Die NachbarschaftsEtage in der Fabrik Osloer Straße e.V. ist aus dem Soldiner Kiez nicht wegzudenken. Seit drei Jahrzehnten steht sie für Gemeinwesenarbeit, Kultur und Familienbildung in der Osloer Straße 12. 2016 wird gefeiert – mit einem Blick zurück auf bewegte Jahre und engagierte Nachbarschaft.

Die NachbarschaftsEtage im Soldiner Kiez – Von der Initiative zur Institution
Gegründet wurde die NachbarschaftsEtage (NE) 1986 von Mitgliedern des Vereins Fabrik Osloer Straße e.V., der selbst bereits im März 1982 entstanden war. Was damals als engagierte Initiative begann, entwickelte sich schnell zu einer festen Größe im Kiez.
Seit vielen Jahren leitet Ruth Ditschkowski die NachbarschaftsEtage und engagiert sich zugleich im Vorstand des Vereins. Wenn sie über die Anfänge spricht, wird deutlich, wie sehr diese Zeit sie geprägt hat:
„Wir kommen aus der Gemeinwesenarbeit.“
„Wir kommen aus der Gemeinwesenarbeit“
Gemeinwesenarbeit – ein Begriff aus der Sozialarbeit – bedeutet, sozialräumlich und ressortübergreifend tätig zu sein. Es geht darum, Menschen zur Selbsthilfe zu befähigen und soziale Teilhabe zu ermöglichen. Genau hier liegen die Wurzeln der NachbarschaftsEtage.
In den 1980er Jahren bestand ein großer Teil der Arbeit darin, gemeinsam mit den Nachbarinnen und Nachbarn Kulturveranstaltungen zu organisieren. Die Fabrik wurde zu einem lebendigen Ort der Off-Szene.
„Norbert Kleemann hat durch die NachbarschaftsEtage eine Off-Szene in die Fabrik geholt. Es gab Kunst, Bettina Wegner sang hier, es gab eine Ausstellung über die RAF, 1988 war hier die AVE-Modemesse“, erinnert sich Ruth Ditschkowski. Noch heute klingt Stolz in ihrer Stimme, wenn sie von diesen Jahren erzählt.
Neuausrichtung nach 1990: Familien im Mittelpunkt
Mit den politischen und gesellschaftlichen Veränderungen nach 1990 wurde es zunehmend schwieriger, Kunst- und Kulturprojekte zu realisieren. Die NachbarschaftsEtage reagierte und verlagerte ihren Schwerpunkt auf die Familienbildung – „auch wenn wir die Kultur nie aufgegeben haben“, betont Ditschkowski.
Ein wichtiger Schritt war die Einrichtung eines Familienzentrums im April 2014. Seitdem wird die Etage als Familienzentrum von der Berliner Senatsverwaltung gefördert. Angebote für Familien, junge Eltern und Kinder prägen heute das Programm.
Unverändert wichtig blieb über all die Jahre die Arbeit mit Migrantinnen und Migranten – eine bewusste politische Entscheidung. „Alles was wir machten, war politisch“, sagt Ditschkowski rückblickend.

Politisches Engagement von Anfang an
Ihr Engagement begann bereits Anfang der 1980er Jahre beim Verein Putte e.V., der sich als politisches Projekt verstand. In den 1970er Jahren betrieb der Verein einen Kinderladen in der Putbusser Straße – ausdrücklich auch für Kinder von Migranten. Was heute selbstverständlich ist, war damals Ausdruck einer klaren Haltung.
1978 zog der Verein in einen Seitenflügel der ehemaligen Zündholzmaschinenfabrik in der Prinzenallee – und legte damit einen weiteren Grundstein für die heutige Arbeit im Quartier.
Ein offenes Haus für die Nachbarschaft
Heute nutzt die NachbarschaftsEtage Räume im ersten Obergeschoss sowie im Erdgeschoss des Hinterhofs der Fabrik. Das NachbarschaftsCafé ist ein Treffpunkt für Jung und Alt.
Neben regelmäßigen Kursen und Veranstaltungen stehen ein Veranstaltungssaal mit Café sowie drei Gruppenräume Stadtteilgruppen, Vereinen und Initiativen zur Verfügung. Vor allem aber ist die Etage ein Ort für Familien – mit stetig wachsendem Angebot.
30 Jahre Durchhaltekraft
Für Ruth Ditschkowski ist das Jubiläumsjahr 2016 ein besonderes Jahr. Drei Jahrzehnte NachbarschaftsEtage stehen für Engagement, Beharrlichkeit und für gelebte Solidarität im Soldiner Kiez.
Im September wird ein großes Jubiläumsfest gefeiert. Dann geht es nicht nur um einen Rückblick, sondern vor allem um die Zukunft eines Ortes, in dem seit 30 Jahren Nachbarschaft gestaltet wird.
Weitere Informationen zur Arbeit der NachbarschaftsEtage finden sich online unter: www.nachbarschaftsetage.de.

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