Nach einer Anfrage des städtischen Wohnungsunternehmens degewo hat sich ein Teil der Bürgerredaktion im Brunnenviertel mit der Ladensituation im Kiez befasst. 15 Redaktionsmitglieder haben sich beteiligt. Ihre Überlegungen zu Gewerbe im Kiez werden hier auszugsweise veröffentlicht.

Welche bestehenden Läden mögt ihr besonders?
Die Lieblingsläden der teilnehmenden Bürgerredakteure sind sehr unterschiedlich. Nur wenige Geschäfte wurden mehrmals genannt. Ganz vorn in der Gunst der Bürgerredaktion liegt das Café Freysinn in der Jasmunder Straße; es wurde sehr oft als Bereicherung für den Kiez angegeben. Aber auch das Gastro-Pub Hirsch & Hase in der Brunnenstraße und der Multishop Eisenkralle haben Fans in der Redaktion. Als positiv genannt wurden ebenfalls die Tortenwerkstatt, die Cantinerie auf dem ehemaligen AEG-Gelände und die beiden Asiaten in der Brunnenstraße: Nguyen Kitchen und Reis-Mama.
Auch Kunst spielt eine wichtige Rolle für manche. So gibt es einen besonders großen Fan der Galerie oqbo sowie der Werkstatt/Galerie von David Antonides; beide befinden sich in der Brunnenstraße. Als sehr praktisch wurde Obi bezeichnet, als schön das Happy Lab an der Ecke Demminer und Brunnenstraße. Gut für den Kiez sind nach Meinung der Bürgerredakteure auch der kleine Fahrradladen nahe der Ecke Brunnenstraße/Ramlerstraße und das Re-Sales in der Brunnenstraße. Auch die Eisdiele Eis Henri wurde als Lieblingsladen genannt – sie ist allerdings inzwischen geschlossen.

Welche Geschäfte sollten ersetzt werden?
In ihrer Ablehnung von bestimmten Geschäftigen sind sich die Mitglieder der Bürgerredaktion relativ einig. Sie wählten verschiedene Bezeichnungen, meinten aber alle das gleiche. Die Wettbüros, Casinos, Spielhallen, Spielotheken tragen nichts für den Kiez bei und sollten ihrer Meinung nach schließen. Für manche gibt es zu viele Friseursalons im Brunnenviertel, andere mögen die Spätis nichts, wieder andere wünschten sich, dass die Shisha-Bars aus dem Kiez verschwinden.
Die mehrfach geäußerte Kritik am Weinhändler in der Wattstraße Ecke Usedomer Straße hat mit der Nutzung der Gewerbefläche durch den Händler zu tun: Die Menschen im Kiez ärgern sich, dass es ein Lager für den Onlineversand ist und der Laden keine Wirkung in den Kiez hat. Auf Nachfrage wurde deutlich, dass ein normaler Weinladen mit oder ohne Ausschank nicht kritisiert werden würde. Negativ aufgefallen ist der Bürgerredaktion auch der Edeka-Markt in der Ackerstraße, wobei ein anderer Einkaufsmarkt oder ein anderer Betreiber durchaus gewünscht ist. Der Markt ist inzwischen wegen Umbaumaßnahmen geschlossen. Nach Informationen der Bürgerredaktion soll er mit einem anderen Betreiber nach den Bauarbeiten wiedereröffnen.

Welche Gewerbebetriebe würdet Ihr Euch im Kiez wünschen?

Wünsche und Ideen für Gewerbenutzungen im Brunnenviertel gab es viele. Die Frage danach wurde von allen Teilnehmenden am umfangreichsten beantwortet. Allerdings fallen nicht allen zuerst gewerbliche Nutzungen von Räumen ein. So werden besonders häufig Orte für die Nachbarschaft gewünscht. Orte, an denen sich die Menschen treffen können. Eine Person dachte an Treffpunkte speziell für Frauen, geschützte Orte – für künstlerische Gestaltung, Workshops, Lesungen. Andere wünschten sich weitere Räume für Jugendliche.
Auch ein Coworking Space für Freiberufler wurde vorgeschlagen. Kleine und günstige Büroflächen für Menschen, die hier wohnen und hier arbeiten wollen. Ein anderes Redaktionsmitglied wünscht sich mehr (kunst-) handwerkliche Läden. Auch Ateliers und andere Räume für Künstler fänden die Redaktionsmitglieder gut. Mehrfach erwähnt wurde eine Handwerksbäckerei. Eine Befragte könnte sich die auch in Kombination mit einer Konditorei oder einer Kaffeerösterei vorstellen. Neben dem Handwerksbäcker wurde am häufigsten ein Buchladen gewünscht (aber keine Kette). Aber ein Antiquariat fände Zustimmung in der Redaktion.
Einzelne Stimmen wünschten sich einen Multi-Verbrauchermarkt im südlicheren Teil der Brunnenstraße, einen schönen Blumenladen, einen echten Bioladen (keine Kette), einen Markt für gerettete Lebensmittel sowie weitere schöne und gemütliche Cafés, wo man auch in Ruhe ein Buch lesen kann. Einige wünschten sich auch Gewerbe im Kiez/Einrichtungen zurück, die es früher im Kiez gab: eine Kiezsauna, ein Geschäft für Zeichenmaterial, den Kaiser’s in der Brunnenstraße oder den real-Einkaufsmarkt.
Aufgrund der stetig wachsenden Anzahl von Büros im Kiez wurden auch weitere Gastronomie mit Mittagstisch als sinnvoll empfunden. Vorgeschlagen wurde auch ein öffentliches Büro für die Kiezredaktion westlich der Brunnenstraße, in dem es auch Informationen über das Brunnenviertel gibt – ähnlich dem Vorortbüro des ehemaligen Quartiersmanagements Ackerstraße.
Weiterlesen
Der Text ist im gedruckten Kiezmagazin „Der weiße Stier vom Humboldthain“ enthalten, das im November 2021 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neue Ausgabe: Der weiße Stier vom Humboldthain“ gesammelt und verlinkt.

Kommentar verfassen