Am äußersten Rand des Brunnenviertels, direkt an der Gedenkstätte Berliner Mauer, ist das Mauercafé. Mit neuer Gestaltung und neuer Karte versucht das besondere Café seit dem Frühjahr, den Anschluss an die rasant gewachsene Konkurrenz am Nordbahnhof zu schaffen.


Die Gegend um den Nordbahnhof war vor noch nicht so langer Zeit eine trostlose Brache, aus der der Eingang zum Bahnhof einsam herausragte. Inzwischen hat sich die Ecke komplett gewandelt. Es gibt riesige Bürobauten, schicke urbane Wohnungen mit Blick auf den Platz, einen Coffee Shop, einen Bio-Supermarkt, regelmäßig Markttreiben und schräg gegenüber befindet sich das Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer. Neben dem rostfarbenen Besucherzentrum ist, etwas zurückgesetzt von der Straße, hinter großen orangefarbenen Sonnenschirmen das Mauercafé. Das Café verbindet zwei sehr verschiedene Welten – und damit sind nicht Wedding und Mitte gemeint.
Das Mauercafé ist ein Inklusionsbetrieb
Das Mauercafé gibt es schon seit sieben Jahren. „Wir haben gemerkt, dass wir unglaublich altbacken gewesen sind. Es war uns aber wichtig, die Arbeitsplätze hier zu sichern, also wollten wir attraktiver werden“, sagt Simon Schaudienst. Er ist bei der Lobetal Inklusionsbetriebe gGmbH für Gastronomie zuständig. Das Unternehmen gehört zur Hoffnungstaler Stiftung Lobetal. Diese betreibt das Mauercafé, das Hotel Grenzfall, das Gästehaus Lazarus und ein Bistro gleich um die Ecke. „Wir sind ein Inklusionsbetrieb, aber wir wollen das nicht an die große Glocke hängen“, erklärt Simon Schaudienst. Denn für die Gäste soll das keine Rolle spielen, ob die Menschen, die sie bedienen, eine Behinderung haben oder nicht.
Cappuccino und Antipasti im Weckglas
Und es stimmt: Das Mauercafé ist ein ganz normales Café. Es gibt Espresso, Cappuccino, Latte Macchiato, heiße Schokolade und Lütticher Waffeln ganz wie im Coffee Shop schräg gegenüber. Angeboten werden auch verschiedene Torten und herzhafte Snacks wie Flammkuchen. Limonaden warten in den großen Kühlschränken, am Tresen gibt es vegetarische und vegane Antipasti im Weckglas. Wer möchte, kann verschiedene sogenannte Glasmahlzeiten für zu Hause mitnehmen: Currywurst, Soljanka, Rote-Linsen-Suppe. Etwas ungewöhnlich für ein Café ist jedoch, dass es in der Auslage Joghurt gibt. Dieser ist aus eigener Produktion und absolut regional: Es ist Lobetaler Joghurt, hergestellt in der eigenen Bio-Molkerei im brandenburgischen Biesenthal.

Die Kunden erwartet nach der Renovierung ein helles und schönes Café mit gemütlichen Sitzbänken und kleinen Tischen, auf denen frische Blumen stehen. Am Tresen dominiert helles Holz, viele Kugellampen geben an trüberen Tagen Licht in den Raum. Das Mauerthema ist in die Gestaltung eingeflossen: An einer Wand ist ein stilisiertes Mauersegment zu sehen, bunt bemalt und vis-à-vis zur echten Berliner Mauer, die durch die großen Fenster zu sehen ist.
Bei den Cafégästen verbinden sich indes zwei sehr verschiedene Welten. „Die Touristen von der Mauer sind eine essenzielle Gruppe, aber auch Gäste aus dem Haus Lazarus“, beschreibt es Simon Schaudienst. Für die Touristen gibt es Postkarten und ein Regal mit Berlin- und Mauer-Souvenirs. Für die Gäste aus dem angeschlossenen Pflegewohnheim Haus Lazarus gibt es einen Bereich, im dem Trauerfeiern oder andere Veranstaltungen stattfinden können. Im Sommer können sich alle Besuchergruppen unter den großen Schirmen im Außenbereich des Cafés begegnen. Und auch die Nachbarschaft ist eingeladen, das Mauercafé auszuprobieren.
Mauercafé, Bernauer Straße 117, täglich 10–18 Uhr geöffnet
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Der Text ist im gedruckten Kiezmagazin enthalten, das im Juni 2023 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Sommer unterm Baum“ gesammelt und verlinkt.

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