Nightcaps: Laternen mit Hut gegen Lichtverschmutzung

„Ich möchte die Welt zu einem dunkleren Ort machen“, sagt die Künstlerin Alona Rodeh beim Nachtrundgang im Brunnenviertel. Was im ersten Moment vielleicht eigenartig klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Alona Rodeh nutzt in ihrem neuesten Projekt „Nightcaps“ die Mittel der Kunst, um etwas gegen Lichtverschmutzung zu tun. Ihre Lösung ist so charmant wie einfach: sie hat den Straßenlaternen Hüte aufgesetzt.

aktualisiert am 18.07.2025

Die Künstlerin Alona Rodeh steht neben einer vor ihr umgestylten Straßenlaterne. Foto: Hensel
Die Künstlerin Alona Rodeh neben einer vor ihr umgestalteten Straßenlaterne. Foto: Hensel

Eine Teilnehmerin des Rundgangs, die nicht namentlich genannt werden möchte, fragte gleich zu Anfang der Veranstaltung verwundert nach: „Wie machen die Laternen die Gegend denn schmutzig?“ Ein guter Einstieg war das, denn so konnte die Künstlerin erklären, worum es ihr geht. Als Lichtverschmutzung wird die künstliche Aufhellung des Nachthimmels bezeichnet, was nicht nur für Sternenbeobachtung hinderlich ist, sondern auch Tiere, Pflanzen und sogar den Biorhythmus des Menschen stören kann. Auch Straßenlaternen tragen dazu bei, dass die Nacht oberhalb der Wege heller ist, als sie es sein sollte.

Zusammen mit dem degewo Quartiersmanagement, federführend ist in diesem Fall Quartiersmanagerin Tanja Boettcher, hat Alona Rodeh zehn Straßenlaternen ins Visier genommen, die dem Wohnungsunternehmen gehören. Es sind solche, in denen die Leuchtmittel in einer Kugel stecken und in alle Richtungen strahlen – auch nach oben. Für diese Lampen hat sie mittels 3D-Druck aus recyceltem Plastik Mützen gestaltet.

Hüten passend zum Umfeld

Jede Lampe hat dabei eine individuelle und einzigartige Kopfbedeckung bekommen, passend zum jeweiligen Umfeld. Eine Lampe an einem Sportplatz hat ein Basecap erhalten, eine andere ein Käppi mit einem Propeller obendrauf. Diese Lampe steht am Eingang einer Kita. Alle Lampen haben einen eigenen Namen: Voyager, Kräuterfrau, Boom Boom heißen sie unter anderem. Und sie tragen einen QR-Code, der zu einer Webseite mit mehr Informationen zu dem Projekt und zu den Standorten der Lampen mit Hut führt (mehr Infos zu Nightcaps/externe Seite).

Wer die Künstlerin hinter den Nightcaps ist

Alona Rodeh, geboren 1979, ist eine israelische bildende Künstlerin und Szenografin. Seit acht Jahren arbeitet sie in einem Atelier im Brunnenviertel. Bei ihrer Arbeit ist Lichtverschmutzung immer wieder Thema. Unter anderem setzt sie sich für die Dark Sky International ein, eine Nichtregierungsorganisation, die die Wiederherstellung der Dunkelheit und die Verringerung der Lichtverschmutzung propagiert. Auf die Idee, die Nightcaps ins Brunnenviertel zu bringen, kam sie nach dem sie vor einem Jahr in dieses Viertel gezogen ist. Zunächst wollte Alona Rodeh den Bezirk Mitte für ihre Idee gewinnen. „Es gab dort jedoch kein Interesse“, erzählte die Künstlerin. Das mag auch daran liegen, dass viele Straßenlaternen des Bezirks bereits gegen Modelle ausgetauscht worden sind, die nicht mehr gen Himmel strahlen.

Beim Rundgang konnten sich Interessierte alle Straßenlaternen ansehen, die einen Hut bekommen haben. Foto: Hensel
Beim Rundgang konnten sich Interessierte alle umgestalteten Straßenlaternen ansehen. Foto: Hensel

In dem Wohnungsunternehmen degewo hat die Künstlerin dann einen guten Partner gefunden. Die Lampen in den Höfen und an Straßen, die auf degewo-Gelände stehen, sind weitgehend Kugellampen, die in alle Richtungen leuchten. „Dies ist ein Modellprojekt und ich hoffe, dass wir im kommenden Jahr noch weiteren Lampen umgestalten können. Auch Workshops mit Kindern sind geplant“, erzählte Alona Rodeh den Teilnehmenden des Nachtrundgangs. Bei der Konzeption neuer Lampen mit Hut wolle sie gern auch noch stärker die Menschen einbeziehen, die rund um die Standorte der Lampen wohnen.

Nightwalks – Nachführungen im Brunnenviertel

Mit der Installation der Hüte und der Präsentation beim Nachtspaziergang am Donnerstag (17.10.) ist das Projekt nicht abgeschlossen. Alona Rodeh plant weitere nächtlichen Führungen, bei denen die Prototypen vorgestellt werden. Die Touren sollen sich mit der Geschichte und Wahrnehmung von Licht und Dunkelheit beschäftigen. Die Führungen werden in deutscher und englischer Sprache durchgeführt, die genauen Termine werden aber an dieser Stelle ergänzt und in den wöchentlichen Veranstaltungstipps (Unterwegs im Wedding) veröffentlicht.

Aktuelle Night Walks

Die Künstlerin Alona Rodeh stellt am Dienstag, dem 22. Juli 2025, die zweite Edition ihrer Nightcaps vor. Nightcaps sind Lampenhüte, die auf künstlerische Weise gegen Lichtverschmutzung wirken. Um 18 Uhr werden am Lerncafé der Kita Omas Garten in der Swinemünder Straße 27 sechs weitere Installationen vorgestellt. Entstanden sind sie in mehreren Workshops, bei denen Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus dem Brunnenviertel mit der Künstlerin Lampenhüte entworfen haben. Nach der Vorstellung der neuen Nightcaps führt Alona Rodeh zu den Kunstwerken im Viertel.

📍 Kiez: ,

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen