Es ist nicht leicht, eine schöne Buchhandlung im Brunnenviertel zu finden. Im Gesundbrunnen Center gibt es lediglich eine Kette. Aber nur wenige Schritte jenseits des Kiezes wird man fündig. Der Brunnenstraße Richtung Süden folgend, jenseits der Bernauer Straße und der Rheinsberger Straße, am Café/Antiquariat „Handbestand“ vorbei und dann links in die Anklamer kommt man zu „GOLDA – books and more“.

„GOLDA – book and more“ ist eine Kiezbuchhandlung, die um diese Jahreszeit in einem freundlichen Sonnenlicht buchstäblich badet. Hohe Schaufenster und eine luftige neuzeitliche Architektur sorgen für eine offene Atmosphäre. Kaum über die Schwelle getreten, werden Bücherliebende unweigerlich in gute Laune versetzt und begeistert sein.
Weit gereist und im Kiez angekommen
Die Inhaberin Sarah Dornhof lebt schon länger im Kiez, unterbrochen von längeren Aufenthalten in Frankreich, Marokko und Ghana. Sie ist promovierte Kulturwissenschaftlerin und hat zu Themen wie „Bildsprache über den Islam“ oder „Disgraced Monuments“ nach der Wende und im Zuge der Dekolonialisierung geforscht. Erstaunliche Parallelen und Denkansätze, die sich vermutlich durch eigene biografische Erfahrungen erst richtig erschließen. Kurzum, die Inhaberin ist viel gereist und hat eine Menge erlebt, daher die internationale Ausrichtung der Buchhandlung.

Gleich im Zentrum von „GOLDA – books and more“ steht eine hohe Säule mit ausschließlich englisch- und französischsprachigen Büchern – in der original Sprache natürlich, das heißt von ausländischen Verlagen. Ganz oben rechts steht der letzte Prix Goncourt, der bedeutendste Literaturpreis Frankreichs, der Anfang des Jahres – trotz noch nicht erfolgter Übersetzung ins Deutsche – über die Grenze hinweg Schlagzeilen gemacht hat: Kamel Daouds „Houris“. Es ist die Geschichte einer jungen Algerierin, die den dortigen Bürgerkrieg der 1990er Jahre überlebt hat. Gleich daneben Leïla Slimanis „J’emporterai le feu“, ein Buch über drei Generationen einer marokkanisch-französischen Familie. Unter den englischsprachigen Autor:innen ebenfalls preisgekrönt sowie mit Migrationshintergrund und Migrantengeschichten: Zadie Smith „White Teeth“ und Deborah Levy „August Blue“.
GOLDA: Wer in den Buchladen geht
Werden die Kund:innen angezogen von dem außergewöhnlichen Name GOLDA oder kommen sie einfach so aus reiner Neugier? Es sind jedenfalls deutlich mehr Frauen, die den Laden spontan betreten, berichtet Sarah Dornhof. Sie stöbern gerne und sind offen für Anregungen. Nicht selten führe sie ihre Suche der aufgehenden grünen Treppe entlang hin zu dem oberen Ausstellungsraum mit Bildern, Skulpturen und Filmen. Diese werden auch gelegentlich von einer ganzen Schulklasse aus der benachbarten Grundschule besucht.


Nein, die Blickrichtung ist nicht primär auf feministische Literatur fokussiert, und dennoch finden sich immer wieder Erzählungen und Romane über Frauenleben. Ein einfühlsames Schwesterporträt von Anika Landsteiner „So wie du mich kennst“ oder Annett Gröschners „Schwebende Lasten“ über eine Kranführerin aus Magdeburg. Und immer wieder taucht das Spannungsfeld Exil-Heimat als zentrales Motiv auf. So wie in Fatma Aydemirs „Dschinns“ über den Geist einer Istanbuler Eigentumswohnung nach 30 Jahren Gastarbeit in Deutschland. (Die Bühnenfassung ist im Maxim-Gorki-Theater zu sehen).
Das Team inmitten von 4000 Büchern
Je nachdem an welchem Wochentag man vorbei kommt, wird man von Anke (Montag, Mittwoch, Donnerstag), von Bella (Samstag) oder von Ida aus Norwegen (Montag bis Freitag) beraten. Das ist das Team um Sarah Dornhof herum, das mitten in den rund 4.000 Büchern arbeitet.
Sarah Dornhof drückt mir ein Buch in die Hand: „Meine Empfehlung für Sie als Deutsch-Franzose“. Es ist „Vermutlich Deutscher“ von Vincent von Wroblewsky. Das ist die Lebensgeschichte eines 1939 in der Emigration in Frankreich geborenen Kindes deutscher Eltern und späteren Dolmetschers zahlreicher DDR-Delegationen und Übersetzer von Jean-Paul Sartre, Julia Kristeva, einer berühmten bulgarisch-französischen Psychoanalytikerin, oder auch Boualem Sansal, (den derzeit verhafteten algerischen Schriftsteller). „Mein Vater“, fügt Sarah Dornhof hinzu. Übrigens demnächst kommen Feridun Zaimoğlu mit seinem neusten Buch „Sohn ohne Vater“ und Christine Pfammatter mit ihrem Buch „Blumen für Rosa Luxemburg“ und werden im Buchladen lesen.
Wie sagt der Berliner dazu? Die Welt ist ‘ne Erbse! Wer auf andere Welten neugierig ist, kommt zu GOLDA … und wundert sich, wie spannend der Kiez nebenan ist.

Kompakte Informationen
GOLDA – books and more, Anklamer Straße 39, 10115 Berlin, Öffnungszeiten. Mo-Fr 11-19 Uhr und Sa 11-16 Uhr, Webseite: Goldabooks.de, E-Mail: kontakt@goldabooks.de, Telefon: (0176) 23 55 25 12
Text: Alain Baillet

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