Gymnasium weg – was nun?

Seit vier Jahren steht das ehemalige Schulgebäude in der Putbusser Straße nun leer. Während das Gebäude, in dem früher das OSZ Wedding war, langsam verfällt, bemüht sich ein Projektteam hinter den Kulissen darum, dass hier Wohnungen und Räume für den Kiez entstehen.

Das Diesterweg-Gymnasium im Brunnenviertel kurz nach der Schließung 2011. Foto: Hensel
Das Diesterweg-Gymnasium im Brunnenviertel kurz nach der Schließung 2011. Foto: Hensel

Wer die Swinemünder Straße entlangspaziert, wird irgendwann einmal an einem knallorangen „Raumschiff“ vorbeigekommen sein und sich vielleicht gefragt haben, was das eigentlich ist. Das markante Gebäude ist in der 1970er-Jahren als Oberstufenzentrum gebaut worden und beheimatete bis 2011 verschiedene weiterführende Schulen – zuletzt das Diesterweg-Gymnasium. Nachdem im Gebäude jedoch Schadstoffe festgestellt worden waren, zog die Schule in die Böttgerstraße um. Der Komplex steht seither leer und ist für die Bewohnerinnen und Bewohner des Viertels nicht nutzbar.

Auszug der Jugendbibliothek beschlossen

Die Lage spitzte sich in den letzten Monaten schließlich zu: Schimmelbefall machte die angeschlossene Sporthalle unbenutzbar, auf die Vereine und die Vineta-Grundschule angewiesen sind. Außerdem wurde der Wegzug der Jugendbibliothek aus dem Brunnenviertel beschlossen. Diese war ursprünglich ebenfalls im Diesterweg-Gebäude untergebracht.

Mit dem Auszug der Schule war auch ein Gutachten in Auftrag gegeben worden. Dieses spielte zwei Möglichkeiten zur Zukunft der Schule durch: Komplettabriss oder Sanierung mit kultureller Weiternutzung. Da beide Optionen mit erheblichen Kosten beziffert worden waren, geschah erst einmal nichts. Der Bezirk Mitte und das Land Berlin – so scheint es – waren schlicht überfordert, eine finanzierbare Lösung zu finden.

Neue Idee für die alte Schule

Einen ersten Hoffnungsschimmer, dass etwas mit dem Gebäude geschehen könnte, gab es 2013. Ein Team aus den Architekten Oliver Clemens, Sabine Horlitz und Bernhard Hummel, das sich „pswedding“ nennt, hatte die Idee, das Gebäude für (inter)kulturelle Nutzungen herzurichten: Kino, Theater, Aula, ein Gemeinschaftsgarten, Museums- und Ausstellungsräume, ein Nachbarschaftszentrum mit Räumen für Veranstaltungen, Gesundheitszentrum und Spielmöglichkeiten für Kinder. Zudem sollten auf dem Grundstück um das Gebäude herum Wohnungen entstehen, die sich auch Menschen mit weniger Geld leisten könnten.

Die leerstehende Schule in der Putbusser Straße. Foto: Hensel
Die leerstehende Schule in der Putbusser Straße. Foto: Hensel

Die Bezirksverordnetenversamm­lung Mitte (BVV) war begeistert von dem Konzept. Sie beschloss, dass das Bezirksamt „pswedding“ dabei unterstützen sollte, das Grundstück in Erbpacht zu erwerben und das Konzept dort umzusetzen. Doch trotz der Unterstützung durch die BVV kam das Projekt nicht voran. Denn Bezirk, Senat und der Liegenschaftsfonds Berlin müssen sich einig darüber werden, ob und wie das Grundstück an das Projektteam abgegeben werden könnte. Zudem kam als neues Ziel der Politik auf, möglichst viele Wohnungen zu bauen, was die Prioritäten bei der Grundstücksvergabe zugunsten der städtischen Wohnungsbaugesellschaften verschob.

Gespräche mit der degewo begonnen

Aus diesem Grunde strebt „pswedding“ nun Kooperationen mit diesen an. Da bereits gute Beziehungen zur Howoge bestanden, fragte man zunächst diese an und stellte schließlich im Februar dieses Jahres ein gemeinsames Konzept beim Bezirksamt vor. Nur einen Tag später zog sich die Howoge aus dem gemeinsamen Projekt zurück. Der Senat hatte hier seinen Einfluss geltend gemacht und klargestellt, dass für das Brunnenviertel die Degewo zuständig ist. Man begann daher, Gespräche mit der Degewo aufzunehmen.

Im Mai 2015 überschlugen sich die Ereignisse. Der Stadtteilverein Brunnenviertel e.V. veranstaltete eine Diskussionsveranstaltung zur Zukunft des Gebäudes mit prominenten Bezirkspolitikern. Gleichzeitig hatte die degewo begonnen, Gespräche mit den Fraktionen der BVV aufzunehmen, um ihr eigenes Konzept vorzustellen.

Einen Tag vor der Diskussionsveranstaltung konnten sich „pswedding“ und die degewo darauf einigen, zusammenzuarbeiten. Der Plan: Die degewo soll nun neue Wohnungen auf dem Gelände bauen und „pswedding“ im ehemaligen Schulgebäude eine soziokulturelle Nutzung ermöglichen. Die Sporthalle wird gerade notdürftig saniert. Eine neue Halle soll nach aktuellen Plänen auf dem Grundstück der Vineta-Grundschule entstehen.

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Der Beitrag ist im gedruckten Kiezmagazin „Zurück im Kiez“ enthalten, das im September 2015 erschienen ist. Weitere Artikel aus dem Heft sind hier zu finden: Neues Kiezmagazin: Zurück im Kiez.

Text: Jan Dzieciol, Brunnenviertel e.V.

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