Im Brunnenviertel aufgewachsen sind viele Menschen, hier geboren sind vermutlich wenige. Regina Buche ist nicht nur ein Kind des Kiezes, sie erblickte an einem besonderen Ort das Licht der Welt: im Bunker am Humboldthain. Unsere Autorin Barbara Langer-Heiserholt ließ sich ihre Geschichte erzählen.

Im Sommer 2021 lernten wir uns kennen: Regina Buche, geboren am 6. April 1945 und ich, Barbara Langer-Heiserholt, 2010 aus Bayern nach Berlin gezogen. Bei einem von der Kirchengemeinde St. Paul organisierten Spaziergang durch den Kiez erzählte Regina, dass sie im Bunker am Humboldthain geboren wurde. Sofort war meine Neugier geweckt.
Recherchen ergaben: Die Flaktürme waren einst die größten Bunker Berlins. Flak ist dabei die Abkürzung für Flugabwehrkanonen. Außer im Humboldthain gab es in Berlin noch im Tiergarten und im Volkspark Friedrichshain Flaktürme. Die Flaktürme im Humboldthain entstanden von Oktober 1941 bis April 1942. Sie boten auf sechs Etagen tausenden Zivilisten Schutz. Im Zweiten Weltkrieg war der Bunker aber nicht nur Schutzraum: Auch Babys sind dort zur Welt gekommen. Die Zeitzeugin Frau O. berichtet in einer Publikationsreihe des Heimatmuseums Wedding: „Da war ein großer Eingang, da konnten auch die Autos rein, da kam auch der Krankenwagen rein, der mich nach der Entbindung abgeholt hat. Da war auch gleich der Fahrstuhl. Gleich am Fahrstuhl war auch das Zimmer, in dem ich entbunden habe.“
Regina Buche wohnte in der Graunstraße
Natürlich kann sich Regina an diese Zeit und die Umstände ihrer Geburt nicht erinnern, sie kennt sie nur aus den Erzählungen ihrer Mutter. Doch an vieles andere aus ihrer Kindheit erinnert sie sich gut. Reginas Familie wohnte im Hinterhaus in der Graunstraße 7 in einer Ein-Raum-Wohnung mit Außentoilette. Die Familie hatte ein schweres Schicksal: Ein Sohn wurde tot geboren, eine Tochter starb mit sieben Monaten. Umso größer war die Freude über die gesunde Regina.

Nach der Geburt der Schwester Marianne zog die Familie in eine Zwei-Raum-Wohnung mit Innentoilette im gleichen Haus. Die Oma und die Tante wohnten auch in dem Haus. Mit sechs Jahren kam Regina in die Volksschule, die heutige Vineta-Grundschule und danach in die Hauptschule mit praktischem Zweig in der Putbusser Straße. In der Graunstraße wohnte sie bis zu ihrer Heirat im Jahr 1966, dann zog sie erst nach Spandau und 1971 schließlich nach Reinickendorf, wo sie bis heute wohnt.
Über ihre damalige Umgebung weiß sie folgendes zu berichten: Gegenüber der Graunstraße 7 gab es den Lebensmittelladen Winkler, im Haus selbst (im Parterre) einen Schuhmacher, einen Frisör im Nebenhaus, einen Blumenladen und an der Kreuzung Lortzingstraße und Graunstraße eine Eckkneipe. Reginas Sohn ist 1967 geboren, der Enkelsohn 2000. Nach 52 Jahren Ehe ist Regina seit zweieinhalb Jahren Witwe. Nun verbringt sie einen Teil ihrer Freizeit wieder im Brunnenviertel: Sie ist regelmäßige Teilnehmerin beim Sport im Olof-Palme-Zentrum.
Text: Barbara Langer-Heiserholt, Fotos: privat

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