Gestern und heute: Gartenstraße

Die Gartenstraße an der Feldstraße mit Blick auf den Gartenplatz ist im Januar 1917 mit einer Schneedecke zu sehen. Im Fotovergleich liegt kein Schnee am sehr kalten, winterlichen, aber sonnigen Mittwoch, den 8. Februar 2023.

Interessant ist, dass der Standort und die Art der Litfaßsäule noch ähnlich sind. Gegenüber am Eck befand sich in der Gartenstraße 54 einst das Restaurant vom Wirt und Eigentümer des Hauses, Carl Görner. Von dort gelangte man über die Gartenstraße zum 1896 eröffneten Stettiner Fußgängertunnel, der bis 1952 zur Schwartzkopffstraße nutzbar war. Darüber befindet sich der 2009 fertiggestellte Park am Nordbahnhof, der hier mit einem sicheren Übergang erreichbar ist.

Gartenstraße Ecke Feldstraße im Januar 1917. Foto: Archiv Ralf Schmiedecke
Gartenstraße Ecke Feldstraße im Januar 1917. Foto: Archiv Ralf Schmiedecke

Der um 1752 als Hamburger Landwehr ab der Berliner Akzise (heute Torstraße) bezeichnete, etwa 680 Meter lange Weg erhielt am 18. Februar 1801 den Namen Gartenstraße. Man nahm Bezug auf zehn sächsische Gärtnerfamilien, die auf Befehl Friedrich II. des Großen nach dem 21. April 1770 hier angesiedelt wurden. Sie erhielten je ein Haus und vier Morgen Land, das entspricht zirka einem Hektar, zur Bewirtschaftung. Auch die rund 900 Meter Verlängerung auf der Weddinger Feldmark bis Gerichtstraße heißt seit 6. April 1833 Gartenstraße.

An der Gartenstraße entstand der Gartenplatz

Der ehemalige Standort des 1749 eröffneten Galgenbergs des Hochgerichts wurde im Hobrechtschen Bebauungsplan als Platz L projektiert und erhielt am 3. November 1861 den Namen Gartenplatz. Als Kuratie von St. Hedwig in der Stadtmitte entstand zentral darauf ab 1890 die katholische Kirche St. Sebastian mit einem 87 Meter hohen Turm im neugotischen Stil durch Max Hasak. Der Fürstbischof von Breslau Georg Kardinal Kopp segnete das Gotteshaus am 26. Juni 1893. Durch einen veröffentlichen Druck von L. W. Krause ist überliefert, dass Charlotte Sophie Henriette Meyer 1836 ihren Mann im Schlaf die Kehle durchschnitt, weil es einen besseren Liebhaber gab. Ihr Todesurteil wurde am 2. März 1837 vom Henker Hansen durch Rädern auf dem Platz vollstreckt. Es war die letzte öffentliche Hinrichtung in Berlin. Einer Legende nach umwandelt sie seitdem spukend jeden letzten Freitag im Monat um Mitternacht die Kirche.

Einst fuhren durch die Feldstraße auch Straßenbahnen, wie hier zu sehen ein Wagen zur Endstelle Mendelstraße in Pankow.

Gartenstraße Ecke Feldstraße im Februar 2023. Foto: Ralf Schmiedecke
Gartenstraße Ecke Feldstraße im Februar 2023. Foto: Ralf Schmiedecke

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Weitere historische Aufnahmen aus dem Brunnenviertel im Vergleich mit aktuellen Vergleichsfotos von Ralf Schmiedecke gibt es hier: Gestern & heute

Der Text ist im gedruckten Kiezmagazin enthalten, das im März 2022 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Die Frühlingsausgabe ist da!“ gesammelt und verlinkt.

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