Ein Besuch der Friedhöfe in der Liesenstraße

Der Beitrag Begraben im Schatten der Mauer hat unseren Autoren und Fotografen Michael Becker zu einem erneuten Besuch der Friedhöfe in der Liesenstraße inspiriert. Dabei stellte er erneut fest: Durch die besondere Lage die Friedhöfe an der ehemaligen Mauergrenze und viele dort ruhende Persönlichkeiten lohnt ein Besuch immer.

Auch aus dem Wirkungskreis des Brunnenviertels sind in den letzten Jahren dort vier Weggefährten eingezogen, die sehr fehlen. Ich nahm die Gelegenheit des ersten Schneefalls kurz vor dem zweiten Advent für ihren Besuch wahr.

Als erstes stoße ich auf die langjährige Anwohnerin Margot Visser, die 2020 von uns ging. Kurz nach ihr folgte im gleichen Jahr der Pate der Gleim-Oase Holger Eckert. Beide haben unweit von einander auf dem Katholischen St. Hedwig Friedhof Liesenstraße 8 ihre letzte Ruhestätte gefunden. Holgers Namensschild ist verschneit, aber eine kleine Bildtafel erinnert sein Wirken auf der Gleim-Oase. Margot Visser muss kurz vor mir Besuch bekommen haben. Ihre Stelle war frisch mit bunten Rosenblättern umringt. Holger und Margot hatten bei vielen Anlässen im Brunnenviertel miteinander zu tun.

Auf dem angrenzenden Friedhof der französisch reformierten Gemeinde Liesenstraße 7 begegne ich der Grabstelle von Monika Puhlemann mit wärmenden Tannenzweigen bedeckt. Von ihr mussten wir uns erst in diesem Jahr verabschieden. Sie hatte mit interessanten geschichtsbezogenen Artikeln aus dem Brunnenviertel Aufmerksamkeit erweckt. Besonders ihre Suche zum Verbleib des seit Ende des Zweiten Weltkrieges verschollenen Denkmals Weißer Stier im Humboldthain hatte zu dessen Auffindung im Mai 2022 geführt. Es wäre für Margot Visser eine Riesenfreude gewesen, wenn sie das noch hätte erleben können. Sie kannte das Denkmal von früher und vermisste es sehr, da sie viele Erinnerungen mit ihm verband.

Einige Schritte weiter auf dem Evangelischen Domfriedhof Liesenstraße 6 fand ebenfalls in diesem Jahr Alexander Koch seine letzte Ruhestätte. Der Gedenkstein in Form eines Herzens hebt sich für Eingeweihte auch unter dem Schnee ab. Mit Alex hat das Brunnenviertel einen unnachgiebigen Forderer von barrierefreier Gestaltung verloren. Dieses Engagement teilte er mit Holger Eckert, der sich innerhalb der Patenschaft mit Dunja Berndt für eine rollstuhlgerechte Umgestaltung der Gleim-Oase einsetzte. Leider vergeblich. Sie mussten für Veranstaltungen stets auf mobile Rampen zurück greifen – aufgrund des Verkehrsflusses an der Oase nicht ungefährlich. Alex hatte sich im Rollers e.V. für praktische Hilfe Betroffener eingesetzt.

Die Nähe, die die vier in der Liesenstraße räumlich verbindet, ist eher zufällig. Für uns, die sie ein Stück ihres gesellschaftlichen Wirkens begleiten konnten, sind sie auch im Geiste nahe gekommen.

Text und Fotos: Michael Becker

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