Auf Schweinebäuchen durch die Stadt flanieren

Gehwegplatten aus Granit,, auch Schweinebäuche genannt, prägen das Berliner Stadtbild seit fast 200 Jahren. Monika Puhlemann erzählt, wo die Erfolgsgeschichte ihren Anfang nahm.

Diese Gehwegplatten (Schweinebäuche) liegen in der Stralsunder Straße. Sie werden auch Schweinebäuche genannt. Foto: Monika Puhlemann
Diese Gehwegplatten (Schweinebäuche) liegen in der Stralsunder Straße. Sie werden auch Schweinebäuche genannt. Foto: Monika Puhlemann

Gehwegplatten aus Granit

„Feldspat, Quarz und Glimmer, die drei vergess‘ ich nimmer“. Ein alter Merksatz, der die Beschaffenheit eines 300 Millionen Jahre alten Gesteins beschreibt. Granit. Doch was hat Granit mit Berlin oder gar mit dem Brunnenviertel zu tun? Tatsächlich bewegen sich viele Menschen tagtäglich auf Granit. Wo? Auf dem Bürgersteig.

Es handelt sich um diese großen, für Berlin typischen Gehwegplatten. Sie wurden und werden landläufig auch als Schweinebäuche bezeichnet, denn wenn auch die Oberflächen eben und glattgeschliffen sind, so sind die Unterseiten bauchartig und roh behauen. Sie erinnern wohl irgendwie an Hängebauchschweine. Diese zentnerschweren Steine liegen fest und fast unverrückbar auf dem erdigen Untergrund.

Erster Weg am Gendarmenmarkt

Den ersten Gehweg dieser Art hat die Weinhandlung Lutter & Wegner am Gendarmenmarkt verlegt. Das war 1824 und als Service für die Kundschaft gedacht, deren Fußweg zur damaligen Zeit über unebenen märkischen Sandboden führte. Bei Regen verwandelte er sich in Schlamm und Morast. Pflasterungen aus Feldsteinen waren gerade im Kommen und jeder preußische Bauer war verpflichtet, zwei dieser Findlinge, auch Katzenköpfe genannt, mitzubringen, wenn er in die Stadt wollte. Er hatte diese am Stadttor abzugeben.

Schweinebäuche, eine Errungenschaft

Seinerzeit war es auch üblich, Abfälle jeglicher Art auf der Straße zu entsorgen. (An manchen Ecken scheint es wohl wieder in Mode zu kommen!) Hinzu kamen die natürlichen Hinterlassenschaften der Menschen, Pferde und Hunde. Ein Spaziergang war durchaus kein Vergnügen, denn der Blick musste vornehmlich auf den Boden gerichtet sein. So waren die Gehwegplatten eine willkommene Errungenschaft für die Bevölkerung.

Mit einer Breite von etwa einem Meter konnte die Länge der Steine unterschiedliche Maße aufweisen. Die ungleich behauenen Kanten hatten den Vorteil, dass das Regenwasser schnell versickern konnte. Den Bau der Bürgersteige finanzierte der Preußenkönig Wilhelm III. schon ab dem Jahre 1835 mit Hilfe der Hundesteuer.

Praktisch unverwüstlich

Der Granit gelangte über die Wasserwege Spree und Oder aus den Steinbrüchen der Lausitz und Schlesien nach Berlin. Er wurde nicht nur für Gehwege eingesetzt. Auch die Becken der öffentlichen Wasserpumpen waren aus diesem harten Gestein und praktisch unverwüstlich. Um die Toreinfahrten der Fabriken und Wohnhäuser zu schützen, wurden sie mit einem „Radabweiser“ aus Granit versehen. Diese Prellsteine standen links- und rechtsseitig der Einfahrten, damit die Fuhrwerke mit ihren abstehenden Radnaben die Ecken der Gebäude nicht beschädigen konnten.

Granit, der in vielen Farbschattierungen vorkommt, wurde und wird noch heute im öffentlichen Straßenbau dringend gebraucht, allerdings kommt er nun aus Kostengründen vorwiegend aus China.

Übrigens, kennen Sie die Beschreibung für einen harten, unnachgiebigen Menschen? Bei ihm werden Sie garantiert auf Granit beißen!

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