Im Jahr 2008 eröffnete in der Bernauer Straße 74–75 die erste und bisher einzige Sauna im Brunnenviertel. Nach sieben Jahren musste Betreiber Marek Mewitz im vergangenen November schließen.

Es hätte ein Sonntag wie viele andere in Mareks Saunahaus sein können, dieser 29. November 2015. Der Chef begrüßt die Gäste mit einem Händedruck, die beiden Saunaöfen sind angeheizt und verbreiten wohlige Wärme. Wie an den meisten Wochenendtagen ist auch Steffi, Mareks Frau, mit von der Partie. Sie nimmt an der Theke die Bestellungen entgegen und führt im Wechsel mit Marek zur vollen Stunde die hochgelobten Aufgüsse durch.
Die Sauna rentiert sich nicht
Es scheint, alles sei wie immer. Dennoch wissen etliche der anwesenden Gäste, dass dies der letzte Tag des Sauna-Idylls in der Bernauer Straße sein wird. Die übermächtige Konkurrenz eines Wellness-Tempels in unmittelbarer Nähe, ein Vermieter, der wohl lieber kurzfristig hohe als langfristig sichere Einnahmen haben will, und nicht zuletzt die Mehrwertsteuererhöhung für Saunabetriebe (der Steuersatz für Saunabetriebe wurde 2015 von 7 auf 19 Prozent erhöht – Anm. der Redaktion) haben den Betrieb der Anlage im achten Jahr ihres Bestehens unrentabel gemacht.
Viel zu lange hat Marek finanziell draufgelegt, er wollte die Flinte nicht ins Korn werfen. Marek ist keiner, der aufgibt, erst recht nicht seine Sauna. Der alte Flachbau war einst ein kleiner Supermarkt, dann ein Kiosk mit Trinkhalle und zuletzt ein Café. Marek hat kernsaniert, angebaut, umgebaut, unterkellert und noch bis kurz vor der Eröffnung im Februar 2008 die letzten Fliesen angeklebt. Dann kam 2015 dieser letzte Tag, der Tag, an dem die Sauna in der Bernauer Straße Geschichte wurde.

Aufgüsse zum Abschied
An diesem letzten Tag werden auf Gästewunsch ganz besondere Aufgüsse zelebriert, zum Beispiel Patschuli. Hippies und die 68er unter den Lesern erinnern sich bestimmt noch an den speziellen Geruch von Räucherstäbchen und Duftkerzen. Sibirische Fichte und Schweizer Kräuter steigen den Gästen nocheinmal in die Nase. Und natürlich darf auch der original finnische Aufguss mit dem rauchigen Terva-Öl nicht fehlen. Er war eine Spezialität in Mareks Saunahaus. Ausnahmsweise wird Terva heute an einem Sonntag aufgegossen. Sonst war Donnerstag der beliebte Terva-Tag.
So verrinnen die Stunden. Nach und nach verlassen die Gäste die Anlage. Die Stammgäste bleiben noch, um die letzten Momente auszukosten. Kurz vor Mitternacht knallen dann Korken. Bei einem Glas Sekt kommen viele schöne Erinnerungen und lustige Geschichten hoch und mischen sich unter die aufkommende Wehmut vieler Gäste.


Nun werden die Öfen abgeschaltet
Ein allerletzter Aufguss wird durchgeführt. Der Ofen zischt ein letztes Mal. Das letzte Mal wedelt Marek seinen Gästen den heißen Dampf um die Nase. Sie klatschen für den Sauna-Meister – nein sie klatschen für ihren Sauna-Meister. Ein letztes Mal. Danach werden die Öfen abgeschaltet und nun für immer kalt bleiben. „Hier schließt keine Anlage, es stirbt ein Stück Sauna-Kultur in der Hauptstadt“, so formuliert trefflich einer der Stammgäste, der immer in der obersten Reihe gesessen hat.

Wie sehr Mareks Saunahaus fehlt, zeigt sich schon wenige Tage nach der Schließung: Schnell haben sich ehemalige Stammgäste in einer Facebook-Gruppe zusammengefunden, um sich über Alternativen für den Sauna-Besuch auszutauschen. Oft kann man Kommentare über andere Saunen lesen wie: „Eigentlich ganz in Ordnung, aber die Aufgüsse kommen bei Weitem nicht an die von Marek und Steffi ran. Und auch die Atmosphäre fehlt irgendwie.“
Mareks Saunahaus ist geschlossen. Es ist traurig, aber leider wahr. Es ist nun kälter in Berlin.
Text: Holger Steinbach und Bastian Roet – unsere Autoren waren Stammgäste in Mareks Saunahaus.
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Der Beitrag ist auch im gedruckten Kiezmagazin erschienen. Er ist in der Frühlingsausgabe 1/2016 enthalten. Weitere Artikel aus dem Heft sind im Beitrag Neues Kiezmagazin: Die Frühlingsausgabe ist da! verlinkt.

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