Neue Nightcaps leiten das Licht in der Nacht

Im Vergleich zu Tel-Aviv ist Berlin in der Nacht eine eher dunkle Stadt. Doch auch ihre neue Heimat hat für Tiere und Menschen nachts zu viel Licht und strahlt vor allem zu viel nach oben, erklärte Alona Rodeh beim Nightcaps-Spaziergang am 22. Juli. Denn auf die sogenannte Lichtverschmutzung will die Künstlerin aufmerksam machen. Deshalb hat sie nun sechs neue Lampenhüte im Brunnenviertel vorgestellt.

Beim Nightcaps-Spaziergang am 22. Juli. Foto: Hensel
Beim Nightcaps-Spaziergang am 22. Juli. Foto: Hensel

Bereits im vergangenen Jahr hatte Alona Rodeh mit Unterstützung der degewo die ersten Nightcaps auf Kugellaternen des Wohnungsunternehmens angebracht (Nightcaps: Laternen mit Hut gegen Lichtverschmutzung). Die Hüte, jeder individuell gestaltet und per 3D-Druck aus recyceltem Plastik entstanden, schirmen das Licht vom Nachthimmel ab. Nach unten, wo das Licht in der Nacht gebraucht wird, kann die Lampe weiterhin ungehindert strahlen. Für Anwohnerinnen und Anwohner hat die Kunstaktion ein zusätzliches Plus: Die Laternen leuchten nun nicht mehr in die Wohnungen.

„Mit den Nightcaps möchte ich sichtbar machen, dass auch kleine Eingriffe in den öffentlichen Raum eine große Wirkung für unsere Umwelt entfalten können – und gleichzeitig Spaß und Kreativität fördern“, erklärt Alona Rodeh. Ein Ziel hat sie bei dieser zweiten Edition der Lampenhüte (oder Lichtkappen) bereits erreicht. Sie hat die Aufmerksamkeit auf den Schutz des Nachtökosystems gelenkt. Fast 50 Menschen sind zu dem Nightcaps-Spaziergang am 22. Juli gekommen, unter ihnen waren auch auf dem Gebiet engagierte Menschen. So meldete sich eine Vertreterin des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) zu Wort, als die Gruppe an der Laterne stoppte, die nun eine Fledermaus auf dem Kopf hat. In diesem Hof in der Nähe der Kirche in der Ruppiner Straße, so erklärte sie, leben Fledermäuse. Die Tiere sind auf die Dunkelheit angewiesen, der Standort der Installation mit Fledermaus sei daher gut gewählt.

In Anwohner-Workshops entstanden

Die sechs neuen Nightcaps-Modelle haben eine etwas andere Entstehungsgeschichte als die ersten zehn Nightcaps. Die Entwürfe sind bei mehreren Workshops im Olof-Palme-Stadtteilzentrum entstanden. Kinder und Erwachsene haben sich die Form der Hüte ausgedacht. Die Workshops wurden vom Quartiersmanagement Brunnenstraße mit Mitteln aus dem Programm „Sozialer Zusammenhalt“ finanziert. Und noch weitere Partnerinnen und Partner für die Verdunklung der Nacht wurden gefunden. Der NABU und das Labyrinth Kindermuseum haben sich ebenfalls mit der Lichtverschmutzung beschäftigt und haben von der umweltpädagogischen Seite unterstützt.

Katrin Baba-Kleinhans (v.l.) und Tanja Boettcher von degewo mit der Künstlerin Alona Rodeh. Foto: Hensel
Katrin Baba-Kleinhans (v.l.) und Tanja Boettcher von degewo mit der Künstlerin Alona Rodeh. Foto: Hensel

Die Teilnehmenden des Nightcaps-Spaziergangs wurden von Alona Rodeh von Lampenhut zu Lampenhut geführt. Dass die Künstlerin als Wegweiserin fungierte, war sehr sinnvoll. Die Nightcaps befinden sich nämlich vor allem in Innenhöfen. Wer nicht dabei war, kann sich an den Service der „Paten der Nacht“ (www.paten-der-nacht.de) halten. Die gemeinnützige Organisation versucht, die Nacht ebenfalls dunkler zu machen. So setzte sie sich für ein Abschalten von Werbelichtern nach 22 Uhr oder für Gärten ohne Beleuchtung ein. Die Organisation hat eine OpenStreetMap-Karte mit den Nightcaps erstellt, mit der jeder auch allein auf Entdeckungstour im Brunnenviertel gehen kann.

Eine der neuen Nightcaps im Brunnenviertel. Foto: Hensel
Eine der neuen Nightcaps im Brunnenviertel. Foto: Hensel

Gut zu wissen: Earth Night

Die „Paten der Nacht“ rufen seit 2020 an einem Freitag im September zur „Earth Night“ auf. Die Idee: Ab Einbruch der Dunkelheit wird alles Kunstlicht für die ganze Nacht ausgeschaltet oder reduziert. Die nächste „Earth Night“ ist am 19. September. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Webseite www.earth-night.info.

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