150 Jahre Paul-Gerhardt-Stift: Soziales Zentrum im Wedding

An wenigen Orten ist Weddinger Geschichte heute noch so lebendig und sichtbar wie hinter den Backsteinmauern des Paul-Gerhardt-Stifts. Das Areal zwischen Müllerstraße, Barfußstraße und Edinburger Straße ist bis heute ein Zentrum des sozialen Lebens im Norden Berlins. Vor 150 Jahren wurde das Paul-Gerhardt-Stift gegründet – zunächst in Kreuzberg. 1887 wurde das Grundstück in der Müllerstraße 56 gekauft, der Bau des Mutterhauses mit Kapelle und Krankenhaus begann – ein Ort der sozialen Arbeit und der Seelsorge entstand. Ein Blick auf die Geschichte, Gegenwart und das Jubiläumsjahr.

Paul-Gerhardt-Stift in den 1930er Jahren, Ansicht von der Müllerstraße. Foto: gemeinfrei/Wikipedia
Paul-Gerhardt-Stift in den 1930er Jahren, Ansicht von der Müllerstraße. Foto: gemeinfrei/Wikipedia

Vom Kreuzberg in den Wedding

Die Geschichte des Paul-Gerhardt-Stifts ist lang und wechselvoll. Begonnen hat sie am anderen Ende der Stadt, in Kreuzberg. Dort wurde 1876 die Stiftung „Paul Gerhardt Stift zu Berlin“ gegründet. Ihren Namen erhielt sie vom Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt – 200 Jahre nach dessen Beisetzung. Danach wechselte das Stift recht schnell in den Wedding. 1887 wurde das Grundstück an der Müllerstraße gekauft, der heutige Standort des Stifts.

Der Aufbau im Wedding begann mit dem Mutterhaus, einer Kapelle, einem Krankenhaus und einer Poliklinik für Kinder. Auch eine Krankenpflegeschule wurde gegründet. Während das Stift immer weiter ausgebaut wurde, hinterließen auch die großen Ereignisse der Zeit ihre Spuren. So wurden im Ersten Weltkrieg Teile des Stifts zum Kriegslazarett, im Zweiten Weltkrieg waren eine Reihe von Kriegsschäden zu beklagen. 1989 eröffnete ein Geflüchtetenheim, 2001 eröffnete das Wohn-Stift mit dem Service-Wohnen. 2012/13 wurde das Zukunftshaus Wedding gegründet – das heutige Stadtteil- und Familienzentrum. Auch eine Kita kam hinzu (2014).

Ein Gelände mit vielen sozialen Einrichtungen

Heute ist das Paul-Gerhardt-Stift ein lebendiger Ort der sozialen Arbeit im Wedding. Ein Blick auf den Lageplan am Gebäude zeigt, wie viele Einrichtungen heute auf dem weitläufigen Gelände untergebracht sind. Es gibt das Zukunftshaus Wedding, die Kita, eine Kirche, eine Pflegewohneinrichtung. Einen großen Teil des Geländes nehmen außerdem die medizinischen Einrichtungen ein. Von Allgemein- oder Augenarzt über Nuklearmediziner bis zum Zahnarzt finden sich hier viele Fachrichtungen an einem Ort. Für viele Menschen im Wedding ist das Gelände an der Müllerstraße seit Generationen ein Ort der Hilfe, Beratung und Begegnung.

Jubiläumsjahr mit Neubau und Fest

Im Jubiläumsjahr hat das Paul-Gerhardt-Stift bereits einen neuen Grundstein für die Zukunft gelegt. Am 14. Januar war der feierliche Akt für einen Neubau an der Barfusstraße. Hier entstehen 100 Sozialwohnungen, eine Kantine und weitere medizinische Einrichtungen wie eine Tagesklinik. Mehr dazu steht im Beitrag „Paul-Gerhardt-Stift baut 100 Sozialwohnungen“.

Doch die Grundsteinlegung ist nicht die einzige Besonderheit im Jubiläumsjahr des Stifts. In Kürze erscheint ein Geschichtsband von Helmut Bräutigam. Das Buch dokumentiert die Entwicklungen der letzten 150 Jahre und gibt Einblicke in prägende Ereignisse, gesellschaftliche Veränderungen und Alltagsleben. Auch ein großes Jubiläumsfest wird es geben. Es findet am 7. Juni statt und beginnt um 12 Uhr.

Die fünf Briefmarken-Motive zum 150. Jubiläum des Paul-Gerhardt-Stifts. Foto: Hensel
Die fünf Briefmarken-Motive zum 150. Jubiläum des Paul-Gerhardt-Stifts. Foto: Hensel

Fünf Briefmarken zum 150. Geburtstag

Ein hübsches Detail ist ein Geburtstagsgeschenk, das sich das Paul-Gerhardt-Stift selbst gemacht hat. Zum 150-jährigen Jubiläum sind fünf Briefmarken erschienen, die die Geschichte der Einrichtung aufgreifen. Sie sollen das Stift und alle, die von der Einrichtung einen Brief bekommen, an das besondere Jubiläum erinnern. Auf den Briefmarken ist eine historische Ansicht des Stifts, der Namensgeber Paul Gerhardt, eine aktuelle Ansicht, eine Kinderzeichnung aus dem Refugium sowie ein Motiv mit der Aufschrift „150 Jahre Paul Gerhardt Stift zu Berlin“ zu sehen. Eine kleine Stückzahl der Jubiläumsmarken steht übrigens auch zum Verkauf zur Verfügung. Wer Interesse daran hat, kann sich telefonisch unter (030) 45 05 52 29 an Elisabeth Liebing wenden oder ihr eine E-Mail schreiben (Elisabeth.Liebing@paulgerhardtstift.de).

Weitere Informationen über das 150. Jubiläum des Paul-Gerhardt-Stifts stehen auf der eigens eingerichteten Webseite zum Jubiläum.

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Kommentare

  1. Avatar von Rolf

    Ein Phänomen im Gerhard-Stift ist das Café. Ich bin manchmal dort im Ärztehaus und egal wann ich komme: Das Café hat immer zu. Nur einmal war Betrieb: Da waren Frau Giffey noch als Familienministerin und Herr Heil als Arbeitsminister zu Gast bei dem Jugendprojekt, das als Betreiber des Cafés firmiert.

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Lieber Rolf, das ist mir genau so auch schon aufgefallen. Vielleicht hake ich da demnächst mal nach. PS: Du scheinst Dich ja in anderen Cafés auch sehr wohl zu fühlen. Ich sah auf Deine Blog ein Foto von meinem erweiterten Wohnzimmer, dem Freysinn. :) Vielleicht treffen wir uns ja dort mal demnächst.

  2. Avatar von Rolf

    Gerne, Freitagnachmittag bin ich wieder dort in der Gegend. Da können wir auch einen Abstecher zur Nixdorf-Fabrik machen. Dort habe ich den ersten Bagger und Container gesichtet.

    1. Avatar von Dominique Hensel

      Lieber Rolf, ich bin noch nicht ganz sicher, wie der Freitagnachmittag bei mir aussehen wird – aber grundsätzlich gern. Melde Dich doch gern kurzfristig noch Mal. Was Nixdorf angeht: Ich würde sagen, dass ist noch kein Abbruch. Aktuell fährt da ein Spielzeugbagger rum. Sieht nicht nach Abbruch aus, eher nach Blumenbeet umgraben. Aber guck es Dir selbst an.

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