Schneeschiebe-Unlust: Ein Winterdrama im Wedding

Wenn ich den Wetterbericht anschaue, bekomme ich schon wieder schlechte Laune. Heute soll es schneien, es soll sogar viel Schnee geben. Und morgen sollen noch mehr weiße Flocken vom Himmel fallen. Ich bitte, es nicht falsch zu verstehen: Ich mag Schnee. Ich mag das Knirschen untern den Füßen, die schwebenden Kristalle in der Luft, ich liebe die Schneemänner, Schneefrauen und Schneekinder, der plötzlich überall am Wegesrand stehen. Eigentlich mag ich Schnee vielleicht doch.

So ist Schnee schön: als Schneemann oder -frau im Humboldthain
So ist Schnee schön: als Schneemann oder -frau im Humboldthain. Foto: Hensel

Worauf ich überhaupt keine Lust habe, ist Schneeschieben. Mühsam ist das. Und ich befürchte, ich bin mit dieser Anti-Leidenschaft nicht allein. Seitdem es letztens vor gut einer Woche erstmals geschneit hat in Berlin, konnte man es beobachten, vor allem auf den Gehwegen. Es gibt noch mehr, die keine Lust aufs Schneeschieben haben. Also schieben sie einfach nicht. Deshalb schlittern Kinder auf dem Weg zur Schule neben den Straßen umher. Ich bin sogar zeitweilig auf der Fahrbahn gelaufen, weil die Stadtreinigung hier für freie Bahn gesorgt hatte. Auf dem Gehweg dagegen: ganz viel Schneeschiebe-Unlust.

Die große Schneeschiebe-Unlust im Kiez

Nicht nur bei mir im Brunnenviertel war das so. Auch in der Müllerstraße gibt es offenbar Menschen wie mich, schrieb mir eine Bekannte. Ich solle nachsichtig sein, vor allem mit der Stadtreinigung, schrieb sie noch bevor sie mit ihren Kindern zur Schule rutschte. Die können nicht alles machen – und müssen es auch gar nicht. Und ja, das stimmt.

Für die Gehwege vor den Wohnhäusern, für Innenhöfe und Müllplätze sind die Grundstückseigentümer zuständig. Und die hatten wahrscheinlich auf den Klimawandel gesetzt als sie die Winterdienst-Verträge abschlossen. Denn Gehwege, Innenhöfe und Müllplätze sind in diesen Tagen weddingein und weddingaus von einer festgetretenen Schnee-Eisschicht überzogen. Nicht schön für alle, die das Hinfallspiel nicht ganz so lustig finden.

Bitte vorsichtig gehen, hier ist es glatt!
Bitte vorsichtig gehen, hier ist es glatt! Foto: Hensel

Vom Schneeschieben zur Lüftungscheck-Krise

Vielleicht ist es auch schwer, einen Winterdienst-Vertrag abzuschließen – das hörte ich neulich von einer betroffenen Hausbesitzerin im Brandenburgischen. Vielleicht hat sich in der Branche nun auch in Berlin nach den vielen milden Wintern auch die Schneeschiebe-Unlust breit gemacht.

Oder sie haben auf Lüftungskontrollen umgesattelt. Ich halte das für sehr wahrscheinlich, wenn ich bedenke, dass bei mir mindestens zwei Mal im Jahr jemand vorbeikommt, der im Auftrag des Vermieters die Lüftung kontrolliert. Mit der nie irgendwas ist. Wobei mir das schon das nächste Problem schwant, wenn ich das weiterdenke. Wenn das mit der Lüftung so weitergeht, dann gibt es demnächst der Logik nach wahrscheinlich Lüftungscheck-Unlust. Und wenn dann die große Lüftungskrise ausbricht… da helfe uns der mittelständische Handwerksbetrieb!

Ich sehe heute also zum Himmel und hoffe auf das Beste am Boden. Dass es noch ein paar Menschen gibt, die ganz gegen den Trend das mit dem Schneeschieben eigentlich ganz sinnvoll finden.

Ich wünsche allen einen frohen Wintertag – ohne Hals- und Beinbruch!

Dieser Text wurde von einem Menschen geschrieben.

Der Winterdienst ist da!
Ende gut, alles gut? Der Winterdienst ist da! Foto: Hensel
📍 Kiez: ,

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