Nach drei Jahren Schließung hat das Erika-Heß-Eisstadion in Wedding seit einer Woche wieder geöffnet. Besucher zahlen nun sieben Euro Eintritt, neue Sicherheits- und Betreuungskräfte sorgen für geordnetes Eislaufen, und eine modernisierte Kühlanlage hält die Eisfläche frisch. Betreiber ist jetzt die Ice Team Eisflächenbetriebs GmbH aus Lankwitz. Ein Testlauf.
Update: Am Sonntag, 15. März 2026, endete die Saison für den öffentlichen Eislauf im Erika-Heß-Eisstadion (siehe: Wedding kurz & knapp). Die nächste Saison startet in der Regel im Oktober.

Wiedereröffnung nach drei Jahren – was sich geändert hat
Ich teste das neue Erika-Heß-Eisstadion, das drei Jahre geschlossen war. Zu Weihnachten habe ich einen Gutschein bekommen, ich solle mal wieder hingehen. Mein erster Eindruck: Ich komme nicht umhin, die Zahl sieben zu bemerken. Der Eintritt ist jetzt ein echter Eintritt und nicht wie früher eine symbolische Geste. Dafür sind die sieben Euro ein Tageseintritt und kein Zeitticket mehr. In der Eissporthalle in Charlottenburg, im Eisstadion Neukölln, im Horst-Dohm-Stadion in Wilmersdorf oder im Sportforum Hohenschönhausen kostet der Eintritt vier Euro, doch dort handelt es sich nicht um einen Tageseintritt. Studenten, Schüler oder Rentner zahlen im Erika-Heß jetzt sechs Euro für den Tag. Kinder bis 12 Jahre kosten vier Euro. Bei Schulklassen werden zwei Euro pro Nase berechnet. Wer ein klein wenig sparen will, kann Fünfer-Tickets kaufen.

Sicherheit, Betreuung und neue Regeln auf dem Eis
Neu ist auch, dass auf dem Eis jetzt zwei Guards in orangefarbenen Westen mitlaufen. Sie sprechen alle an, die mit Rucksack oder Tasche auf dem Eis sind. Oder mit Straßenschuhen. Und vermutlich sollen sie auch übermütige Eisläufer zurück auf Normalpuls bringen. So können sich alle wohlfühlen.
Dass nun eine Firma und nicht mehr das Bezirksamt das Ticketing und die Betreuung übernimmt, liegt daran, dass der Bezirk das Eisstadion zeitnah nach den zurückliegenden Bauarbeiten eröffnen wollte. Die Firma Ice Team Eisflächenbetriebs GmbH übernimmt Kartenverkauf und Sicherheit. Vor der Wiedereröffnung hat der Bezirk Mitte 1,5 Millionen Euro in das Stadion gesteckt. Schlittschuhverleih und Pommesverkauf übernimmt weiterhin die von Paul Grunke geführte Firma Berliner-Party-Service.

Schuhtauschraum, Schlittschuhverleih und Imbiss – kleine Details, große Wirkung
Was fällt mir sonst noch auf? Der Schuhtauschraum wirkt frischer. Ich höre von Kennern, dass dieser Raum offiziell Anschnallhalle heißt. Was für ein Wort! Dass diese Halle aufgehübscht wirkt, liegt unter anderem an den neuen Schließschränken, die blau und grau am Ende des langgestreckten Raumes mit den Holzbänken stehen.
Und der Schlittschuhverleih wirkt ebenfalls freundlicher. Ich habe nicht mehr den Eindruck, am kleinen Ausgabefenster jemanden gegenüberzustehen, der es für unter seiner Würde hält, Hinz und Kunz Schlittschuhe in die Hand zu drücken. Aber gut, vielleicht war ich früher empfindlicher als heute. Ich zahle vier Euro Leihgebühr für die erste Stunde und zwei Euro für jede weitere halbe Stunde. Apropos Geld: Beim Imbiss kosten die Pommes vier Euro, eine Currywurst 3,50 Euro und ein Kakao 3 Euro. Achtung: Bargeld lacht und Kreditkarten sind hier wertlos.

Was gleich geblieben ist – Playlist, Gedränge und Eispflege
Aber ich will auch davon erzählen, was gleich geblieben ist. Gleich ist etwa die Playlist, die über die Köpfe der Laufenden hinweg erdröhnt. Es ist wie gefühlt seit 1967 ein Mix aus Songs, den ich nirgendwo anders ertragen würde. Aber hier auf der Eisbahn hebt er meine Stimmung. Der Trick ist ähnlich wie bei einem Grog oder einem Glühwein, der ebenfalls ausschließlich auf dem Weihnachtsmarkt schmeckt.
Gleich geblieben ist auch das Gedränge. Denn nicht nur ich komme auf die unfassbare Idee, an einem schönen, luxuriös mit Sonne ausgestatteten Wochenendtag ins Erika-Heß zu gehen. Um elf Uhr, als ich die Bahn betrete, ist noch Luft zwischen den rudernden Armen. Doch nach zwei Stunden, um 13 Uhr, ist Flitzen nicht mehr möglich.
Eisbereitung alle zwei Stunden
Gleich geblieben ist auch die Sache mit der Beauty-Einheit fürs Eis. Alle zwei Stunden kommt das schwerfällige, an eine Seekuh erinnernde Gefährt, das den abgeschabten Schnee verschluckt und die Fläche frisch poliert. 15 bis 20 Minuten Pause für die Läufer. Diese Zeit mit einem warmen Kakao zu füllen, ist leider nicht möglich, weil der Imbiss schlagartig belegt ist. Und die Schlange wird einfach nicht kürzer. Wenn Paul Grunke ein Verfahren erfände, wie er in fünf Minuten dreißig Bestellungen aufnimmt und austeilt, wäre er ein gemachter Mann.

Wer ist der neue Betreiber?
Und zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich an verschiedenen Stellen des Stadions etwas vom Ice Team Lankwitz las. Die App der heimischen Suchmaschine, die ich auf meinem Handy installiert habe, findet für mich heraus, dass die Ice Team Eisflächenbetriebs GmbH auch in Lankwitz tätig ist. Seit 20 Jahren ist Geschäftsührerin Manuela Scherrieble in dieser Branche tätig. Und jetzt erklärt sich, warum am Eingang eines Eisstadions Werbung für Padel – eine Art Tennis – gemacht wird. Denn Padel ist die Sommerattraktion auf der Eisbahn Lankwitz, die das Ice Team ebenfalls betreut. Ein letztes Wort: Offenbar unterschätzen die Lankwitzer den Klang der Worte „Erika-Heß-Eisstadion“ in den Ohren bekennender Weddinger. Sonst wären sie nicht auf die Idee gekommen, die Webseite www.eisbahn-mitte.de zu nennen.

Nach 90 Minuten beginnen meine Beine zu zittern. Ich schnalle ab und ziehe nach Hause. Und das wohlgemut nach einer langen Trennung vom Eislauf vor der Haustür.
Mehr Informationen zum Erika-Heß-Eisstadion
Statt Erika-Heß-Eisstadion müsst ihr im Internet „Eisbahn Mitte“ eintippen. Alle Eisbahnen in Berlin findet ihr auf berlin.de. Warum das Eisstadion so lange (drei Jahre!) geschlossen war, steht im Beitrag Schlittschuhe raus: Erika-Heß-Eisstadion öffnet wieder für alle.
Dieser Text wurde von einem Menschen geschrieben.

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