Margot Visser kannten viele im Brunnenviertel. Im Sommer ist die engagierte und leidenschaftliche Kiezbewohnerin mit 87 Jahren gestorben. Dominique Hensel und Ralf Schmiedecke erinnern an sie.

Wenn jemand ganz eng mit dem Brunnenviertel verbunden gewesen ist, dann war das Margot Visser. Fast ihr ganzes Leben hat sie im Brunnenviertel verbracht – ist über einem Seifengeschäft in der Wolliner Straße 27a aufgewachsen, hat hier gewohnt und hat sich stark für ihren Kiez engagiert. In diesem Sommer ist sie gestorben und das Brunnenviertel hat eine Bewohnerin verloren, die ihren Kiez und den Gesundbrunnen immer im Herzen trug.
Aufgewachsen am Vinetaplatz
Margot Visser (geborene Schwarz) wuchs nahe des Vinetaplatzes auf. Als junge Frau zog sie in den Neubau in der Rügener Straße 12, wo sie bis zu ihrem Tod wohnte. Dass sie aufgrund der sogenannten Kahlschlagsanierung zwischenzeitlich umsiedeln musste, behagte der gelernten Schneidermeisterin gar nicht: „Einen alten Baum soll man eben nicht verpflanzen!“ Auf ihrem Steckbrief für die Wahl zur Quartiersrätin fasste sie ihre Verbundenheit mit der Nachbarschaft selbst zusammen: „Das Brunnenviertel ist meine Heimat.“ Sie spazierte gern im Humboldthain und schätzte den Zusammenhalt, den es im Viertel gab. „Die gemeinsame Zeit in den Bunkern während des Krieges und die Aufbauarbeit danach haben die Nachbarn zusammengeschweißt“, beschrieb sie ihren Kiez bei einem historischen Rundgang 2016.

Bei Führungen und anderen Gelegenheiten erzählte Margot Visser gern von ihrem Leben im Kiez, kommentierte historische Fotos und erzählte von den Folgen der Kahlschlagsanierung im Viertel. Sie war eine der letzten Zeitzeugen aus dieser einschneidenden Periode der Kiezgeschichte (1970- bis 1980er-Jahre). Sie half stets mit, die Geschichte lebendig zu halten und engagierte sich darüber hinaus für ihr Viertel. So war Margot Visser eng mit der Evangelischen Kirchengemeinde am Humboldthain verbunden und auch im Verein Selbsthilfe im Vorruhestand e.V. aktiv. Sie war seit der allerersten Sitzung des Quartiersrats am 26. Januar 2006 Jurymitglied – und sie übte ihr Ehrenamt bis zum Schluss aus. Mitstreiter schätzten ihre stets offene, nette und zielstrebige Art.
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Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Park frei!“ enthalten, das im zweiten Quartal 2020 erschienen und wegen der Corona-Pandemie gleichzeitig das Heft für das dritte Quartal 2020 ist. Weitere Artikel sind im Beitrag Park frei! Neues Kiezmagazin feiert den Mauerpark gesammelt und verlinkt.

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