht man ja, weil man es möchte und nicht, weil ein Chef dahinter steht, der dich antreibt. Dieser Druck kann sogar krank machen. Beim Ehrenamt ist das ganz anders.

Gebraucht werden wichtiger als Geld

Warum machst Du das alles ohne Bezahlung?
Hajo Lange:
Es ist ganz einfach: Ältere Menschen wie ich werden einfach gern gebraucht. Gebraucht zu werden, das ist mir wichtiger als eine gute Bezahlung. Ich mache es sozusagen aus Spaß an der Freude. Weil ich dabei mit Menschen zusammenkomme, mich austauschen und mein Wissen weitergeben kann.

Findest Du, dass Du mit diesen unbezahlten Tätigkeiten in der Nachbarschaft viel bewirken kannst?
Hajo Lange:
Ein kleines Rädchen in der Gemeinschaft zu sein, das ist doch ein tolles Gefühl. Sich ehrenamtlich zu engagieren bringt geistige und körperliche Fitness. Sich mit anderen Menschen auszutauschen ist nämlich für das Gehirn unheimlich wichtig. Man könnte sagen, Ehrenamt ist gesund. Für mich ist Ehrenamt etwas, das das Leben wirklich bereichert.

Die Fragen stellte Dominique Hensel.

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