Wer ist schuld am Müll auf den Straßen im Wedding? Über diese Frage ließe sich stundenlang diskutieren. Ist es die Berliner Stadtreinigung (BSR), die nicht ausreichend kehrt? Ist es die Politik, die keinen wirkungsvollen Rahmen vorgibt? Sind es die Menschen im Kiez, die Müll nicht richtig entsorgen? Oder das produzierende Gewerbe, das immer mehr Einwegverpackungen in Umlauf bringt? Je nach Perspektive wird schnell eine Gruppe zum Schuldigen erklärt.
Die Gesprächsrunde „Sauberer Sprengelkiez – ein Traum?“ am 28. März im Sprengelhaus stellte diese Frage bewusst nicht in den Mittelpunkt. Stattdessen ging es um konstruktive Ansätze und konkrete Lösungen für den Kiez.

Diskussion im Sprengelhaus: Wer sitzt auf dem Podium?
Auf dem Podium saßen Personen, die in vielen Stammtischgesprächen als diejenigen gelten, die das Müllproblem „einfach“ lösen müssten: Bezirksstadtrat Christopher Schriner, Julia Große vom Bezirksamt sowie Nadine Gerks und Marcus Baur von der BSR. Moderiert wurde der Abend von Elke Michauk von der AG Sauberer Sprengelkiez. Gleich zu Beginn setzte sie den Ton: „Wir wollen ohne Finger-Pointing diskutieren.“ Entsprechend verlief das Gespräch: als gemeinsames Nachdenken über Lösungen für den Sprengelkiez – oft sehr kleinteilig, aber stets praxisnah und kiezorientiert.
Müll ist ein Berliner Problem – aber Wedding besonders betroffen
Laut BSR ist das Müllproblem längst kein reines Wedding-Thema. Ganz Berlin sei betroffen, Neukölln und Wedding allerdings besonders stark. Auf dem Podium ging es daher um viele Aspekte, die im Alltag der Stadtreinigung und im Bezirk eine Rolle spielen: komplizierte Zuständigkeiten, ungeeignete Gitter-Mülleimer am Nordufer, Müll rund um Baustellen oder die Frage, ob ein anderer Reinigungstakt helfen könnte. Auch zusätzliche Abfalleimer am Bahnhof Wedding wurden diskutiert.
Neue Zuständigkeiten: BSR reinigt bald mehrere Plätze
Die Zuhörer:innen erfuhren außerdem, dass ein sogenannter „Zustandsstörer“ nicht unbedingt auch der Verursacher sein muss – und dass herumliegender Müll nicht nur die Nachbarschaft ärgert, sondern auch die Mitarbeitenden der Stadtreinigung und die Verantwortlichen im Bezirk. Eine konkrete Neuigkeit gab es ebenfalls: Sparrplatz, Sprengelpark und Pekinger Platz werden ab dem 1. Juni von der BSR gereinigt.


Ehrenamtliches Engagement als wichtiger Baustein
„Wir machen hier was, es gibt dabei schon gute Synergien“, sagte Moderatorin Elke Michauk. Die konstruktive Zusammenarbeit sei der Bürgerinitiative besonders wichtig. „Wir wollen nicht nur auf die BSR oder den Bezirk schimpfen, sie aber auch nicht aus der Verantwortung lassen“, betonte sie. Zum Engagement gehöre auch, selbst anzupacken und Probleme sichtbar zu machen.
Lob für die AG Sauberer Sprengelkiez kam von Marcus Baur, dem Leiter des Regionalzentrums Reinigung bei der BSR: „Was hier in den letzten zwei, drei Jahren passiert ist, ist mehr wert als eine höhere Reinigungsklasse.“ Er bezog sich auf die besonders aktive Cleanup-Gruppe, die derzeit an jedem zweiten Samstag im Sprengelkiez Müll sammelt und Verschmutzungen zeitnah an die BSR sowie über die Ordnungsamts-App meldet. Die Gruppe hatte auch die Veranstaltung organisiert.
Kommt die BSR dann weniger? Eine klare Antwort
Eine Frage stellte Michauk dabei direkt an die BSR: „Wenn wir hier viel sauber machen, kommen Sie dann weniger?“ Dass ehrenamtliche Aufräumaktionen zu einer Reduzierung der BSR-Reinigung führen könnten, verneinte Baur. Im Gegenteil sei es motivierend für die Mitarbeitenden, „zu sehen, dass sich hier Menschen für ihren Kiez interessieren“. Denn auch für die Stadtreinigung sei die Situation frustrierend. „Wenn wir den Müll wegräumen und er am nächsten Tag wieder da ist, dann fragen wir uns schon manchmal, warum wir das überhaupt tun“, sagte Baur.


231 Kilogramm Müll gesammelt
Die Diskussion brachte keine umfassende Antwort auf das Müllproblem – aber viele kleine Impulse und konkrete Ideen. Am Rande wurde sogar darüber gesprochen, ob der Sprengelkiez ein Zero-Waste-Modellgebiet werden könnte.
Ganz handfeste Ergebnisse konnte Elke Michauk ebenfalls verkünden: Noch vor der Diskussion hatten sich rund 80 Menschen an einem kiezweiten Cleanup beteiligt. Gemeinsam sammelten sie 231 Kilogramm Müll. An der Ecke Sprengelstraße und Samoastraße stapelte sich ein großer Berg orangefarbener Mülltüten – bereit zur Abholung durch die Stadtreinigung.
Nächste Cleanups: So kann man mitmachen
Wer den kiezweiten Aktionstag am 28. März verpasst hat, kann sich an den folgenden Cleanups der AG Sauberer Sprengelkiez beteiligen. Sie sind am 11. April, 25. April und 9. Mai jeweils von 11 bis 12.30 Uhr. Treffpunkt ist immer am Parklet in der Sprengelstraße 15. Weitere Sonderaktionen sind im April und Mai geplant. Mehr Informationen gibt es in der WhatsApp-Gruppe und auf der Linktree-Seite der Initiative.
Der Aktionstag wurde mit Mitteln aus der Stadtteilkassen Wedding-Zentrum finanziell unterstützt.
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Weitere Beiträge über Cleanup-Initivativen sowie Nachhaltigkeit sind auf der Seite Nachhaltigkeit im Wedding gesammelt. Aktuelle Cleanup-Termine im Wedding und in Gesundbrunnen stehen im Beitrag „Mit Magnetbesen und Müllzange: Wedding räumt auf“.

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