Der Zukunftstag für Mädchen hat in diesem Jahr wieder viele Türen geöffnet. Lea, Lisa und Alice haben sich am „Girls’Day“ für die gut bewachte Tür im Deutschen Bundestag entschieden. Einen Tag lang haben sie sich am 23. April vor Ort angeschaut, was es bedeuten würde, Politikerin zu werden. Die Tür geöffnet hat ihnen die Weddinger Bundestagsabgeordnete Hanna Steinmüller.

Besuch im Bundestag: Gespräch mit Hanna Steinmüller
Beim „Girls’Day“ konnten Mädchen in diesem Jahr aus 14.929 Angeboten wählen. Warum sich die drei Schülerinnen für einen Besuch bei der Grünen-Bundestagsabgeordneten entschieden haben, wurde bei der Gesprächsrunde mit der Politikerin schnell klar. „Du hast Dein Kind mitgenommen in den Bundestag. Das fand ich so stark und cool“, sagte die Schülerin Lisa gleich zu Beginn des Gesprächs. Sie interessierte sich dafür, wie es dazu gekommen war und wie die Rückmeldungen darauf waren.
Hanna Steinmüller erzählte von der Situation, bei der sie im vergangenen Jahr mit ihrem Baby in der Trage als erste Frau überhaupt ans Rednerpult im Bundestag trat. „Ich hatte eigentlich jemanden zum Aufpassen für mein Kind organisiert. Aber als es soweit war, schlief mein Sohn und ich wollte ihn nicht wecken“, sagte die Politikerin und erzählte auch von den gemischten Reaktionen auf die Situation.

Fragen zu Politik, Alltag und AfD
Die drei Mädchen nutzten die Zeit, um weitere Fragen zu stellen: Mit welchen zwei Parteien würde die Politikerin am liebsten koalieren? Wie sieht ein typischer Tag, eine typische Woche einer Bundestagsabgeordneten aus? Alice fragte: „Wie findest Du es, vor der Kamera zu stehen und zu reden?“ In ihrer Stimme schwang auch etwas Respekt mit. Hanna Steinmüller antwortete: „Je länger ich das mache, desto entspannter werde ich.“ Die Mädchen wollten wissen, ob Hanna Steinmüller findet, dass die AfD verboten werden sollte, aber auch, wie sie zu leerstehenden Zweitwohnungen oder Eigenbedarfskündigungen steht.
Kiezthema aus Mitte: Gewerbemieten und Verdrängung
Auch konkrete Probleme in Berlin-Mitte sprachen die Mädchen an. So kam der Fall eines Lottoladens und einer Ergotherapie in der Novalisstraße 13 zur Sprache. Dabei geht es um einen neuen Hauseigentümer, der die Gewerbemieten drastisch angehoben und den Kiezladen, der es sich nicht leisten konnte, gekündigt hat. „Es verunsichert mich, dass Läden, die seit Jahrzehnten existieren, vielleicht rausgeworfen werden“, sagte Lisa. Die Bundestagsabgeordnete nahm sich Zeit und beantwortete alle Fragen ihrer Gäste und schilderte, welche gesetzlichen Hebel sie einsetzen würde.

Führung, Kantine und Plenarsitzung
Doch nicht nur für direkte Fragen war bei diesem Schnuppertag im Bundestag Zeit. Die drei Mädchen bekamen eine Führung durch die Bundestagsgebäude, probierten das Essen in der Bundestagskantine (übereinstimmende Meinung: besser als die Schulkantine) und schauten von der Reichstagskuppel auf Berlin. Auch ein Besuch bei einer Plenarsitzung stand auf dem Programm. Lea, Lisa und Alice verfolgten Debatten zur Vermögenssteuer, zur Verminderung von Treibhausgasen und zur Familienversicherung.
„Kann sich jemand vorstellen, Politikerin zu werden“, fragte Hanna Steinmüller die Achtklässlerin und die beiden Zehntklässlerinnen am Ende des Gesprächs. Zwei konnten es sich nicht vorstellen, eine aber doch. Ein Nein wurde dabei besonders gut begründet. „Ich habe viele starke Meinungen. Ich fänd es frustrierend, immer Kompromisse machen zu müssen“, sagte Lea. Denn Lösungen suchen, Kompromisse machen, die Anforderungen vieler verschiedener Menschen erfüllen, „von Termin zu Termin gehen und dabei immer auch ein wenig gescheucht werden“ gehört laut der Weddinger Bundestagsabgeordneten zum Beruf der Politikerin dazu.

Was ist der Girls’Day?
Den Zukunftstag „Girls’Day“ gibt es seit 2001, er findet jedes Jahr im April statt. Er soll Mädchen motivieren, Berufe kennenzulernen und zu ergreifen, in denen Frauen bislang unterrepräsentiert sind. Neben dem Besuch bei Hanna Steinmüller luden auch andere Politiker:innen und Parteien zum Aktionstag ein – in Parteizentralen, ins Abgeordnetenhaus oder in den Bundestag. Auf ihrem Weg zur Reichstagskuppel kamen Lea, Lisa und Alice an mehreren weiteren Besucherinnen vorbei.
Angebote direkt im Wedding
Einige Schnupperangebote für Mädchen waren übrigens auch direkt im Wedding. Mit dabei war ein Tag als Biotechnologin in der Außenstelle der Technischen Universität in der Ackerstraße, ein Blick hinter die Kulissen bei der Feuerwache Wedding in der Reinickendorfer Straße, in die Julius-Leber-Kaserne sowie ein Schnuppertag in der Berliner Hochschule für Technik in der Luxemburger Straße. Ob Forschung, Technik, Handwerk oder Ingenieurwesen – auf vielen Gebieten wären Schülerinnen wie Lea, Lisa und Alice sehr willkommen.
Ausblick: der nächste Girls’Day
Der nächste „Girls’Day“ findet am 22. April 2027 statt. Interessierte Mädchen können sich im Vorfeld auf der Seite www.girls-day.de über Angebote informieren.

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