Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. So formuliert Hermann Hesse in seinem Gedicht „Stufen“. Mancher Anfang allerdings entsteht einfach aus Zufall. Aber, wenn er auf fruchtbaren Boden fällt, besteht die Möglichkeit, dass später daraus ein Zauber erwachsen kann. Erinnerungen an den Start einer besonderen Patenschaft im Brunnenviertel vor zwölf Jahren.
Für mich war der 11.11.2010 so ein Zufall, als ich die ersten Bilder von der Verkehrsinsel am Gleimtunnel machte, ohne zu wissen, dass just an diesem Tage zwei Arbeitskolleg:innen von mir die Pflege dort übernommen hatten.

Meine Motive für diese Fotos lagen nämlich in der Vergangenheit. 1995 war ich ihr schon mal begegnet. Da war ich gerade erstmals arbeitslos geworden. Um nicht den Arbeitsrhythmus zu verlieren, joggte ich morgendlich von meiner Wohnung Schwedter Straße über die Bernauer und Wolliner Straße durch den Gleimtunnel und Mauerpark wieder zurück. Während dieser halben Stunde nahm ich immer am Rande die grüne Straßeninsel vor dem Tunnel wahr. Sie erschien mir zu dieser Zeit als unwirklich grüne Burg vor dem finsteren Tunnel. Deren Existenz erklärte ich mir als Überbleibsel einstiger Mauerbegrünung auf West-Berliner Seite. Immer mal wieder kam der Gedanke, durch das Grün zu laufen. Aber der Autoverkehr um die Insel und die Gegenwartsprobleme waren stärker und ich ließ sie stets links liegen.
Erst 2010, als ich im Brunnenviertel eine Fotoarbeit aufnahm, geriet die Verkehrsinsel wieder in mein Blickfeld. Nun wollte ich sie endlich mal in Ruhe ablichten. Das geschah zufällig zum Faschingsauftakt am 11.11.2010. Erstmals entdeckte ich die vom Bewuchs freigelegten Rankhilfen in Form von Toren, Menschen und Vögeln. Davon hatte ich 1995 nichts bemerkt. Da ich vor 1995 einige Jahre bei einer Baufirma auch mit Landschaftsgestaltung zu tun hatte, war mir klar: Hier ist zwischenzeitlich einiges veranlasst worden.


Meine beiden Arbeitskollegen seit 2010, die KiezläuferInnen Dunja Berndt und Holger Eckert, waren mir bereits einige Male durch ihre besonderen Aktivitäten aufgefallen. Sie bemalten Schilder für Demonstrationen, entwickelten Modelle für Präsentationen und vieles mehr.
Im März 2011 kommt es zum zweiten Zufall, der langsam einen Zauber um die Insel legt. Bei Frühlingsaufnahmen entdeckte ich die beiden besagten Kiezläuferinnen beim Freischneiden. Darüber befragt erzählen sie wie nebenbei, dass sie Pläne zur Bepflanzung entwickelt hätten. Die wären am 11.11.2010 vom Umwelt- und Grünflächenamt befürwortet worden. Das nahm mir erst mal die Luft. Mir war klar, dass angesichts der Größe der Insel und verschiedener anderer Faktoren hier ein Riesenpensum Arbeit wartete. Entweder hatten sie sich total überschätzt oder noch andere Asse im Ärmel. Immerhin hatte Holger Zierblumengärtner und Dunja Werbegestalterin gelernt. Das war schon eine verheißungsvolle Ausgangssituation. Gespannt wartete ich auf die ersten Ergebnisse.

Bereits zwei Monate später kam es mit Hilfe zweier Mitarbeiter zur Auffüllung des Hochbeetes mit Erde. Studentenblumen und Buntnesseln bildeten ein Farbenmeer. Akzente setzten drei Rizinuspflanzen, die binnen kurzer Zeit mannshoch schossen. Leider wurden dadurch erste Begehrlichkeiten geweckt: einige Pflanzen verschwanden über Nacht.
In meiner späteren jahrelangen Fotobegleitung der Pat:innen der Gleim-Oase sollte sich auch der Zufall immer wieder belebend auf die Blickwinkel des Objektivs auswirken.



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Mehr Beiträge über die Stadtgärten im Wedding und in Gesundbrunnen sind auf der Seite Nachhaltigkeit im Wedding (Abschnitt „Urbanes Gärtnern“) zu finden.

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