Habt ihr noch einen Platz bekommen? Nicht alle, die einen wollten, haben diese Frage mit Ja beantworten können. In der Waschküche haben am Samstag (18.1.) die Plätze für die Lesung bei Weitem nicht ausgereicht. Zu Gast war Gretchen Dutschke. Und auch ein wenig die Erinnerung an den Studentenführer Rudi Dutschke, ihren Mann.

Unglaublich, dass Cornelia Holl ein so prominentes Lese-Team in den kleinen Nachbarschaftstreff in der Feldstraße im Brunnenviertel holen konnte. Cornelia Holl ist die Organisatorin der Lesungen in der Waschküche und des Lesecafés am gleichen Ort. Der Veranstaltung mit dem Gast mit dem berühmten Nachnamen hat sie wohlweißlich eine Anmeldung vorangestellt. Dass es voll werden würde, war klar. Und so lag am Samstag eine kleine Aufregung in der Luft, Vorfreude auf eine besondere Veranstaltung mit einer Person der Zeitgeschichte. Einige Gäste waren sogar mit einem reinen Zuhörplatz zufrieden – sie saßen um die Ecke und konnten Gretchen Dutschke zwar hören, aber nicht sehen.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer mit und ohne Sichtplatz erlebten in diesem kleinen Rahmen eine freundliche ältere Frau mit amerikanischem Akzent, Jahrgang 1942. Und mit einer bewegten Biografie. Um diese geht es im vorgestellten Buch „ Auf stacheligen Wegen zur Befreiung. Immer wieder Aufbrauch und Neuanfang“. An Gretchen Dutschkes Seite war an dem Abend Autorin Cornelia Dildei. Gemeinsam trugen sie Passagen aus dem Buch vor, das auch in schriftlicher Form ein langes Interview-Zwiegespräch zwischen den beiden Frauen ist.
Das Buch reiht Anekdoten und Erinnerungen an das Leben von Gretchen Dutschke zu einem unterhaltsamen Druckwerk aneinander. Beschrieben wird der Werdegang der Amerikanerin aus evangelikalem Elternhaus, die als Zugezogene ihre eigene Sicht auf das Deutschland der Nachkriegszeit hat. Neugierig und aufsässig war sie, aktiv in der Studentenbewegung der 1968er Jahre, eine studierte Theologin, Umwelt-. Frauen- und Menschenrechtsaktivistin. Ihr Lebensmittelpunkt: mal in Amerika, mal in Deutschland; seit 2010 wohnt sie in Berlin. Ihre persönlichen Schilderungen spiegeln auch die Geschichte einer Zeitepoche. Mit Ernsthaftigkeit, aber auch mit Witz ließ Gretchen Dutschke, eigentlich Gretchen Dutschke-Klotz, die Zuhörerinnen und Zuhörer an ihrer Lebensgeschichte teilhaben. Und alle, die dafür einen Sitzplatz ergattert hatten, können sich glücklich schätzen.

Weitere Lesungen in der Waschküche
Die Lesung mit Gretchen Dutschke ist vorerst eine der letzten in der Waschküche. Wegen der derzeit unklaren Fördersituation im Kulturbereich ist laut Cornelia Holl unklar, wie viele Lesungen es in diesem Jahr im Nachbarschaftstreff Waschküche geben wird. Für den 15. Februar steht jedoch schon seit Längerem eine nächste Lesung fest. Um 18.30 Uhr ist an diesem Tag Alem Grabovac mit den Büchern „Das achte Kind“ und „Die Gemeinheit der Diebe“ zu Gast. Für die Lesung muss man sich nicht anmelden, die Platzanzahl ist jedoch begrenzt. Im März und April wird es dann keine weiteren Lesungen geben. Vorabsprachen hat Cornelia Holl jedoch bereits mehrere getroffen. Sobald eine Finanzierung gefunden ist, solle es weitere Lesungen geben.




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