Seit 2012 führt bwgt e.V. Bewegungsprojekte für das Quartiersmanagement Brunnenstraße (QM) durch. Mit Blick auf die Beendigung des QMs im Brunnenviertel im Dezember 2027 liegt der Schwerpunkt nun darauf, die Bewegungsgruppen dauerhaft zu sichern. KiezSportLotsin Susanne Bürger hat dazu ihren Kollegen Felix Klump von bwgt e.V. interviewt.

Hallo Felix! Seit wann arbeitest du für bwgt e.V.?
Felix Klump: Hallo Susanne. Ich bin seit Sommer 2014 bei bwgt e.V. und habe 2019 das Projekt „Brunnenviertel bewegt“ von einem Kollegen übernommen.
Leitest du selbst auch Bewegungsgruppen an?
Felix Klump: Ich bin eher für die Koordination von Projekten verantwortlich. Eine Zeit lang habe ich einen Winterspielplatz unterstützt, Angebote in Schulen durchgeführt und mache auch heute bei Veranstaltungen noch Angebote. Nebenberuflich bin ich Tennis- und Athletiktrainer in einem Neuköllner Tennisverein.
Warum muss sich ein Quartiersmanagement um Bewegung kümmern? Bewegen sich die Menschen im Brunnenviertel nicht so gerne?
Felix Klump: Im Gegenteil! Wir versuchen diejenigen zu erreichen, die sich kostenintensive Angebote nicht leisten können. Wir passen Angebote den Wünschen und Gegebenheiten vor Ort an. Zu uns kommen dann auch Menschen, die eben nicht in die klassischen Sportvereine oder kommerziellen Angebote finden. Das ist für sie ein wichtiger, oftmals erster Schritt, ganz unkompliziert Spaß an Bewegung zu erleben. Für genau solche Fälle haben wir Kiezsport-Berlin e.V. gegründet. Er hat sehr niedrige Mitgliedsbeiträge (12,50 Euro/Monat, 5 Euro ermäßigt) und man kann monatlich kündigen. Wir wollten damit mögliche Barrieren zum Beitritt so weit wie möglich reduzieren.
Was macht den langfristigen Erfolg einer Bewegungsgruppe aus?
Felix Klump: Es kommt auf die Unterstützung der jeweiligen Einrichtung an. Steht sie mit Engagement dahinter, werden die Angebote sehr gut angenommen und haben eine Chance, dauerhaft zu bleiben. Wichtig sind verlässliche Angebotszeiten. Ändern die sich zu häufig, können sich Gruppen nur schwer etablieren. Noch entscheidender ist die Übungsleitung. Wenn mit der Zeit Vertrauen entsteht, fühlen sich auch bewegungsfernere Menschen in einer Gruppe wohl. Ich finde es spannend, nach langfristigen Lösungen bereits in der Entwicklung von Angeboten zu schauen. Da wir schon so viele Jahre im Brunnenviertel aktiv sind, ist das Verständnis für diesen Ansatz auch etwas größer.
Seit 2022 läuft nun das vermutlich letzte QM-Projekt mit bwgt e.V., welches explizit die nachhaltige Verankerung im Brunnenviertel zum Ziel hat. Was unternimmst du alles, damit einer Organisation die Übernahme in die eigene Verantwortung gelingt?
Felix Klump: Im Projekt können wir nur dann unterstützen, wenn wir eine Option auf Nachhaltigkeit haben. Wie sich zeigt, sind die Voraussetzungen und Möglichkeiten sehr verschieden. Die Ansätze müssen daher vielfältig sein. Optionen sind beispielsweise Coachings in bestehenden Angeboten, die Qualifizierung von Mitarbeiter:innen oder Teilnehmer:innen in Einrichtungen, Vermittlung von Übungsleiter:innen, Einbinden von Ehrenamtlichen. Es gibt bereits eine ganze Reihe an vielversprechenden Konzepten und wunderbaren Kooperationen. Da ist schon viel Bewegung drin!
Welche Gründe werden benannt, wenn die Kooperationspartner/Einrichtungen die Bewegungsgruppen nicht in Eigenregie fortgesetzt haben?
Felix Felix: Das liegt häufig an den Ressourcen. Es fehlt an Personal, an Impulsen für mehr Bewegung, an Kapazitäten, um weitere Aufgaben zu übernehmen – und natürlich auch an den finanziellen Mitteln.


Wo sind Angebote entstanden mit dem konkreten Ansatz, dass bwgt e.V. sie in andere Verantwortung übergeben wird?
Felix Klump: Das Olof-Palme-Zentrum konnte bereits vier Angebote von bwgt übernehmen. Weitere sind in der Testphase und sollen auch abgegeben werden. Im Familienzentrum Wattstraße ist der Bewegungs-
sonntag für Familien mit Kindern bis 6 Jahren entstanden. Hier bekommen die Familien Ideen für mehr Bewegung an die Hand. Für das JuPoint Brunnenviertel vom caju e.V. haben wir Fußballtore und Bewegungsmaterialien beschafft. Bei „Fußball und mehr“ gibt es ein Tandem: Ein Jugendlicher aus dem Kiez sammelt Erfahrungen vom bwgt-Trainer und soll später das Angebot alleine übernehmen.
Bei den Stadtteilmüttern Gesundbrunnen führt bwgt ein Yoga-Gymnastik-Angebot durch. Interessierte Teilnehmerinnen werden zur Kiezübungsleiterin ausgebildet und können das Angebot dann eigenständig anleiten. Im Kurs werden die Grundlagen zur Durchführung von Bewegungsgruppen vermittelt. Die Kiezübungsleiterinnen-Schulung wird im Spätsommer/Herbst 2024 stattfinden und steht allen interessierten Frauen zur Teilnahme offen. Gerade unterstützen wir die Seniorenbegegnungsstätte Stralsunder Straße, ihre sehr großen Gruppen langfristig zu erhalten. Es gelingt hoffentlich, diese in einen zu Sportverein integrieren. Den gleichen Ansatz verfolgen wir für das Kitasportangebot der Kita Wolgaster Straße.
Noch bis Ende 2025 läuft die Projektförderung. Kann jetzt noch eine Organisation einsteigen, die Interesse daran hat, neue Bewegungsgruppen aufzubauen?
Felix Klump: Ja, interessierte Einrichtungen und Akteur:innen können sich sehr gerne melden. Diese Prozesse sollen bis zum Projektende weiterlaufen!
Wie ist dein bisheriges Fazit für die Etablierung der Sportangebote?
Felix Klump: Ich bin gerade total zufrieden mit den vielen Angeboten, ersten konkreten Verstetigungen, Kooperationen und dem Interesse, das Thema Bewegung stärker in Einrichtungen und Kiez zu verankern.
Vielen Dank für das Interview!
Kontakt zu Felix Klump ist telefonisch unter (030) 78 95 85 50 oder per E-Mail unter klump@bwgt.org möglich. Web: www.bewegung-draussen.de
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Der Text ist auch im Kiezmagazin „Mit Über-Blick“ enthalten, das im März 2024 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Mit Über-Blick“ gesammelt und verlinkt.

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