Die Swinemünder Brücke überspannt die Gleise der Berlin-Stettiner Eisenbahn, der Berliner Nord- und Ringbahn (am Nordkreuz) östlich des Bahnhof Gesundbrunnen, hier im Bildvergleich von 1910 und heutzutage.


Bereits beim Mietshausbau des nordöstlichen Brunnenviertels Mitte der 1890er Jahre wurde die Verlängerung der Swinemünder Straße über die Ramlerstraße hinaus zur Bellermannstraße vorgesehen. Jedoch sollte sich der Bau einer Brücke noch einige Zeit verzögern. Als es dann soweit war, entschied man sich, hier kein herkömmliches Stichbogengewölbe aus Ziegelstein, sondern eine moderne auf zwei gemauerten Pfeilern ruhende Stahl-Fachwerkkonstruktion zu errichten. Dafür musste auch das Straßenniveau der Kreuzung im Brunnenviertel angehoben werden, sodass vor den vier Eckhäusern die heute noch vorhandenen grünlackierten Ziergitter im Jugendstil aufgestellt wurden. Mit üppigerem Zierrat entstand in den Jahren von 1902 bis 1905 die Swinemünder Brücke nach Entwürfen des Architekten Bruno Möhring in Kooperation mit dem Bauingenieur und Berliner Stadtbaurat für Tiefbau Friedrich Krause.
Swinemünder Brücke kostete 1,2 Millionen Mark
Die genietete Brücke mit einer Spannweite von 228 Metern erbaute die Firma Beuchelt & Co. Sie kostete 1,2 Millionen Mark. Ob nun der Preis oder die Anzahl der Nieten zum Spitznamen „Millionenbrücke“ führte, sei dahingestellt. Eine Besonderheit gab es im Brückenteil zur Ramlerstraße, wo sich unter der Fahrbahn eine Sportanlage mit drei Kegelbahnen befand. Darüber verkehrten bis zur Sprengung des Mittelteils in den letzten Kriegstagen 1945 auch Straßenbahnen. Bis 1954 wurden die Kriegsschäden beseitigt und das fehlende Mittelstück nun mit einer geschweißten Kastenkonstruktion ersetzt, die heute noch erkennbar ist. Sämtlicher Bauschmuck an den beiden Brückenenden und die vier Spitzpylone wurden entfernt, sodass die Brücke heute eine Höhe von 17 Meter über den Steinpfeilern hat.
Die nach 1961 weniger verkehrlich genutzte Swinemünder Brücke dient häufig als Drehort in verschiedenen Kinofilmen. Gern wird sie als „Glienicker Brücke“ mit Agentenaustausch oder auch als „Bösebrücke“ verwendet. Über die letztere entstand 2014 der Film „Bornholmer Straße“ des Regisseurs Christian Schwochow, der die zeitlichen Geschehnisse am Grenzkontrollpunkt anlässlich der ersten Maueröffnung in Berlin am Abend des 9. November 1989 zeigt.
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Ein Beitrag zur Geschichte der Swinemünder Brücke ist unter der Überschrift „Alte Dame aus Stahl: 120 Jahre Millionenbrücke“ erschienen.
Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Der Kiez hinter dem Blätterdach“ enthalten, das im Mai 2021 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Der Kiez hinter dem Blätterdach“ gesammelt und verlinkt.

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