Berliner Krähen: Versteckte Kunst an der Mauer

Vermutlich steigt nicht jeder die Treppe in der Mauer-Gedenkstätte hinauf und schaut durch das bodentiefe Fenster im ersten Stock. Für viele sind die von dort sichtbaren grau-schwarzen Vögel daher ein verstecktes Kunstwerk. Autor Andrei Schnell ging nachsehen und forschte nach, was es mit den Krähenskulpturen auf sich hat.

Bei der Eröffnung der Ausstellung im September 2017. Foto: Schnell
Bei der Eröffnung der Ausstellung im September 2017. Foto: Schnell

Die „Berliner Krähen“ an der Mauer entstanden im Jahr 2017. Zusammen mit der Nachbarschaft schufen die Künstlerinnen Maria und Natalia Petschatnikov die Vögel im Maßstab eins zu eins. Fast 1000 Krähen sind seinerzeit Jahren entstanden. Damals gab es mehrere Termine, an denen Schüler der Gustav-Falke-Schule und Senioren bastelten und malten. Am 6. September 2017 war dann die Vernissage auf dem Roggenfeld an der Bernauer Straße. Drei Wochen lang standen hunderte Kunstkrähen auf dem Feld der Versöhnungsgemeinde.

Inspiration zwischen Teilung und Freiheit

Für die Künstlerinnen symbolisieren die Krähen Teilung und Freiheit zugleich: Es gibt es zwei Arten von Krähen, die zufällig der politischen Trennung der Menschen folgend, jeweils westlich und östlich der Elbe leben. Die Saatkrähe ist im Westen Deutschlands stärker verbreitet. Die Nebelkrähe dagegen kommt fast ausschließlich in Ostdeutschland vor. Trotz dieser geografischen Trennung leben die Krähen jedoch in Freiheit. Sie konnten die Berliner Mauer überfliegen. Die räumliche Lücke zwischen den politischen Systemen – die für die Menschen zum Todesstreifen wurde – war für die Krähen ein gemeinschaftlicher Sammelplatz.

Die Krähen ganz aus der Nähe, fotografiert aus dem Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer Richtung Gartenstraße. Foto: Schnell
Die Krähen ganz aus der Nähe, fotografiert aus dem Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer Richtung Gartenstraße. Foto: Schnell

Ein neues Zuhause für das Krähen-Kunstwerk

Über den Verbleib des Großteils der Berliner Krähen berichten die Petschatnikovs, dass viele Menschen die von ihnen bemalten Exemplare nach der Kunstaktion abholten. „Zahlreiche der von uns gestalteten Krähen wurden verkauft, auch bei verschiedener Wohltätigkeitsaktionen.“ Einige Krähen stehen heute im Atelier der Künstlerinnen.

Interessant ist auch die künstlerische Wiederverwertung der Krähen. Im Jahr 2021 zeigten die beiden Schwestern die Ausstellung „White Crow“. Dafür malten sie einige der schwarz-grauen Krähen weiß an. Die Idee dahinter: Die weiße Krähe symbolisiert wie das schwarze Schaf ein abweichendes Individuum. Die verbliebenen Exemplare bleiben grau-schwarz und warten bei der Gedenkstätte versteckt auf Kunstentdecker – werfen Sie einfach einen Blick aus dem Fenster!

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Dieser Beitrag ist auch im Kiezmagazin „Schaufenster in den Kiez“ enthalten, das im September 2024 erschienen ist. Weitere Texte aus dieser Ausgabe sind im Artikel „Neues Kiezmagazin: Ein Schaufenster in den Kiez“ gesammelt und verlinkt.

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Kommentar

  1. Avatar von eimaeckel

    Schön, dass du genau hingeschaut hast.

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