Habt ihr die Kornblume gesehen? Er reckt gleich da drüben seinen leuchtend blauen Kopf in den Junitag. Auch Löwenmaul zwängt sich zwischen den Gehwegplatten hindurch. Wenn ihr genau hinschaut, seht ihr auch Klee am Nordufer, Kresse, weißen Mauerpfeffer beim Umsteigen am Hauptbahnhof oder marokkanisches Leinkraut. Die Stadt grünt und blüht und überall gibt es etwas zu entdecken. Wer die Augen offenhält und die Pflanzenbestimmungs-App parat hat, hat sich das kleine Lächeln für den Tag gesichert. Oder er folgt einfach einem neuen Instagram-Kanal, der die kleinen Wunder sichtbar macht.

Ein Herbarium für Berlin
Jenny aus Moabit hat im März begonnen, ihr Herbarium für Berlin zu füllen. Auf Instagram postet sie auf ihrem Kanal blumen.statt.beton Wildkräuter und Blüten, die ihr in Berlins grauem Alltag auffallen. „Die Natur findet ihren Weg“ steht in ihrem Profil. Die meisten Entdeckungen macht die Moabiterin natürlich in ihrem Stadtteil. Aber auch im Wedding hat sie schon Blumen gespottet. Hauptsächlich fotografiert sie die Farbtupfer, so sagt sie selbst, in der Hauptstadt: „Aber auch überall anders, wenn ich was Schönes erblicke“. Nicht nur schöne Bilder von kleinen Blumen-Kämpfern veröffentlicht sie auf dem Kanal. Wie es sich für ein Herbarium gehört, stehen die korrekten Namen der abgebildeten Stadtpflanzen dabei. So lernt man gleich noch etwas.
Das Herbarium Berlin lenkt den Blick seiner bisher knapp 500 Follower auf die kleinen Dinge, die sie umgeben. Und weil es mit der Wahrnehmung so ist, wie es ist, sieht man nach ein paar Tagen als Follower:in plötzlich selbst überall Kräuter und Blumen zwischen Gehwegplatten, am Straßenrand, an Mauervorsprüngen oder gleich da an der Hauswand.




Wer sich von Jenny aus Moabit inspirieren lässt, dem fallen vielleicht bald auch die kleinen Naturwunder auf, die uns umgeben. Dabei kann jede und jeder die Entdeckungsreise so weit ausdehnen, wie er oder sie will. Denn nicht nur die Blumenhelden, die sich selbst einen Weg suchen, sind einen Blick wert. Auch das, was das Straßen- und Grünflächenamt manchmal leider mit etwas fehlender Wertschätzung Straßenbegleitgrün nennt, ist derzeit in voller Blüte. Es blüht auf den Mittelstreifen der Müllerstraße, der Badstraße, der Brunnenstraße, der Osloer Straße … eben halt überall. Schaut nur mal hin!




Noch mehr Entdeckungen!
Wer bei seinen Erkundungen etwas pflanzenkundliche Unterstützung benötigt, dem sei die App „Flora incognita“ empfohlen. Sie wurde von der Technischen Universität Ilmenau zur automatischen Pflanzenbestimmung erstellt und ist kostenlos. Unsere Autorin Corinna Neinaß hat sich damit schon vor längerer Zeit auf den Weg im Stadtteil gemacht (Alles Flora Incognita?). Die Stadterkundungen im Kleinen sind natürlich jeden Tag möglich. Wer aber auf den Geschmack gekommen ist, dem sei noch der Lange Tag der Stadtnatur empfohlen. Er findet am 14. und 15. Juni statt und zeigt nach mehr kleine und große Oasen in der Stadt. Auch im Wedding und in Gesundbrunnen gibt es dabei viel zu entdecken. Details zu Weddings geöffneten, grünen Orten stehen im Beitrag Stadtnaturtag in Weddings grünen Oasen.




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