Versteckt hinter großen Bäumen am Rand des Humboldthains liegt die Himmelfahrtkirche in der Gustav-Meyer-Allee. Am Pfingstsonntag (24.5.) feierte die Gemeinde dort das 70. Kirchweihjubiläum. Unter dem großen Buntglasfenster kamen die Besucherinnen und Besucher zum Gottesdienst zusammen und blickten mit einer Ausstellung und persönlichen Erinnerungen auf die Geschichte des Gotteshauses zurück.

„70 Jahre, das ist für eine Kirche ja kein Alter“, sagte Pfarrerin Anna-Franziska Pich bei der Veranstaltung am 24. Mai vor den Gemeindemitgliedern. Trotzdem wünschte sie, dass die Mauern erzählen könnten, was in dieser Zeit alles passiert ist. Erzählen könnten diese sicherlich vieles – und ihre Geschichte würde weit über die vergangenen siebzig Jahre hinausreichen.
Die Himmelfahrtkirche gab es schon einmal
Ältere Gemeindemitglieder oder Menschen aus der Nachbarschaft wissen es: Die Himmelfahrtkirche gibt es zweimal. Das erste, heute als „alte Himmelfahrtkirche“ bezeichnete Gebäude, stand an der Brunnenstraße nahe dem heutigen Rosengarten. Es wurde 1893 eingeweiht und am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört.
Hier wurde auch die Mutter von Elke Kielberg getauft – vor genau 100 Jahren. Den Taufschein brachte Kielberg zur Jubiläumsfeier mit. Ein Blick in das Familienbuch ist auch ein Blick in die Geschichte der Himmelfahrtkirche. Pfarrer Thomas Jeutner nahm darauf in seinen Worten Bezug.

Ein Neubau von Otto Bartning
Nach der Zerstörung der Kirche wich die Gemeinde auf Räume in der Nähe aus, darunter auch eine Kneipe, die sich jedoch dauerhaft als ungeeignet erwies. Schnell entstand der Wunsch nach einem Neubau. Dieser entstand in Laufweite zur alten Kirche an der Gustav-Meyer-Allee.
Die Pläne für das Bauwerk stammen von Otto Bartning. Er war einer der bedeutendsten Architekten seiner Zeit und entwarf in der Nachkriegszeit zahlreiche Notkirchen, die als Holzbauten errichtet wurden. Für die Himmelfahrtkirche plante er dagegen einen Bau aus Beton und Glas mit freistehendem Glockenturm.
Bartning hatte sich zu diesem Zeitpunkt längst der Moderne verschrieben. Auch am Humboldthain setzte er auf eine funktionale und schlichte Formensprache – ganz anders als bei der alten Kirche, die deutlich stärker von historischen Baustilen geprägt war. Die Himmelfahrtkirche gilt als sein letzter eigenhändiger Entwurf mit persönlicher Baubetreuung.

512.204 Mark für die neue Kirche
Bauzeit und Kostenrahmen klingen heute, 70 Jahre später, wie aus einer anderen Zeit. Mit dem Bau wurde 1954 begonnen. Am Pfingstsonntag, dem 20. Mai 1956, übergab Otto Bartning der Gemeinde den Kirchenschlüssel, und die Kirche wurde eingeweiht.
Auch die Baukosten wirken aus heutiger Sicht bemerkenswert: Geplant waren 490.000 D-Mark, am Ende wurden 512.204 D-Mark ausgegeben.

Das Fenster aus Glas und Beton
Eine Besonderheit der neuen Himmelfahrtkirche prägt bis heute jede Veranstaltung in dem Haus: das große Buntglasfenster hinter dem Altar. Auch am Pfingstsonntag 2026 nahmen die Gemeindemitglieder vor dem Altar Platz und blickten auf das prachtvolle Fenster.
Dabei verbindet sich die Kirche mit einem weiteren historischen Detail des Gesundbrunnens, denn das Kirchenfenster wurde einst von der AEG gestiftet. Es ist 4,50 Meter breit und 9 Meter hoch und besteht aus 28 verschiedenfarbigen Einzelteilen, die strahlenförmig von einem die Konstruktion tragenden Betonkreuz ausgehen.
Das Fenster wurde von Otto Bartning als Unikat entworfen und vom Glaskünstler Will Sohl aus Heidelberg hergestellt. „Das nach Südosten weisende Fenster entfaltet seine größte Wirkung, wenn das Licht der morgendlichen Sonne in den Gottesdienstraum einflutet und die Farbenpracht zur Geltung kommen lässt“, schreiben Gerhard Ballewski und Rüdiger Dammann in einem Büchlein zur Geschichte der evangelischen Kirchengemeinden am Humboldthain.

Die Geschichte geht weiter
Viele weitere Details könnten die 70 Jahre alten Mauern erzählen. So etwa vom 2001 errichteten Anbau, in dem heute eine Gemeindekita untergebracht ist. Oder von verschiedenen Sanierungsarbeiten, früheren Pfarrern, unzähligen Taufen und neuen Plänen. Auch davon, dass die neue Himmelfahrtkirche unter Denkmalschutz steht und die Gemeinde, die sie nutzt, seit Kurzem durch eine Fusion einen neuen Namen trägt. Sie ist heute eine der Kirchen der Evangelischen Kirchengemeinde am Gesundbrunnen.
Ausstellung noch bis Mitte Juni zu sehen
Eine Ausstellung von Gemeindemitglied Gerhard Ballewski zur Geschichte der Himmelfahrtkirche ist noch bis zum 14. Juni vor Ort in der Gustav-Meyer-Allee 2 zu sehen. Besucht werden kann sie am 5. und 12. Juni jeweils von 16 bis 18 Uhr sowie bei allen Veranstaltungen in der Kirche. Am 13. Juni findet ab 15 Uhr ein Gespräch zur Ausstellung statt. Die Finissage dauert bis 17 Uhr.

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