„One OPZ“: Ein OPZ für alle

Das Olof-Palme-Zentrum (OPZ) versucht seit sieben Jahren, den Anforderungen von Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen gerecht zu werden. Das gelang oft nicht. Jetzt wagt das Team mit „ONE OPZ“ einen Neustart. Was sie sich persönlich davon erhofft, erklärt Mitarbeiterin Sulamith Sallmann.

Das Olof-Palme-Zentrum hat in seiner Geschichte schon so manche Metamorphose durchlaufen. Zunächst, von 1988 an, war das Jugendzentrum in der Brunnenstraße über dem Kaiser’s-Supermarkt und später dann in der Demminer Straße in einem alten Verwaltungsgebäude untergebracht. Erst seit 2003 trägt die Einrichtung den Namen des schwedischen Sozialdemokraten Olof Palme. Beide Gebäude existieren heute nicht mehr. Mit der Fertigstellung des Neubaus im Herbst 2015 wurde klar, dass das Haus nicht nur eine reine Kinder- und Jugendeinrichtung sein würde. Es sollte ebenfalls Platz für einen Nachbarschaftstreff bieten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versuchten nun, eine Idee zu entwickeln, die den beiden Bereichen in Hinblick auf die Raumnutzung und Öffnungszeiten gerecht werden sollte.

Beschäftigt man sich eingehender damit, wird einem schnell klar, dass der Vormittag am unproblematischsten ist. Zu dieser Zeit ist im Normalfall Schule. Aber natürlich gibt es auch Menschen im Brunnenviertel, die das OPZ gerne nach ihrer Arbeit für Freizeitaktivitäten nutzen möchten – Erwachsene wie Jugendliche. Doch ist es gerade für junge Menschen besonders wichtig, einen Ort für sich zu haben, in dem die Eltern und andere Erwachsene keinen direkten Zugriff auf sie haben. Einen Ort außerhalb der Schule, ihrer Ausbildungsstätte oder ihrem oft sehr beengtem Zuhause. Einen Ort, an dem sie sich mit Gleichaltrigen treffen können. In der Bibliothek darf man nicht laut reden, im Einkaufscenter wird man zum Konsumieren animiert und in den Cafés besteht eine Verzehrpflicht…

Sie können sich also vorstellen, liebe Leserinnen und liebe Leser, welche Verwirrung die stark abgetrennten Öffnungszeiten bei den Nutzerinnen und Nutzern jeglichen Alters hervorriefen. Auch die sterile Funktionalität des Hauses ist dieser Mehrfachnutzung zuzuschreiben. Von Gemütlichkeit bisher kaum eine Spur. Weder die Jugendlichen noch die Erwachsenen konnten eine Beziehung zum Haus aufbauen. Das Ergebnis war Vandalismus, Angst bei den Anwohnenden und das Wegbleiben der Menschen (mehr über Jugendgewalt im Kiez im Artikel Haben die nichts Besseres zu tun?). Auch wenn das nicht die alleinigen Gründe waren, trieb das OPZ wie ein verlassenes Floß im Ozean umher.

So stellte sich das OPZ-Team Anfang des Jahres die Frage, ob das Modellprojekt nach sieben Jahren gescheitert war. Oder könnte ein Perspektivwechsel zur Wiederbelebung der Einrichtung führen? Könnte er vor allem zu mehr Zufriedenheit bei allen führen, die mit dem Haus zu tun haben. Da wir ja den großen Bedarf an öffentlichen Räumlichkeiten im Kiez jeden Tag erleben, haben wir uns also Zeit freigeschaufelt, um uns darauf zu konzentrieren, wie wir die Struktur des Hauses umgestalten können. Und da diese Operation quasi am offenen Herzen vollzogen wird, stellt uns das vor einige Herausforderungen.

Die wesentlichste Änderung ist das Konzept von EINEM Haus. Natürlich unter Berücksichtigung der spezifischen Anforderungen im Kinder- und Jugendbereich und des Nachbarschaftsbereichs. Aus diesem Grund haben wir zum Beispiel von Dienstag bis Samstag ein paar Stunden exklusiver Kinder- und Jugendzeit gelassen. Und es gibt nun den Mittwoch als Mädchen- und Frauentag. Generell haben wir die Öffnungszeiten für beide Zielgruppen erweitert. Das hat zur Folge hat, dass es mehr zeitliche Überschneidungen in der Nutzung gibt. Es finden nun mehr Begegnungen der unterschiedlichsten Personengruppen im Haus statt, was der Idee eines Mehrgenerationenhauses nahe kommt.

Leuchtschild am Nachbarschaftskühlschrank. In dem sogenannten Fairtailer können Lebensmittel getauscht werden. Foto: Hensel
Leuchtschild am Nachbarschaftskühlschrank. In dem sogenannten Fairtailer können Lebensmittel getauscht werden. Foto: Hensel

Zwei Monate sind nun ins Land gezogen, seitdem die ersten Änderungen unter dem Motto „One OPZ“ umgesetzt werden. Die Kolleginnen und Kollegen haben bereits mehr Einblicke in die Bereiche der jeweils anderen erhalten und können ein besseres Verständnis für deren Arbeit entwickeln. Die Gäste des Hauses bekommen die Chance, mehr Vertrauen in die dort arbeitenden Menschen zu entwickeln und das OPZ gemeinsam mit ihnen zu ihrem Kieztreff zu machen und sich dort wohl zu fühlen.

Auch wenn einiges noch holprig und in der Zeit der Umstrukturierung mit einem enormen Kraftakt für die Mitarbeitenden verbunden ist, da so viele Dinge unter einen Hut gebracht werden müssen, sehen wir schon jetzt, wie das Haus an Lebendigkeit und Austausch gewinnt. Dazu trägt glücklicherweise auch die Behebung des extremen Personalmangels bei, ebenso wie die Neubesetzung der Leitungsstelle des Kinder- und Jugendbereiches im OPZ und das Ende der Pandemie.

Weiterlesen

Der Text ist im gedruckten Kiezmagazin enthalten, das im März 2022 erschienen ist. Weitere Beiträge dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Die Frühlingsausgabe ist da!“ gesammelt und verlinkt.

📍 Kiez: ,

Kommentar verfassen

Entdecke mehr von Brunnenmagazin

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen