Das Stattlab ist 2024 von der Drontheimer Straße im Soldiner Kiez ins Brunnenviertel gezogen. Im Brunnenmagazin stellen sich verschiedene Künstlerinnen und Künstler des Kollektivs vor und sagen der Nachbarschaft hallo! Hier grüßt Kaspar Mattmann, non-binäre, visuelle kunstschaffende Person.

Ich lebe seit Herbst 2023 im Wedding in unmittelbarer Nähe der Uferstudios. Einfach einmal quer über die Panke und man ist schon fast bei uns in der WG-Küche, unter dem Pflanzendach. Man kann mich im Kiez öfter beim Schlendern antreffen, beim Baumrindensammeln, Ameisenzählen oder beim Veloschrauben in der Selbsthilfewerkstatt. Ich lasse mich gerne vom Leben und Erleben und dem Fließen und dem Schauen und Hören und Riechen und Kennenlernen inspirieren und nutze für meinen Ausdruck, was mir grad so in die Hände fällt. In der Schweiz aufgewachsen, ist mir das Gewusel und Gewimmel Berlins wichtig geworden und ich fühle mich im Wedding und bei meinen lieben Menschen hier zu Hause.
Mein Weg zur die Kunst war kein direkter: Ursprünglich bin ich Ärzt:in. Nach dem Studium arbeitete ich in einem mittelkleinen Krankenhaus und merkte, dass meine offene Art gut ankam und sich die Patient:innen aufgehoben fühlten. Die hierarchischen Strukturen, starren Prozesse, der Zeitmangel für die Patient:innenbetreuung und das Gefühl, das Leben ziehe an mir vorbei, ließen mich vor bald vier Jahren die Reißleine ziehen. Ich baute einen Van zum mobilem Schwarzweißfotolabor-Camper um und zog los.
Angefangen hatte ich meinen künstlerischen Weg bereits zu Studienzeiten mit der Fotografie. Diese hat mir eine Tür geöffnet und dahinter fand sich eine Art von Lebenerfahren, wie ich es vorher noch nie bei mir gespürt hatte. Viele kleinere und größere Projekte mit inspirierenden Menschen folgten. Der Weg führte mich unter anderem nach Ungarn, Estland, Rumänien bis nach Mexiko.
Heute verwende ich in meiner Kunst gerne unterschiedliche Medien, manchmal eins allein, manchmal alles ein bisschen gemischt. Ich beschäftige mich mit Installation, erstelle Plastiken aus Metall, Holz, Gips, Beton, arbeite viel mit meiner Körperwahrnehmung, meiner Geschichte. Seit Kurzem kommen der Linol- und Siebdruck hinzu — beide erzeugen in mir neuen Tatendrang und Entdeckungslust. Die Fotografie wird natürlich immer einen Platz haben, und auch an ihr schraube ich im Fotolabor im Stattlab.
Ich arbeite gerne kollaborativ, genieße den Austausch mit Mitkünstler:innen und bin froh, einen Ort gefunden zu haben, an dem ich meine Sprache in der Kunst weiter verfeinern kann. Ich fühle mich aufgehoben im Stattlab, das voll ist mit inspirierenden und hilfsbereiten Menschen und wo ein gemeinsamer Kaffee und ein gutes Gespräch nie weit weg sind.
Text: Kaspar Mattmann

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