Hans Schoeler packt an: Der Müll der Nachbarn

Verschmutzte Müllplätze und übervolle Tonnen ärgern viele Menschen im Brunnenviertel. Hans Schoeler aus der Jasmunder Straße krempelt die Ärmel hoch und löst das Problem mit Tatkraft.

Hans Schoeler beim Sortieren des Hausmülls. Foto: Andrei Schnell
Hans Schoeler beim Sortieren des Hausmülls. Foto: Andrei Schnell

In unserem Haus wohnt ein Mülltrenner. Ich habe ihn schon oft beobachtet, wie er im Hof an der Ecke Jasmunder Straße und Usedomer Straße scheinbar im Müll wühlt. Jetzt habe ich ihn eingeladen und gefragt, was er dort genau macht. Herr Schoeler hat geantwortet, dass er die Sachen, die in die falsche Tonne geraten sind, umsortiert, weil sonst alles katastrophal aussehe.

Herr Schoeler sagt, er denkt dabei an die Umwelt. Wenn er nicht sortieren würde, würde zum Beispiel Papier verbrannt werden, obwohl es noch einmal recycelt werden könnte. Der Haushaltsmüll aus der schwarzen Tonne wird nämlich in einer Müllverbrennungsanlage verbrannt. Deshalb findet Herr Schoeler es sehr wichtig, dass alles in die richtige Tonne kommt.

Hans Schoeler sortiert Müll und die Tonnen

Meinen Nachbarn ekelt es nicht doll, wenn er den Müll sortiert. Er macht sich immer vor dem Wochenende an die Arbeit, weil dann die ersten Müllbehälter schon überfüllt sind. Die Leerung ist am Dienstag. Viele Leute im Haus, erzählt er, werfen bis dahin den Müll einfach in die orange Tonne. Sie denken: „Ist doch egal“. Aber Herr Schoeler findet das nicht egal. Er hat beobachtet, dass die Menschen alles in die vorderen Tonnen werfen, weil der Weg für sie dann kürzer ist, als wenn sie zu denen laufen, die für sie vorgesehen und die leer sind. Deshalb schiebt Herr Schoeler die Tonnen auf dem Hof um: volle nach links, leere nach rechts.

Anderthalb Stunden pro Woche nimmt sich Herr Schoeler Zeit für den Müll seiner Nachbarn. So lange dauert es, bis alles in den richtigen Tonnen ist. Herr Schoeler wünscht sich von der Degewo (dem Vermieter), dass sie die vorderen Tonnen öfter, also zwei Mal pro Woche, abholen lässt. Außerdem sagt er, dass auf dem ehemaligen Bolzplatz auf dem Hof ein Müllplatz gebaut werden sollte. Damit hat die Degewo auch schon angefangen, ist aber noch nicht fertig. Dann könnte man den Müllplatz abschließen, damit nicht Leute von woanders ihren Müll einwerfen können. Ich habe meinen Nachbarn Herrn Schoeler gefragt, wie lange er noch den Müll der Anderen sortieren will. Er hat gesagt, solange er Lust hat. Aber schön fände er es, wenn er das gar nicht machen müsste.

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Der Text ist im Kiezmagazin „Alles über Müll“ erschienen. Die Ausgabe wurde 2018 mit dem Umweltpreis Mitte ausgezeichnet. Weitere Texte aus der preisgekrönten Ausgabe sind im Beitrag Sonderausgabe „Alles über Müll“ erscheint gesammelt und verlinkt. Weitere Beiträge über Nachhaltigkeit im Wedding und in Gesundbrunnen stehen auf der Seite Nachhaltigkeit im Wedding.

Text: Jakob Hensel (9 Jahre), Foto: Andrei Schnell

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Kommentar

  1. Avatar von Cecilia

    Lieber Jakob – Du hast einen ganz tollen Bericht geschrieben, den ich sehr gerne gelesen habe. Ich hoffe, Du schreibst bald wieder etwas!

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