Kiezshop am Ackerplatz – so wollen Enes Eksi und Emirhan Adas ihren Laden nennen. Wo früher Edeka auf rund 500 Quadratmetern Lebensmittel verkaufte, versuchen es die beiden auf 195 Quadratmetern. Eröffnung soll am 2. Mai sein.

Eine gehörige Portion Hartnäckigkeit haben die beiden jungen Männer schon bewiesen. Das bestätigt Ulrike Sczygiol, die bei der Wohnungsbaugesellschaft Degewo für die Vermietung von Gewerbeeinheiten zuständig ist. „Herr Eksi hat alles getan, um immer wieder mit uns ins Gespräch zu kommen“, sagt sie lachend. Der 29-jährige Enes Eksi schmunzelt. Er und Emirhan Adas (26 Jahre) wollen den Edeka in der Ackerstraße 118 beerben. Zumindest eine Teilfläche.
Die Degewo hat die Gewerbeeinheit im Erdgeschoss nach der Sanierung geteilt. Wo früher Edeka und der zugehörige Getränkemarkt mehr als 500 Quadratmeter einnahmen, sollen nun auf 313 Quadratmetern das Künstlerkollektiv Stattlab mit Siebdruck und Fotostudio und auf 195 Quadratmetern ein neuer Einkaufsladen einziehen. Kiezshop am Ackerplatz wollen Enes Eksi und Emirhan Adas ihr Geschäft nennen. Bis zur Eröffnung am 2. Mai müssen sie Wände streichen, Regale und Kühltruhen aufbauen und Waren einräumen. „Wir haben gehört, die Menschen wollen keinen Späti“, sagen die beiden. Deshalb soll es in ihrem Minimarkt ein reichhaltigeres Angebot geben: Lebensmittel, Tiefkühlkost, Dosen, Konserven, Getränke und Hygieneartikel. Der Mietvertrag zwischen den künftigen Lebensmittelhändlern und der Degewo gilt zunächst für fünf Jahre – mit Option auf Verlängerung.
Enes Eksi und Emirhan Adas haben bereits Erfahrung als Unternehmer. Den Leerstand am Ackerplatz bemerkte Eksi, weil er selbst in der Gartenstraße wohnt. Adas lebte früher in der Usedomer Straße, ist jetzt aber außerhalb des Brunnenviertels zu Hause. Die beiden sind optimistisch, dass ihr Geschäft gut laufen wird. „Wir sehen die Probleme, die die Großhändler mit dem Standort haben, nicht“, sagt Eksi. Mit großen, bundesweit tätigen Ketten hatte die Degewo verhandelt. Doch die Handelskonzepte hätten sich gewandelt, sagt Rainer Uhlig, Leiter der Abteilung Gewerbeimmobilien. Der Handel wolle größere Flächen. Und Säulen und Ecken in einem Laden seien störend, eine Brandschutzwand ein Problem. Die Degewo habe intensiv um Mieter geworben, sei auf Händler zugegangen. Mit der Kette Nahkauf habe man lange konkret verhandelt. Doch am Ende seien die aufwendigen Verhandlungen schließlich gescheitert, so Rainer Uhlig.
Für viele Anwohner war die Suche der Degewo nach einem neuen Händler eine Geduldsprobe. „Bei den Nachbarschaftstreffen in der Waschküche verging kein Mittwoch, an dem der Leerstand am Ackerplatz nicht Thema war“, sagt Pfarrer Thomas Jeutner. Er appelliert an die Degewo, künftig mehr zu kommunizieren. Kleine Informationen oder ein Zettel im Schaufenster würden schon reichen. Einen Umschlagplatz für Neuigkeiten und Kieznachrichten dürfte es mit dem neuen Kiezshop nun bald wieder geben. Die Chancen stehen gut, dass die beiden jungen Unternehmer Enes Eksi und Emirhan Adas, die zuvor in der Gastronomie gearbeitet haben, ein freundliches Wort gratis ins Einkaufskörbchen legen. Dann wird der Kiezshop am Ackerplatz schnell Teil der Nachbarschaft sein.
Weiterlesen
Der Text ist auch im Kiezmagazin „Wer rastet… kommt weiter!“ enthalten, das im März 2024 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Wer rastet… kommt weiter!“ gesammelt und verlinkt.

Kommentar verfassen