Möbel Kraft schließt und Höffner kommt

Am 25. August schließt Möbel Kraft in der Pankstraße. Aber nur für kurze Zeit gibt es keine Möbel zu kaufen. Denn im September eröffnet an Ort und Stelle ein Höffner. Man muss sagen: wieder. Höffner hat dort Tradition.

Möbel Kraft in der Pankstraße. Foto: Hensel
Möbel Kraft in der Pankstraße. Foto: Hensel

„Dann wird’s wohl recht mau mit größeren Möbelhäusern hier in der Ecke“, schreibt jemand vor einer Woche in einem Onlinebeitrag traurig, als er hörte, dass Möbel Kraft in der Pankstraße schließen wird. Der Kundenservice des Möbelhändlers hatte zu diesem Zeitpunkt Mails verschickt, in denen ursprünglich eine Schließung zum 30. August angekündigt wird. Nun (Mitte August) ist einem Anruf beim Kundenservice zu entnehmen, dass sogar schon am 25. August die Türen schließen sollen. Aber sie schließen nicht zum letzten Mal. „Im September – genauen Termin haben wir noch nicht – öffnen wir als Höffner“, heißt es am Telefon.

Ein Namenswechsel von Kraft zu Höffner ist gar nicht so ungewöhnlich. Das 1994 errichtete Einrichtungshaus Möbel Kraft im brandenburgischen Vogelsdorf (an der S-Bahnlinie S5) wurde letztes Jahr zu einem Höffner umgebaut. Weitere Beispiele wie im sächsischen Taucha lassen sich aufzählen.

Inwieweit hinter dem Namenswechsel ein Angebots- oder Strategiewechsel steht, war nicht in Erfahrung zu bringen. Die Presseabteilung der Möbelhändler versteckt sich gut.

Zwei Möbelmarken – eine Unternehmung

Möbel Kraft und Höffner sind zwei Marken innerhalb eines Geflechts aus zahlreichen Unternehmen. Diese Unternehmen tragen oft den Namen Krieger. Das ist ein Verweis auf die Familie Krieger, zu denen der 77-jährige Kurt Krieger zählt, der bereits im alten Bezirk Wedding aktiv war. So kaufte er 1967 als junger Erwachsener und als BWL-Student die Namensrechte für Höffner. Für 25.000 DM soll er die Namensrechte Höffner gekauft haben. Schon drei Jahre später (1970) konnte er in der Pankstraße Richtfest feiern. 1988 erfolgte dann ein umfangreicher Umbau. Kurt Krieger erweiterte die Verkaufsfläche auf 40.000 Quadratmeter, baute ein 44 Meter hohes Hochregallager. „Möbelstadt“ taufte der Unternehmer den Standort.

2016 wechselte in der Pankstraße die Marke. Aus Höffner wurde Kraft. Möbel Kraft ist ein Unternehmen, das 1893 in Bad Segeberg gegründet worden war. Kurt Krieger hatte 2004 begonnen, Anteile an Kraft zu übernehmen und übernahm Kraft im Jahr 2021 zu einhundert Prozent. Der aktuelle Markenwechsel in der Pankstraße von Kraft zurück zu Höffner kann als eine Art Rückbesinnung auf die Wurzeln verstanden werden.

Weddinger Unternehmer Kurt Krieger

Die Unternehmerfamilie Krieger, die nicht nur die Möbelhäuser Kraft und Höffner lenkt, hat eine lange Ahnenkette. So gründete Wilhelm Krieger 1910 eine Tischlerei in der Huttenstraße in Moabit. Dessen Sohn, Wilhelm Krieger, setzte während des wirtschaftlichen Aufschwungs der 1950er Jahre auf ein Möbelhaus in der Genthiner Straße. Für ältere Menschen, die sich als Westberliner bezeichnen können, ist Möbel Krieger in der Genthiner Straße ein stehender Begriff.

Kurt Krieger reiht sich ein in die dritte Generation der Möbelfamilie. Zur Schule ging er im Wedding, legte 1967 sein Abitur am Ranke-Gymnasium in der Lütticher Straße ab. Kurz darauf riss Kurt Krieger in der Pankstraße die Reste der traditionsreichen Schokoladenfabrik Hildebrandt ab. Damit hatte er Platz, damit die Möbelfamilie ihr Geschäft vergrößern konnte.

Höffner war einst in der Veteranenstraße gestartet und betrieb vor dem Zweiten Weltkrieg eines der größten Möbelhäuser Berlins. Weil dieses in der sowjetischen Besatzungszone lag, endete die Geschäftstätigkeit.

Die Tochter von Kurt Krieger ist die 46-jährige Sonja Krieger. „Heute wird das Unternehmen von Sonja Krieger geführt“, heißt es klipp und klar auf einer Webseite des Familienunternehmens Krieger. Kurt Krieger erscheint nach wie vor häufig in der Presse, allerdings eher, wenn es um das zu bauende, 27 Hektar große Stadtviertel Pankower Tor geht. Er scheint im Alter von Möbel zu Immobilien gewechselt zu sein.

Möbelmarkt ist schwierig

Die Möbelindustrie hat im Jahr 2024 rund 16 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Allerdings bedeutet die Zahl im Vergleich zum Vorjahr ein Umsatzrückgang um fast acht Prozent. Das teilt das Statistische Bundesamt mit. Die meisten Verkäufe schafft – wie seit eh und je – IKEA. Auf Platz zwei in der Branche liegt XXXLutz. Krieger zählt also mit zwei Milliarden Euro Umsatz zu den großen Möbelhändlern in Deutschland, steht aber nicht auf dem Siegertreppchen. Die Überschrift einer großen Wirtschaftszeitung aus dem Jahr 2011 „Krieger-Gruppe will Ikea überflügeln“ wirkt heute nicht mehr realistisch. Und das, obwohl zur Unternehmensgruppe Krieger zahlreiche Marken wie Höffner, Kraft und Sconto gehören.

Kinotipp zu Höffner Pankstraße

Im Film „Wedding“ von 1989 gibt es mehrere sehenswerte Szenen im damaligen Höffner in der Pankstraße. Der Film läuft das nächste Mal am 28. August um 19.30 Uhr im City Kino Wedding, Müllerstraße 74. Mehr dazu, auch den Film-Trailer , steht auf der Webseite des City Kinos, wo der Film regelmäßig gezeigt wird.

Neueröffnung Möbel Höffner

Inzwischen steht der 4. September als Neueröffnungstermin von Höffner fest. Mehr dazu steht im Beitrag Möbel Höffner eröffnet wieder in der Pankstraße.

📍 Kiez:

Kommentare

  1. Avatar von Reinhard
    Reinhard

    Morjen mal wieder

    jut recherschierd Herr Schnell
    Dit Vermöjen vom ollen Krieger wird laut Forbes uff sage und schreibe 1.27 Milliarden jeschätzt… mein lieba Scholli, wat man so mit Holz verdien kann

    Kleener Hinweis meinerseits: ein ehemaliger Kollegen von mir hat in den 90er in der Berliner Rock-A-Billy Musikszene eine unscheinbaren Jungen mit Brille kennen gelernt, stellte sich heraus – nach einem heftigen Konzertabend auf dem Revier – das es der Sohnemann vom ollen Höffi war … also Höffi Krieger Kraft alles eine nette Möbelfamilie

    kühles WE

    1. Avatar von Andrei Schnell
      Andrei Schnell

      Kurt Krieger hat zwei Töchter und einen Sohn. Letzteren habe ich bei einer Online-Veranstaltung zum Pankower Tor gesehen. Vater geredet, Sohn hat genickt. Offenbar will er auch in Immobilien machen, während die Tochter mit Möbeln Geschäfte macht.
      Ich würde sagen: „mein lieba Scholli, wat man so mit „Holzwerkstoff furniert“ und „Holzwerkstoff beschichtet“ verdien kann“

  2. Avatar von cheerfullyvibrant3cef1fd21d
    cheerfullyvibrant3cef1fd21d

    Das Restaurant bleibt ?

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Es gibt keine Presseabteilung, wir können das niemanden fragen. Wir wissen es daher nicht und müssen abwarten. Irgendwann im September, wenn Neueröffnung ist, wissen wir es.

    2. Avatar von Peter
      Peter

      Selbstverständlich bleibt das Restaurant erhalten

  3. Avatar von Ingrid Breier
    Ingrid Breier

    Was passiert jetzt mit der Kraft-Kundenkarte und den Punkten? Habe für 219 Euro Punkte, sind die jetzt verfallen? Warum wurde der Wechsel nicht eher bekannt gegeben?

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Mit der Punktefrage würde ich mich mal den den telefonischen Kundenservice wenden. Die Nummer findet man auf der Seite von Höffner.

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen