Quartiersrat: Neue Impulse für den Kiez

Soziales, Sport, Politik, Kultur: Möglichkeiten für Engagement gibt es viele. Jasmin Hungerland hat ihr Ehrenamt direkt im Kiez gefunden. Sie ist seit vier Jahren im Quartiersrat und gestaltet so ihre Nachbarschaft mit. Hier berichtet sie von ihrer Arbeit im Quartiersrat im Brunnenviertel.

Alle zusammen für den Kiez: Visitenkarten der Quartiersratsmitglieder im Brunnenviertel.
Alle zusammen für den Kiez: Visitenkarten der Quartiersratsmitglieder im Brunnenviertel. Foto: Hensel

Quartiersrat? Bitte was? Zugegebenermaßen hat mich der Name abgeschreckt, als ich ihn das erste Mal gehört habe. Hinter diesem sperrigen Namen steckt jedoch etwas Gutes. Denn es geht um mich und um meinen Kiez.

Der Quartiersrat ist eine Bürgerjury des Quartiersmanagements Brunnenstraße. Das Quartiersmanagement kümmert sich um Probleme im Stadtteil und bekommt dafür Geld von der Europäischen Union, der Bundesregierung und der Landesregierung. Das Geld wird zum Beispiel für Bildung, Spielplätze oder Nachbarschafts-Projekte ausgegeben. Wer das Geld bekommt, darüber entscheidet der Quartiersrat mit.

Insgesamt sind wir etwa 20 Menschen, die von der Nachbarschaft alle zwei Jahre gewählt werden. Unter uns sind solche, die hier wohnen, und solche, die hier arbeiten. Gemeinsam mit dem Quartiersmanagement tauschen wir uns einmal im Monat für ein paar Stunden aus und entscheiden über Projekte, die das Quartier – in unserem Fall liegt es zwischen Mauerpark und Brunnenstraße, Bernauer Straße und Gesundbrunnen – braucht. Dabei geht es um konkrete Vorhaben, die schon lange bestehen, aber auch um abstrakte Ideen, die wir uns im Kiez wünschen.

Demnächst steht auch im Quartier eine Wahl bevor: Der Quartiersrat und die Aktionsfondsjury werden neu besetzt.
Im September steht auch im Quartier eine Wahl bevor: Der Quartiersrat und die Aktionsfondsjury werden neu besetzt. Foto: D. Hensel

Ich lebe seit 2017 hier im Viertel und bin seit 2018 im Quartiersrat. Ehrenamtliches Engagement war für mich von Kindesbeinen an ein wichtiges Thema. Was genau meine Motivation dahinter ist, weiß ich gar nicht. Ich weiß jedoch, dass es guttut. Mit diesem Gefühl bin ich dann auch 2018 zur Bürger:innensprechstunde von Maja Lasic gegangen, die als Abgeordnete des Berliner Abgeordnetenhauses hier ihren Wahlkreis hat. Ich wollte meinen Kiez kennenlernen. Sie gab mir den Tipp, mal an einer Quartiersratssitzung teilzunehmen. Und so geschah es: Nachdem ich einige Male nur als stille Zuschauerin dabei war, stellte ich mich im Herbst 2018 selbst zur Wahl und bin seitdem Mitglied.

Schnell war ich beeindruckt, mit wie viel Leidenschaft einige Mitglieder sich einbringen. Ich war aber auch überfordert von all den Begrifflichkeiten und Prozessen, die auf mich bürokratisch und kompliziert wirkten. Lange war ich mir deshalb unsicher, ob der Quartiersrat der richtige Ort für mich ist. Es brauchte seine Zeit, bis ich das Gefühl hatte, aktiv werden zu können. War ich auch keine von denen, die für ganz bestimmte Themen einstand oder gut vernetzt war. Ich war noch relativ frisch im Kiez und wusste eben nicht, was was und wer wer ist. Dennoch habe ich mich gut aufgenommen gefühlt und durch Fragen dazugelernt. Mittlerweile gibt es in den Sitzungen auch noch mehr Raum dafür und großes Interesse daran, alle abzuholen und mitzunehmen.

Ich möchte, dass unser Kiez lebenswert bleibt – beziehungsweise wird. Und genau das ist auch das Ziel des Quartiersrates und des Quartiersmanagements. Es geht darum, die Lebensverhältnisse direkt vor unserer Haustür zu verbessern. Wenn ich auf die vergangenen Jahre zurückblicke, stelle ich vor allem eins fest: Ich habe das Brunnenviertel wirklich gut kennen- und schätzen gelernt. Orte, die mir vorher im Trubel der Großstadt gar nicht aufgefallen sind, stehen plötzlich für etwas: für Menschen, für Leidenschaft und für Miteinander.

Für mich ist es wichtig, diese wertvolle Arbeit am Leben zu erhalten. Dafür braucht es aus meiner Sicht an einigen Stellen frischen Wind und vor allem eins: mehr Vielfalt. Auch wenn wir als Quartiersratsmitglieder unterschiedliche Interessen, Blickwinkel und Standpunkte haben, so repräsentieren wir nicht wirklich unser Viertel. Ich wünsche mir deshalb, dass bei der diesjährigen Wahl neue Impulse in den Quartiersrat getragen werden und die Menschen hier im Kiez sehen, dass sie sich beteiligen können. Sei es durch die Wahl oder die eigene Kandidatur.

Text: Jasmin Hungerland, Fotos: Dominique Hensel

Die Kiezwahl

Die Wahlen des Quartiersrats und der Aktionsfondsjury finden vom 13. bis 18. September an verschiedenen Orten im Kiez statt. Hier kann gewählt werden:

Im Büro des Quartiersmanagements / Stadtteilladen: Swinemünder Straße 64

  • Montag 13.09. von 10 bis 17 Uhr
  • Dienstag 14.09. von 10 bis 17 Uhr
  • Mittwoch 15.09. von 8 bis 17 Uhr
  • Donnerstag 16.09. von 10 bis 17 Uhr
  • Freitag  17.09. von 10 bis 17 Uhr

Im Freizeiteck des Brunnenviertel e.V.: Graunstraße 28

  • Dienstag 14.09. von 16 bis 18 Uhr
  • Mittwoch 15.09. von 15 bis 19 Uhr
  • Donnerstag 16.09. von 16 bis 18 Uhr

Auf dem Straßenfest auf dem Vineta-Platz

  • Samstag, 18.09. von 13 bis 16 Uhr

Online

Zusätzlich zur persönlichen Wahl bietet das Quartiersmanagement die Möglichkeit, einfach und ohne direkten Kontakt die Stimme digital abzugeben. Dafür muss eine Verifizierung stattfinden beziehungsweise ein Termin gebucht werden: Zur Kiezwahl/Terminvergabe via Cituro Online-Wahlzeitraum: 13. September, 10 Uhr bis 18. September, 16 Uhr.
Den Leitfaden für die Online-Wahl kann hier eingesehen werden: Leitfaden

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Mehr zu den Wahlen beim Quartiersmanagement steht auf der Webseite des QM Brunnenstraße.

Der Text ist auch im gedruckten Kiezmagazin „Mit der Kamera durch den Kiez“ enthalten, das im September 2021 erschienen ist. Weitere Beiträge aus dieser Ausgabe sind im Beitrag „Neues Kiezmagazin: Mit der Kamera durch den Kiez“ gesammelt und verlinkt.

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