Das Künstlerkollektiv Stattlab ist vor kurzem von der Drontheimer Straße im Soldiner Kiez ins Brunnenviertel gezogen. Wer sind die Menschen im Stattlab und was treibt sie an? Im Brunnenmagazin stellen sich einige selbst vor. Den Anfang macht Jördis Hirsch.

Sie zeichnet, druckt, schneidet und illustriert, singt und springt zwischen den Systemen. Im Stattlab werden eine Vielzahl ihrer Ideen Wirklichkeit. In den gemeinschaftlich genutzten Siebdruckwerkstätten experimentiert sie mit Farben und Rakel (einer Art Farbschieber, mit dem man Farbe durch ein Sieb druckt) in dem Versuch, sich und andere zu überraschen. Herauszufinden warum sie Kunst macht, machen muss, weil das Leben ohne Kunst sinnlos wäre.
Dabei hat Jördis Hirsch doch erst mal Ethnologie studiert, aus dem Wunsch heraus, die Welt zu sehen. Sie hat die ganz großen Wunder im Kleinen gesucht, sich mit dem Verhältnis von Mensch und Tier beschäftigt und über die Mechanismen unseres Zusammenlebens nachgedacht. Sie hat für eine lokale Tageszeitung gearbeitet und ist während ihres Studiums nicht über Hessens Grenzen hinausgekommen, erst ein Auslandsjahr in Paris eröffnete die Tore der Welt. Dann hat sie die Kunst um den Globus geführt.
Der Gesang brachte sie nach Kolumbien und China, die Keramik nach Mexiko, die Malerei nach Tansania, und nächstes Jahr wird der Siebdruck sie nach Japan führen. Von allen Reisen bringt sie Geschichten von den Menschen mit, die sie getroffen hat. Und diese Geschichten inspirieren sie, weil sie immer wieder feststellt, dass die Menschen überall dieselben großen Dinge bewegen, die auch Jördis bewegen. Dinge, für die es keine Worte gibt und die doch nach einem Ausdruck suchen. Deshalb muss sie Kunst machen, die gibt ihr keine Antwort, aber sie stellt die richtigen Fragen.

Jördis denkt, dass Humor in der Kunst ganz wichtig ist. Und viel mehr ist als ein Witz, über den man einmal lacht. Es ist der Lebensmut, der uns zu großen Taten aufbrechen lässt, aber auch das Aufstehen am Morgen erleichtert. Doch auch Kritik muss geübt werden. Wenn Menschen sich nicht trauen, Dinge zu sagen, manchmal sogar sie zu denken, dann springt etwas in Jördis auf und schreit und sie muss ein Kunstwerk daraus machen. Und dann sollen das möglichst viele Menschen sehen. Deshalb macht Jördis gerne Kunst für die Straße und arbeitet mit tollen Initiativen wie „Litfaß goes Urban Art“ zusammen, die Litfaßsäulen in der Stadt mit Kunst statt Werbung bekleben.
Jördis will auch anderen Menschen die Möglichkeit geben, sich ein Bild zu machen, von dem was man denkt. Deshalb bietet sie Siebdruckworkshops im Stattlab und in der Atrium Kunstschule für Kinder an. Als Teil des Vorstands engagiert sich für den Verein, um auch in der Zukunft jungen Menschen zu ermöglichen, in Berlin Kunst zu machen. Aber manchmal packt sie auch ihre Sachen und bringt den Siebdruck in Gegenden, wo Menschen nicht drucken. Das nennt man Kunstvermittlung und Jördis ist dann oft im Auftrag der Akademie der Künste unterwegs. Ihre Workshops kann man über ihre Webseite http://www.joerdishirsch.com oder auch auf der Webseite des Stattlab www.stattlab.net/workshops finden.
Text: Jördis Hirsch, Stattlab

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