Gemeinsam eine Runde drehen

Spaziergangsgruppen für Ältere wollen dabei helfen, gemeinsam in Bewegung zu kommen. Auch im Brunnenviertel gibt es ein solches Angebot.

Spaziergangsgruppe im Park am Nordbahnhof. Dieses Mal als Gast dabei: KiezSportLotsin Susanne Bürger (2. von rechts). Foto: D. Hensel
Spaziergangsgruppe im Park am Nordbahnhof. Dieses Mal als Gast dabei: KiezSportLotsin Susanne Bürger (2. von rechts). Foto: D. Hensel

Sport und Bewegung an der frischen Luft tun gut. Für ältere Menschen kann das Verlassen der Wohnung wegen körperlicher Beschwerden aber eine noch größere Überwindung sein als für die jüngere und fittere Generation. Einige brauchen einen Rollator oder Stock, um das Sturzrisiko zu mindern. Es scheint für sie schlicht ungefährlicher zu sein, zuhause zu bleiben. Doch die Vermeidung von Bewegung hat nicht nur körperliche Folgen: Zum Bewegungsmangel kommt nicht selten die Vereinsamung hinzu. Ein Teufelskreis. Spaziergangsgruppen wollen deshalb nicht nur Bewegung draußen bieten, sie sollen ältere Menschen raus aus der Einsamkeit holen. Beim gemütlichen Spaziergang bleibt viel Zeit für das Gespräch. Anregungen für Körper und Seele.

Nicht zu unterschätzten ist, dass der erste Schritt in eine Gruppe mit fremden Menschen auch Mut erfordern kann. Das wissen Emine und Inga sehr gut. Sie leiten die „Bewegten Spaziergänge“ im Brunnenviertel an. Eine ältere Dame überlegt gerade noch, ob sie mitgehen will. Sie hat Angst vor der fremden Gruppe. „Vielleicht gehen wir mal zu ihr nach Hause auf einen Kaffee und lernen uns kennen?“ Das will Emine ihr vorschlagen. Ganz anders ist das für Ulrike, eine regelmäßige Teilnehmerin: „Ich bin vor Kurzem ins Brunnenviertel gezogen. In den vielen Senioren-Sportgruppen habe ich viele neue Menschen kennen gelernt.“

Spaziergangsgruppe: Kontakt per WhatsApp

Über WhatsApp bleiben Inga und Emine im Kontakt mit allen und erinnern rechtzeitig an die wöchentliche Verabredung. Oft führen sie die Gruppe bei den Spaziergängen durch den Humboldthain, manchmal in den Park am Nordbahnhof oder sie entdecken ganz andere Orte. Zum gemütlichen Spaziergang gehört eine Bewegungspause: Inga und Emine motivieren zu leichten Gymnastik-Übungen im Stehen. Dazu kommen noch Finger-Übungen, das Werfen mit Bällen oder sogar Jonglieren: Das stärkt die Konzentration, auch Gehirnjogging genannt. Was vielleicht ernst klingt, ist in Wirklichkeit ziemlich lustig: Es wird viel gelacht. Fast schon eine Gute-Laune-Garantie.

Auch bei Wind und Wetter dreht die Spaziergangsgruppe eine Runde durch den Kiez, dann vielleicht etwas kürzer als die üblichen 90 Minuten. „Unsere Gymnastik-Übungen haben wir schon mal bei strömenden Regen hier unter dem Hofdurchgang gemacht“, erzählt Inga. Am Treffpunkt Waschküche kann auch eine barrierefreie Toilette genutzt werden. Oder man sitzt dort nach dem Spazierengehen noch bei einem Heißgetränk zusammen, das man sich selbst in der Teeküche vor Ort zubereiten kann.

Treffpunkt für die Spaziergangsgruppe ist immer Freitag um 14.30 Uhr vor dem Nachbarschaftstreff Waschküche, Feldstraße 10. Sechs Teilnehmer hat die Gruppe insgesamt, regelmäßig gehen drei Personen mit, manchmal aber auch nur eine. Neue Spaziergängerinnen und Spaziergänger sind willkommen! Die Teilnahme ist kostenlos und ohne Voranmeldung möglich.

Spaziergangsgruppen im Stadtteil

  • Fabrik Osloer Straße, Osloer Straße 12: Montag, 11–12 Uhr. Nachfragen bei „Nachbarschaft mobil“, Telefon: (030) 49 76 60 41
  • Zukunftshaus Wedding, Müllerstraße 56–58: Jeder 2. und 4. Donnerstag im Monat, 14–15.30 Uhr. Ab April: 15–16.30 Uhr. Nachfragen im Zukunftshaus, Telefon: (030) 45 00 51 31

Text: KiezSportLotsin Susanne Bürger, Foto: Dominique Hensel

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Der Text ist im gedruckten Kiezmagazin enthalten, das im März 2022 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Die Frühlingsausgabe ist da!“ gesammelt und verlinkt.

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