Liebe Leserin, liebe Leser! Glaub doch was Du willst… Zum Beispiel Statistiken: Wäre morgen Glaubenswahl in Berlin, sähe das Ergebnis entsprechend aktueller Werte so aus: Fast die Hälfte der abgegebenen Stimmen wären evangelisch, ein Viertel katholisch und mehr als ein Fünftel muslimisch.

Auch wenn es bezüglich dieser Zahl eine gewisse Ungenauigkeit gibt – der Aufschrei wäre groß und in manchen Kreisen begänne das große Schwimmwestenhamstern ob des Untergangs des Abendlandes.
Die Evangelen hätten die absolute Mehrheit, die Katholiken und die Muslime wären gemeinsam in der Opposition und würden die Frauenquote in der Führungsetage mit null Prozent unterwandern statt reißen. Es gäbe flammende Debatten über den „richtigen“ Glauben. Nur die Juden scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde und dürften nicht mitreden.
Die Crux an der Sache: Zwei Drittel der Berliner Glaubensberechtigten wären beim Gedankenexperiment Glaubenswahl gar nicht zur Abstimmung gegangen. Ihnen ist egal, ob der Herr Mann, Frau oder divers ist, strafend oder gnädig, ob er Propheten oder seine Kinder auf Besuch schickt. Tatsächlich sind nur 16 Prozent der Berliner evangelisch, 9 Prozent katholisch und 8 Prozent muslimisch. – die wenigsten glauben noch, was sie sollen, die meisten glauben was sie wollen.
Im Brunnenviertel gibt es für die wenigen religiösen Menschen eine evangelische Ortsgemeinde mit zwei Kirchen und eine katholische Gemeinde. Darüber hinaus gibt es überregional ausgerichtete Kirchen, eine evangelisch-lutherische, eine serbisch-orthodoxe, eine weitere katholische und einen buddhistischen Tempel. Dazu mindestens einen muslimischen Gebetsraum. Für die vielen anderen gibt es weniger Orte des Zusammenkommens: ein Stadtteilzentrum, eine Begegnungsstätte, ein Familienzentrum und zwei Nachbarschaftsräume.
Gegen fehlende öffentliche Orte hilft nur Mehrfachnutzung von vorhandenen Räumen. Warum nicht Kirchen unter der Woche für soziales und nachbarschaftliches Engagement öffnen, Aulas und Schulhöfe am Wochenende für Sportangebote nutzen? Auf dem Campus werden wir das gemeinsam mit dem OPZ* und der Vineta-Schule versuchen. Ich glaube, das wird gut!
Was glauben Sie?
Ihr Stadtteilkoordinator
Jochen Uhländer
E-Mail: stk-brunnenstrasse-nord@berlin.de
*Olof-Palme-Stadtteilzentrum
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Weitere Beiträge über das interkulturelle Leben im Wedding und in Gesundbrunnen stehen auf der Seite Interkulturelles Leben im Wedding.

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