Manchmal ist der Entenpfuhl ein müffelnder Schlammpfuhl. Damit soll nun Schluss sein. Ab Februar soll damit begonnen werden, den Tümpel im Volkspark Rehberge vom Schlamm und damit vom Geruch zu befreien. Ob neben der Nase auch die Natur profitiert, ist allerdings unklar.
„Die Schlammschicht ist stellenweise auf mehr als einen Meter angewachsen“, teilt das Bezirksamt mit. Besonders der Entenpfuhl ist über Jahre und Jahrzehnte zu einem Schlammpfuhl geworden. Das klingt dramatisch. Doch ein Gutachten aus dem Jahr 2019 erklärt, dass der Schlamm aus Sicht der Natur kein großes Problem ist, auch wenn der Geruch Spaziergänger beeinträchtig. Sie bemerken in den Wintermonaten, wenn es zu Bakterienblüten kommt, unangenehm riechenden Schwefelwasserstoff, den vor allem der Entenpfuhl freisetzt.

Das Bezirksamt hat nun eine Firma beauftragt, den Schlamm aus Entenpfuhl und Sperlingssee im Volkspark Rehberge herauszuholen. Die Methode heißt Saugspülen. Dabei wird der Grund der Teiche abgesaugt. Das angesaugte Gemisch wird über eine Presse in Wasser und Schlamm geteilt. Das Wasser bleibt im Park zurück und soll vor Ort versickern. Der übrigbleibende Dreck wird abtransportiert. Mitte Februar beginnt die beauftragte Firma den Entenpfuhl abzusaugen, in der zweiten Jahreshälfte folgt die Rehakur für der Sperlingssee. Das ist angenehm. Doch profitiert auch die Natur?
Frage: Ist besserer ökologischer Zustand das Ziel?
Ziel der Entschlammung ist es, den siechenden Tümpeln im Volkspark wieder Leben einzuhauchen. In offiziellen Worten der Mitteilung des Bezirksamts: „Ziel der Maßnahme ist es den ökologischen Zustand der Gewässer zu verbessern.“ Besonders leide der Entenpfuhl, weil das Grundwasser sinke. Gleichzeitig belasten herabfallendes Laub und Bodenerosion den Pfuhl, schreibt das Bezirksamt. Mit anderen Worten: Für Frösche und Wasserpflanzen ist der Pfuhl kein Wellness-Hotel mehr. Rund eine Million Euro kostet die Wiederbelebungsmaßnahme.
Eine andere Sicht auf die Dinge hat ein vom Bezirk bezahltes Gutachten zur „Feststellung der aktuellen Gewässerqualität“ aus dem Jahr 2019. In dem wird von einer Entschlammung sogar abgeraten. Es heißt, die Verschlammung sei gering. Trotz des „alljährlich erhöhtem Laubanfall haben sich kaum organisch geprägte Sedimente im Sperlingsee und Entenpfuhl angehäuft. Die Sedimentmächtigkeit ist im Mittel in beiden Seen etwa 10mal geringer als im
Möwensee.“ Es heißt klar: „Der Sperlingsee entspricht weitgehend seinem Leitbild“ und „Der Entenpfuhl entspricht weitgehend seinem ökologischen Leitbild.“ Es seien eben kleine Waldtümpel. Und eben keine, das darf angefügt werden, keine Brandenburger Badeseen.

Statt einer teuren Entschlammung schlägt das Gutachten gegen die Geruchsbildung eine (damals) 10.000 Euro kostende Behandlung mit Eisen vor und eine Umwälzpumpe vor. Lediglich eine „behutsame Teilentschlammung“ in Höhe der Brücke, an der sich Entenpfuhl und Sperlingsee treffen, sei ratsam. 30 Kubikmeter Schlamm könnten wegen der Geruchsbelästigung entnommen werden (nicht wegen zur Verbesserung des natürlichen Zustandes).
Beim Möwensee sei von einer Entschlammung sogar abzuraten, da der See bis zu einem Meter über dem Grundwasserpegel liege. Der Bodenschlamm wirke wie eine Trennschicht. Der Möwensee existiert demnach unabhängig vom Grundwasser.
Seit Jahrzehnten Diskussion um Schlamm
Natürlich gibt es und gab es in der Vergangenheit auch Gutachter, die eine Entschlammung empfehlen. Die Gutachter Grabowski & Moeck urteilten 2006 im „Fachgutachten Pflanze und Tier zum Bewilligungsverfahren des Wasserwerks Tegel“, dass die Seen stark verschlammt seien und Verlandungstendenzen aufwiesen.
Entenpfuhl und Sperlingsee sind junge Tümpel
Entenpfuhl und Sperlingsee liegen in einer eiszeitliche Rinne. Das heißt, vor gut 10.000 Jahren floß hier Gletscherwasser ab. Im 19. Jahrhundert war davon wenig zu sehen. Einen Teil der Rinne, in dem heute der Möwensee liegt, hieß das Lange Fenn (Fenn = morastige Niederung). Das Gebiet war ein Sumpfgebiet. Luftilder von 1928 zeigen Wege und kleine Hütten auf dem Gebiet des heutigen Möwensees. Entenpfuhl und Sperlingsee sind nicht auszumachen. Sie erscheinen erstmals in Karten aus den 1930er Jahren. Sie sind Menschenwerk, wurden bei der Anlage des Volksparks Rehberge geschaffen, indem die eiszeitliche Rinne vertieft wurde.
Als 1953 mit dem Bau der U6 nach Tegel begonnen wurde, musste im Weddinger Norden das Grundwasser abgesenkt werden. Dadurch verlandeten die jungen Seen. Wasser, das verschwindet, ist zu allen Zeiten (wie heute an der Diskussion um austrocknende Seen in Brandenburg zu beobachten ist) erschreckend. Vermutlich deshalb wurden 1955 die drei jungen Gewässer im Volkspark Rehberge entschlammt (vertieft). 22.000 Kubikmeter Schlamm (Erde?) ließ das Bezirksamt Wedding allein aus dem Möwensee holen.


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