Ein Herz für die Gleim-Oase

Das Brunnenviertel ist reich an Grünflächen. Es gibt den großen Humboldthain und kleine Parks wie die Gleim-Oase. Während der Volkspark vom Grünflächenamt gepflegt wird, gärtnern auf der Verkehrsinsel Privatpersonen, ehrenamtlich und in ihrer Freizeit. Doch das ist nicht immer leicht.

Dunja Berndt und Holger Eckert auf der Gleim-Oase. Foto: Hensel
Dunja Berndt und Holger Eckert auf der Gleim-Oase. Foto: Hensel

Die Gleim-Oase ist den Lesern des Kiezmagazins vor allem aus dem Inselflüstern bekannt. In jeder Ausgabe spricht der kleine Park für sich, berichtet von Pflanz- und Gießaktionen, von Veranstaltungen und von Entwicklungen rund um die Verkehrsinsel. Manchmal berichtet die Gleim-Oase auch von den Aktivitäten ihrer beiden Paten: Dunja Berndt und Holger Eckert.

Vor zehn Jahren haben die beiden damaligen Kiezläufer die Verkehrsinsel sozusagen gefunden. Sie war komplett zugewuchert und kaum zu erkennen. Damals haben die beiden sie freigeschnitten und zu einem kleinen Garten vor dem Gleimtunnel entwickelt. Dunja Berndt und Holger Eckert haben seitdem gepflanzt, sauber gemacht, Lesungen und Anwohnerfrühstücke organisiert, zum Pflanzentausch eingeladen, Führungen angeboten und die Verkehrsinsel zu einer echten Oase gemacht.

Seit Anfang Oktober streiken die beiden Paten. Das bedeutet, sie gärtnern nicht, sie räumen nicht den Müll weg und es gibt auch keine Veranstaltungen mehr. Ein Grund für den Streik ist der Müll, den Passanten oder Besucher der Oase zunehmend hinterlassen. „Es wurde immer mehr Müll. Wir haben ihn vormittags eingesammelt und nachmittags war er wieder da. Wir haben nur noch Müll gesammelt und sind gar nicht zum Gärtnern gekommen“, erzählt Dunja Berndt. Darüber hinaus werde auch sie älter und könne nicht mehr so viel schaffen wie vor zehn Jahren. Mit dem Streik wollen sie zeigen, dass sie es nicht mehr allein schaffen, die Gleim-Oase als ein Schmuckstück im Brunnenviertel zu erhalten.

Der Streik fällt den engagierten Paten nicht leicht. „Ich bin gestern durchgelaufen. Die ersten Tulpen kommen raus, die Krokusse… es kribbelt schon in den Händen. Aber ich dachte auch: Hoffentlich kommt jetzt niemand und schneidet die Blumen ab“, sagt Holger Eckert und spricht ein weiteres Problem an. Wie an jedem Ort im öffentlichen Raum gibt es auch auf der Gleim-Oase Menschen, die die Arbeit ihrer Mitmenschen nicht achten oder gar zerstören. Nach all den Jahren haben die beiden Paten auch davon genug.

Gleim-Oase
Fotos aus besseren Tagen: Die Gleim-Oase ist eine kleine Großstadtinsel in der Gleimstraße, auf der es grünt und blüht. Derzeit ist sie nicht ganz so schön bepflanzt, weil helfende Hände fehlen. Foto: Hensel

Hinter den Kulissen sind die Paten aber nicht untätig. Sie haben mit vielen Menschen gesprochen, die Verantwortung tragen und sie zu einem runden Tisch zusammengeholt. Denn wenn sie in der Vergangenheit auch überwiegend allein gegärtnert haben, sind sie dennoch nicht allein. Der Brunnenviertel e.V. steht an ihrer Seite, das Projekt Brunnengärten – Grünräume nachbarschaftlich stärken hilft genauso wie das Quartiersmanagement Brunnenstraße. Das Straßen- und Grünflächenamt wurde angesprochen, die Berliner Stadtreinigung und die Polizei. Zusammen, so hoffen Dunja Berndt und Holger Eckert, könnten die Probleme gelöst werden.

„Wenn wir uns in Gemeinschaft wieder wohlfühlen, beenden wir den Streik“, sagt Dunja Berndt. Denn die beiden wünschen sich, dass die Gleim-Oase wieder ein Treffpunkt und auch ein Kulturort wird, der nicht nur Gärtnern offensteht. Als ein großes Problem sehen die beiden dabei das, was in den vergangenen zehn Jahren eigentlich die Stärke der Initiative auf der Gleim-Oase war: ihre eigene ständige Präsenz. „Wir haben es nicht geschafft, klarzumachen, dass hier jeder mitmachen kann und dass wir nicht die Chefs der Gleim-Oase sind“, so Dunja Berndt selbstkritisch. Sie glaubt auch, dass viele denken, dass hier nicht Nachbarn, sondern das Grünflächenamt gärtnert. Andere meinen, dass die Gleim-Oase den beiden Aktiven persönlich gehöre, es sozusagen Privatland sei. Doch das ist nicht der Fall.

Neben der Lösung der Müllproblematik geht es auf der Gleim-Oase nun vor allem darum, eine Gemeinschaft zu bilden. Dann könnten Möglichkeiten und Sorgen auf mehrere Schultern verteilt werden. „Wir sehen uns in Zukunft eher als Ratgeber, nicht als Chefs“, sagt Dunja Berndt. Deshalb sind sie nun auf der Suche nach Menschen, die auf der Verkehrsinsel gärtnern oder Veranstaltungen organisieren möchten. Konkrete Ideen haben die langjährigen Paten natürlich, doch mit neuen Paten können auch neue Ideen und Veranstaltungen kommen. Beim Elstergarten ganz in der Nähe habe sich ja auch eine Gruppe gebildet. „Vielleicht ist es auch ein Problem, dass die Oase so groß ist. Aber niemand muss hier die ganze Insel begärtnern. Es reicht, wenn man sich ein Eckchen aussucht“, erklärt Dunja Berndt. Die Gleim-Oase ist insgesamt übrigens etwa 530 Quadratmeter groß.

Anfang Februar hat das Straßen- und Grünflächenamt einen kräftigen Grünschnitt auf der Gleim-Oase gemacht. Kurz davor hatte die Berliner Stadtreinigung herumliegenden Müll eingesammelt. Das sind ermutigende kleine Schritte. Trotzdem ist noch keine grundsätzliche Lösung für die beiden drängendsten Probleme gefunden: der ständig neue Müll und das Fehlen weiterer Mitglieder in der Patenschaftsinitiative. Holger Eckert und Dunja Berndt wollen aber nicht aufgeben. Sie haben einfach schon zu viele ehrenamtliche Stunden in die Gleim-Oase gesteckt. „Wir können das doch nicht einfach wegwerfen! Das wäre zu schade“, findet Dunja Berndt.

Trotz des Streiks sind Dunja Berndt und Holger Eckert einmal die Woche im gegenüberliegenden Freizeiteck (Graunstraße 28) für Interessierte da. Jeden Donnerstag zwischen 16 und 18 Uhr gibt es dort eine Gartensprechstunde. Auch per E-Mail (gleim-oase@gmx.de) sind die beiden Paten weiterhin erreichbar.

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Mehr Beiträge über die Stadtgärten im Wedding und in Gesundbrunnen sind auf der Seite Nachhaltigkeit im Wedding (Abschnitt „Urbanes Gärtnern“) zu finden.

Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Es grünt im Kiez!“ enthalten, das im ersten Quartal 2020 erschienen ist. Weitere Artikel sind im Beitrag Neues Kiezmagazin: Es grünt im Kiez! gesammelt und verlinkt.

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