Espresso House: Cappuccino und Kanelbulle am Nordbahnhof

Am Nordbahnhof, gleich an der Gedenkstätte Berliner Mauer, gibt es eine Filiale der schwedischen Kaffeekette Espresso House. Jeden Morgen gehen hier ganz früh das Licht und die Kaffeemaschine an.

Espresso House Nordbahnhof in Berlin von außen
Espresso House früh am Morgen. Foto: Hensel

Kaffee für Frühling, Sommer, Herbst, Winter

Im Winter ist es noch dunkel, wenn das Espresso House am Nordbahnhof öffnet. Schön und irgendwie gemütlich leuchtet es dann aus den großen Fenstern nach draußen. Geht es dem Frühling zu, dann geht die Sonne manchmal spektakulär in zartem Rosa oder leuchtendem Orange gegenüber, hinter dem Mount Mitte auf, dem Hochseilgarten am Nordbahnhof.

Im Sommer huschen große Touristengruppen über die Ampel und in den Laden, wenn ihnen Ampel und M10 den Weg freigeben. Dann wuselt es im Coffee Shop wie in einem Bienenstock. Der Herbst bringt den Pumpkin Latte auf die Getränkekarte. Ich habe ihn niemals probiert. Ich trinke Cappuccino mit Hafermilch. Ich muss das auch gar nicht mehr ansagen. Die meisten Barista stellen ihn mir wie selbstverständlich auf den Tresen, wenn ich das Espresso House am Nordbahnhof betreten. Pre Order deluxe nenne ich das insgeheim. Das Privileg der Stammkundin.

Das Espresso House am Nordbahnhof ist eine Filiale der schwedischen Kaffeekette. Schwedisch wird hier jedoch eher selten gesprochen. Wer hier den Kaffee zubereitet, kann aber Englisch. Das ist auch nötig. Denn während hier tagsüber Menschen ohne Büro, dafür mit Kopfhörern still in ihren Laptop tippen so wie ich, stehen mehrmals am Tag plötzlich riesige Schülergruppen vor dem Tresen. Sie sprechen Niederländisch oder Italienisch und wollen vor oder nach ihrem Besuch an der Berliner Mauer an der Bernauer Straße noch ein Heißgetränk. Sie bestellen dann zwanzig heiße Schokoladen zum Mittnehmen oder eines der Saisonangebote. Wie den Pumpkin Latte.

Gleicher Preis für Milch und Alternativen

Die meisten Menschen bestellen vermutlich Cappuccino oder Latte Macchiato. Aber das ist nur eine Vermutung. Ob Milch oder Milchalternative, darüber entscheidet im Espresso House nicht der Preis. Beides kostet hier erfreulicherweise immer gleich viel. Die Preise sind auf üblichem, gehobenem Coffee House-Niveau (kleiner Cappuccino=4,40 Euro, Standard-Cappuccino= 4,90 Euro). Koffeeinfreier Kaffee steht auch auf der Karte, ebenso Ingwertee (4,30 Euro), Americano (3,70 Euro), im Sommer Eiskaffee; Leitungswasser gibt stets gratis dazu. Belegte Bagels (5,40 Euro) und Foccacia (ab 6,80 Euro) finden sich ebenso in der Auslage wie verschiedene süße Snacks. Hervorzuheben sind die für Schweden typischen Kanelbulle (3,30 Euro), eine Art großer Muffin mit Zimt und manchmal auch etwas Kardamom. Ob Kanelbulle, Bagel oder belegtes Croissant (ab 3,90 Euro): alles schmeckt noch einen Ticken besser, wenn es warm gemacht wird – und so ist der kleine Ofen im Dauereinsatz.

Snacks in der Vitrine bei Espresso House Nordbahnhof Berlin
Süße und herzhafte Snacks in der Vitrine. Foto: Hensel

Büro-Nomaden und Touristengruppen

Im Espresso House am Nordbahnhof ist wirklich viel Platz. Die Filiale ist in den Neubau am Nordbahnhof als Erstmieter eingezogen. Sie hat riesige Fenster, durch die die vorbeifahrende M10 beobachtet werden kann, wenn der Blick zum Nordbahnhof schweift. Drinnen gibt es große und kleine Tische, viele Steckdosen für die digitalen Nomaden, aber auch einige Sessel für Familien oder Freundes- oder Risikomanagertreffen. Kostenloses WLAN ist auch vorhanden. Wer es gern still hat, der braucht Kopfhörer oder schlicht ein anderes Café. Wer aber in geselliger Stimmung ist oder großraumbüroerfahren, der ist hier genau richtig.

Nette Gesprächspartner sind problemlos zu finden und so ergibt sich schnell ein Gespräch mit neugierigen Berlinbesucherinnen aus dem Saarland, mit strikt anti-woken Bayern (Hafermilch ist doch keine Milch!) oder fröhlichen Familien aus der Nähe von Olso. Aber auch einige Weddinger habe ich schon getroffen, die auf ihrem Weg durch die Stadt hier einkehren. Das Brunnenviertel, die südlicheste Spitze des ehemaligen Wedding, ist durch die großen Scheiben zu sehen.

Manchmal denke ich an die Barista, die im Zweitjob als Schauspielerin arbeitete und die immer gute Laune hatte. Ob sie ihren Traum von der großen Bühne abseits des Barista-Jobs wahr machen konnte? Oder an Thea. Sie hat mir manchmal von ihrer Heimat Schweden erzählt, während sie mir einen Kaffee gemacht hatte. Wir sind noch verbunden über eine Sprachlern-App, aber Kaffee machen mir jetzt andere. Das Personal im Expresso House am Nordbahnhof ist in der Regel jung, aufgeschlossen und bunt gemischt in jeder Hinsicht. Wenn ein neues Semester beginnt, bleiben manche weg, neue kommen dazu. Auf beiden Seiten des Tresens ist an diesem lebendigen Ort am Nordbahnhof immer viel Bewegung – und sehr viel Kaffee.

Espresso House  am Nordbahnhof Berlin Außenansicht
Espresso House am Morgen. Foto: Hensel

Organisatorisches

Espresso House, Gartenstraße 85, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 6.30 bis 19.30 Uhr, Samstag/Sonntag 8 bis 20 Uhr, an Feiertagen wie Frauentag, Karfreitag, Ostermontag, Tag der Arbeit von 8 bis 20 Uhr, Weihnachten und Silvester 8 bis 19 Uhr

📍 Kiez: ,

Kommentare

  1. Avatar von Reinhard
    Reinhard

    Morjen Wedding

    ich mag weder diese wirklich schlimme, hässliche graue eintönigen Betonklötzer noch diese Art von neuartigen Cafe’s …. dieses hier hat auch so etwas Kantinenhaftes an sich – da könnte ich noch soviel Durst auf Kaffee haben, ich würd da keinen Stopp einlegen, obwohl ich dort immer wieder mal mit der M10 vorbeirausche ….

    sonnigen Wochenstart

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Moin, für Menschen ohne Büro ist das einfach praktisch. Die meisten anderen Cafés wollen ja inzwischen keine Digitalnomaden mehr (ohne Schreibtischvertrag). Aber es ist schon eine Welt für sich!

      1. Avatar von Reinhard
        Reinhard

        alter weißer Mann braucht kein Büro…. :) ja und was für eine Welt das ist

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