Lesung in der Waschküche: Paradies mit Brennnesseln

Eine Lesung mit dem Autor Roland Lampe in der Waschküche steht bevor. Am 16. November geht es in der Feldstraße 10 um sein Buch „Paradies mit Brennnesseln. Hans Fallada in Brandenburg“. Unsere Autorin Corinna Neinaß hat diesen biografischen Reiseführer bereits gelesen und sich zu Hans Fallada weitergehend informiert.

Bei Vorstellung des Buches "Paradies mit Brennnesseln. Hans Fallada in Brandenburg" in Neuenhagen im Juni 2023: Autor Roland Lampe mit Saskia Klemm (links) und Sandra Knopke vom findling Verlag. Foto: Stefanie Reich
Bei Vorstellung des Buches in Neuenhagen im Juni 2023: Autor Roland Lampe mit Saskia Klemm (links) und Sandra Knopke vom findling Verlag. Foto: Stefanie Reich

Roland Lampe, der im Berliner Umland aufwuchs und über Schriftsteller in Brandenburg schreibt, hat für diesen biografischen Reiseführer gut recherchiert, viel selbst fotografiert und kombiniert historische Ansichten mit Naturaufnahmen und Archivfotos. Alle Orte in Brandenburg, die mit Fallada in Verbindung gebracht werden können, sind hier auf ansprechende Weise bebildert und beschrieben. In jeweils eigenen Kapiteln geht es um seine Zeit in Berlin und um den Schriftsteller heute: In Neuenhagen gibt es seit 2021 einen Fallada-Gedenkort.

Auf einer Übersichtskarte in der vorderen Umschlagklappe sind die Orte markiert. In Neuglobsow am Stechlinsee zum Beispiel verlebte Fallada als Zehnjähriger einen schönen Sommer mit seiner Familie. Sein Sohn Ulrich besuchte in Templin von 1940 bis 1945 ein Gymnasium.

In der hinteren Umschlagklappe des Buches sind wichtige Lebensdaten aufgelistet. Der Schriftseller wurde als Rudolph Ditzen 1893 in Greifswald geboren, wuchs in Berlin auf und legte sich 1919 für seinen ersten Roman das Pseudonym Hans Fallada zu. In Brandenburg lebte er nur drei Jahre, doch hier begann 1931 seine Karriere als freier Schriftsteller. Mitte der 1930er Jahre – er wohnte schon in Carwitz in Mecklenburg – fuhr er zur Erholung sieben Mal in ein Sanatorium nach Zepernick. Ein hohes Arbeitspensum und sein Lebenswandel – er rauchte zuweilen 120 Zigaretten am Tag – führten zu zunehmender Gereiztheit. Er starb 1947 in Berlin an einer Überdosis Morphium.

Ein Welterfolg am Stadtrand

Seinen Bestseller, den Roman „Kleiner Mann – was nun?“, der im Juni 1932 erschien, schrieb Fallada in einem Reihenhaus in Neuenhagen. Dorthin war die Familie im August 1930 mit Sohn Uli gezogen, der im Buch auf zahlreichen Familienfotos zu sehen ist. Wir sehen Fallada als liebevollen Familienvater. Fast täglich ging er mit seinem Murkel spazieren und hatte schon bald einen Namen: „Der arme Arbeitslose mit Kind“. Arbeitslos war Fallada allerdings nicht, er war ja Schriftsteller. Dass er das Leben als Angestellter und die Nöte der kleinen Leute aber gut kannte, ist in dem Kapitel über die Berliner Zeit nachzulesen. Und Lämmchen, die von den Lesern so geliebte Hauptfigur des Romans, ist seiner Frau Anna nachempfunden.

Ruhe zum Schreiben

Mit dem vielen Geld aus den Buchverkäufen konnte Fallada jedoch nicht gut umgehen. Er war viel in den Bars und Kneipen im nahe gelegenen Berlin unterwegs und kam kaum noch zum Schreiben. Fallada wünschte sich mehr Ruhe, ein eigenes Zimmer zum Arbeiten, ein Grundstück, Wasser und Wald. Die Familie fand ein Haus in Berkenbrück, es ist auf einigen Fotos abgebildet. Als Fallada es kaufen kann, scheint das Glück perfekt. Doch im April 1933 wird er denunziert und muss in Fürstenwalde fast zwei Wochen in Haft verbringen. Schließlich gibt er das Haus wieder auf.

Durch Falladas eigene Schilderungen und viele Briefauszüge werden diese Ereignisse sehr lebendig. Sein Verleger Ernst Rowohlt war maßgeblich an seiner Freilassung beteiligt. Er hatte einen Wochenendsitz in Grünheide, wo Fallada ihn häufig besuchte und wo er 1932, kurz vor Erscheinen seines Welterfolges, einen Generalvertrag unterzeichnen konnte: Seine Existenz als Schriftsteller war gesichert. Das Haus mit Grundstück fand Fallada in Carwitz und erinnert sich dort an die Zeit in Neuenhagen als ein „Paradies, das [ihn] mit Brennnesseln brannte“. Roland Lampe ist es gelungen, die Lebensstationen des Schriftstellers, sein Werk sowie die oft widrigen Zeitumstände anschaulich zu vermitteln.

Paradies mit Brennnesseln: Das Buch, die Lesung

Das Buch „Paradies mit Brennnesseln“ erschien 2023 im findling verlag und kostet 18 Euro. Die Lesung mit Autor Roland Lampe findet am Samstag, dem 16. November, um 19 Uhr im Nachbarschaftstreff Waschküche in der Feldstraße 10 statt. Der Eintritt ist kostenfrei, die vorhandenen Sitzplätze sind aber begrenzt. Rechtzeitiges Erscheinen ist daher empfohlen.

Das Fallada-Haus Neuenhagen besuchen

Das Fallada-Haus in Neuenhagen hat keine festen Öffnungszeiten. Es kann nur nach vorheriger Anmeldung besucht werden. Der Eintritt kostet 3 Euro. Anmeldungen sind telefonisch über die Anna-Ditzen-Bibliothek unter (03342) 80435 oder bei der Gemeinde Neuenhagen unter Telefon (03342) 24 51 50 möglich. Auf Google Maps ist auch ein virtueller Spaziergang im Fallada-Haus möglich.

Fallada-Haus in Neuenhagen: Im früheren Wohnhaus des Schriftstellers ist seit 2021 eine Ausstellung eingerichtet. Bitte anmelden! Foto: Gemeinde Neuenhagen bei Berlin
Fallada-Haus in Neuenhagen: Im früheren Wohnhaus des Schriftstellers ist seit 2021 eine Ausstellung eingerichtet. Bitte anmelden! Foto: Gemeinde Neuenhagen bei Berlin
📍 Kiez: ,

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen